Metzger und Landwirte zum Anstieg des Preises für Schweinefleisch
Zwischen Freude und Sorge

Lüdinghausen -

Wegen der Afrikanischen Schweinepest kosten Schnitzel, Wurst und Co. jetzt mehr. Für die Verbraucher anscheinend kein Problem, wie Metzger aus Lüdinghausen berichten. Für die Landwirte ist der Preisanstieg eigentlich ein Grund zur Freude. Es schwingt aber auch Sorge mit, dass die Seuche ebenfalls in Deutschland auftreten könnte.

Mittwoch, 06.11.2019, 08:00 Uhr
Bislang führt die Afrikanische Schweinepest in Deutschland nur zu einem erhöhten Fleischpreis – aufgrund der extrem gestiegenen Nachfrage in China. Das freut die Landwirte, die sich gleichzeitig aber Sorgen über eine Verbreitung in Deutschland machen.
Bislang führt die Afrikanische Schweinepest in Deutschland nur zu einem erhöhten Fleischpreis – aufgrund der extrem gestiegenen Nachfrage in China. Das freut die Landwirte, die sich gleichzeitig aber Sorgen über eine Verbreitung in Deutschland machen. Foto: dpa

Weil in China die Afrikanische Schweinepest (ASP) grassiert und dort bereits die Hälfte der Tiere dahingerafft hat, müssen die Deutschen für Schnitzel, Bratwurst und Co. tiefer in die Tasche greifen. Aber das scheint kaum einen Verbraucher zu stören, wie Metzger aus Lüdinghausen berichten.

„Für ein gutes Stück Fleisch bezahlt man gerne“, ist die Erfahrung von Helmut Feldkamp von der gleichnamigen Landfleischerei im Ortsteil Seppenrade. Dabei sei der erhöhte Preis nicht einmal Thema an der Verkaufstheke. „Es wird ja überall berichtet“, vermutet der Obermeister der Fleischerinnung Kreis Coesfeld, dass sich die Kunden ausreichend informiert fühlen.

Das wollen sie auch sein, was die Herkunft angeht. „Die Verbraucher möchten genau wissen, wo das Fleisch herkommt“, stellt Klemens Schürmann , Fleischermeister aus der Bauerschaft Brochtrup, immer wieder fest. „Das ist der Trend.“ In seinem Fall lautet die Antwort: „Von gegenüber, vom Hof Edelbusch.“ Was er an Rindfleisch verkaufe, stamme von den eigenen Tieren. Während der Grillsaison werde lediglich noch Geflügel von der Firma Reers aus Altenberge im Kreis Steinfurt zugekauft. So viel Transparenz sei in Zeiten von Fleischfabrik-Skandalen wie jüngst in Hessen und Niedersachsen auch ein Wettbewerbsvorteil. „Das spielt uns schon in die Karten“, sagt Schürmann.

Was die Entwicklung des Preises für Schweinefleisch angeht, sind sich beide Fleischermeister einig. „Die Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass es teurer wird“, glaubt Schürmann, der selbst auch mehr Kosten für den Einkauf kalkulieren muss. „Wir geben beim Bauern jetzt 50 Cent mehr pro Kilo aus als noch im Frühjahr“, informiert er. „Der Preis ist von 1,35 auf 1,85 Euro gestiegen.“ Feldkamp ist sich sicher: „Bis Januar oder Februar wird er auf über zwei Euro klettern.“ Damit sieht sein Berufskollege das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: „Das geht mindestens noch fünf Jahre so weiter, dass der Preis für Schweinefleisch weiter steigt“, ist Schürmann überzeugt. „Bis sich China wieder selbst versorgen kann.“

Man kann die Seuche bekämpfen, aber man muss die Mechanismen dafür haben – und die hat China nicht.

Michael Holz

Eine solche Prognose vermag Michael Holz, zweiter Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes (LOV) Seppenrade, nicht abzugeben. „Man kann die Seuche bekämpfen, aber man muss die Mechanismen dafür haben – und die hat China nicht“, betont er. Dort gebe es Betriebe mit Hunderttausenden von Tieren, aber auch die Hinterhofhaltung mit vielleicht fünf Schweinen, die dann auch mal Kartoffelschalen oder Essensreste zu fressen bekommen. „Da wird die Krankheit an einer Stelle eingedämmt und tritt an der anderen wieder auf“, beschreibt er den Teufelskreis.

So etwas, beruhigt Holz, könne in Deutschland nicht passieren. „Durch unsere betrieblichen Strukturen sind wir gut gewappnet“, ist der LOV-Vize, selbst Ferkelerzeuger, überzeugt. Und dennoch schwingt Sorge mit. „Für meinen Betrieb wäre ein Transportstopp fatal“, sagt er. „Außerdem möchte kein Landwirt, dass sein ganzer Tierbestand gekeult wird. Aber es muss alles getan werden, damit sich das Virus nicht weiter verbreiten kann – und das ist auch richtig so.“ Für die Schweinebauern in Deutschland sei das ASP-Virus ein zweischneidiges Schwert, so Holz. Einerseits sorge es aufgrund der erhöhten Nachfrage in China für einen guten Preis für die Landwirte, andererseits sei da die Angst vor einem Ausbruch vor Ort, im schlimmsten Fall im eigenen Betrieb.

Wir haben große Sorge, dass sich die Afrikanische Schweinepest über die Wildschweine auch bei uns ausbreiten kann.

Berthold Schulze Meinhövel

Berthold Schulze Meinhövel, Vorsitzender des LOV Lüdinghausen, bestätigt: „Wir haben große Sorge, dass sich die Afrikanische Schweinepest über die Wildschweine auch bei uns ausbreiten kann.“ Bis nach Belgien hat es das ASP-Virus bereits geschafft. „Das ist sehr nah“, gibt er zu bedenken. Und mit der Verbreitung könne es ganz schnell gehen. „Wie so oft ist das Problem der Mensch“, erklärt Schulze Meinhövel, selbst Schweinemäster, und bringt als Beispiel für eine mögliche Übertragung den Lkw-Fahrer aus dem bereits betroffenen Osteuropa, der die Reste eines mitgebrachten Butterbrotes mit infizierter Wurst aus dem Fenster wirft, wo sie schnell im Magen eines Wildschweins landen können. „Sobald wir ein totes Wildschwein finden, bei dem die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen wird, haben wir ein Problem mit dem Export“, betont der LOV-Vorsitzende. „Dann wird der Preis für das Hausschwein verfallen, auch wenn es gar nicht betroffen ist.“ Bisher, macht er deutlich, „hatten wir großes Glück“.

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