Geschenk zum 90.
Überraschung für „Effzeh“-Fan

Lüdinghausen -

„Seine“ Kölner live sehen – das konnte Richard Kohl nun in der Veltins-Arena auf Schalke. Keine Selbstverständlichkeit, denn der 90-jährige Rollstuhlfahrer wohnt im Antoniushaus Lüdinghausen. An seinem Geburtstag überraschten ihn die Pflegerinnen mit einer Karte für das Spiel der Geißböcke bei den 04-ern.

Mittwoch, 16.10.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 16.10.2019, 16:54 Uhr
Vereinsübergreifende Fangruppe: „Effzeh“-Fan Richard Kohl mit seinen Pflegerinnen, die ihm zu seinem 90. Geburtstag die Fahrt zum Spiel in der Veltins-Arena geschenkt hatten.
Vereinsübergreifende Fangruppe: „Effzeh“-Fan Richard Kohl mit seinen Pflegerinnen, die ihm zu seinem 90. Geburtstag die Fahrt zum Spiel in der Veltins-Arena geschenkt hatten. Foto: privat

Nicht lange nachdenken muss Richard Kohl auf die Frage hin, seit wann er Anhänger des „Effzeh“ ist, des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln. „Seit ich fünf war“, antwortet er. Das ist lange her, satte 85 Jahre. Denn nun wurde der Bewohner des Antoniushauses 90 Lenze jung. Und zu seinem Geburtstag von den Pflegerinnen überrascht – gemeinsam fuhren sie in die Veltins-Arena, zum Bundesliga-Spiel seiner Kölner auf Schalke.

Kohl ist ein waschechter Kölner Jung. Er wurde geboren in der Domstadt, dort lebte der gelernte Schlosser und ehemalige Kraftfahrer bis vor acht Jahren. Dann zog er mit seiner Frau ins Lüdinghauser Seniorenheim. Warum gerade dorthin? „Meine Tochter wohnt in Nordkirchen.“ Kochs Frau ist inzwischen verstorben, doch die Lebensfreude hat ihn nicht verlassen.

Einige Fans aus der Schalker Nordkurve hatten angeboten, ihn notfalls über die Treppen zu seinem Platz zu tragen.

Melina Dinler

Obwohl er schon lange nicht mehr im Müngersdorfer Stadion war, um seine Geißböcke live zu sehen – 2016 das letzte Mal. Doch die Kölner spielen ja auch auswärts, zum Beispiel auf Schalke.

Simone Schafrinski, Pflegerin im Lüdinghauser Antoniushaus, ist leidenschaftliche Blau-Weiße. Bei einem Facebook-Gewinnspiel des offiziellen Fanclubs der Gelsenkirchener gewann sie vier Eintrittskarten für die Parte gegen den 1. FC und dachte sofort an Kohl. Das Problem: Die Karten waren für Plätze, die der 90-Jährige nur über mehrere Treppen hätte erreichen können.

Also fragte Schafrinski über Facebook, ob jemand seine Karten tauschen könne. Und hatte Erfolg: Ein Ehepaar aus Thüringen hatte Plätze, die Kohl über nur eine Treppe erreichen konnte. Aber auch sonst hätte sich eine Lösung gefunden, sagt Melina Dinler , eine der Pflegerinnen, die Kohl nach Gelsenkirchen begleiteten: „Einige Fans aus der Schalker Nordkurve hatten sich ebenfalls auf Facebook gemeldet und angeboten, ihn notfalls über die Treppen zu seinem Platz zu tragen.“

Kohl selbst ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Erst an seinem Geburtstag weihten sie ihn ein, nachdem sie ihm eine große Torte, natürlich mit dem Wappen des „Effzeh“, überreicht hatten.

Absacker mit Kölscher Musik

Tags darauf ging es los, per Kleinbus ins Mekka von Blau-Weiß. Blau-Weiß hin, Blau-Weiß her, der 90-Jährige kam im Köln-Trikot und mit Geißbock-Schal. Dann wurde 90 Minuten mitgefiebert und mitgezittert. Lange stand es 0:0, dann gingen die Gastgeber in Führung. Nun musste Kohl mit seiner Elf bangen, dann wurde er in der Nachspielzeit erlöst: Jonas Hector traf zum Ausgleich.

Mit einem Zähler im Gepäck machte sich die Gruppe wieder auf den Heimweg – aber nicht direkt ins Seniorenheim. In Lüdinghausen kehrte sie ins „Amadeus“ ein, „noch einen Absacker nehmen“, wie sich Kohl schmunzelnd erinnert. Was man in Köln so „Absacker“ nennt: Man habe zu Kölscher  Musik den 90. Geburtstag gefeiert und getanzt, plaudert Pflegerin Dinler aus dem Nähkästchen.

Nun hofft Kohl darauf, dass er seinen „Effzeh“ bald wieder live sehen darf, am liebsten im Februar gegen die Bayern. Bleibt noch eine Frage offen: Wann wird Köln wieder Deutscher Meister? „Vorerst nit“, antwortet er. Und lacht.

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