Volleyballerin Grit Böhnke
Grenzöffnung in Japan erfahren

Lüdinghausen -

Grit Böhnke – damals noch Naumann – erfuhr vom Mauerfall am 9. November 1989 in Japan. Damals nahm die Dresdnerin und DDR-Nationalspielerin am Volleyball-Weltcup im Fernen Osten teil. Dass ihr Staat eines Tages nicht mehr existieren würde, sei ihr schon klar gewesen. Aber dass es so schnell gehen würde, sei doch überraschend gewesen.

Samstag, 09.11.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 10.11.2019, 12:42 Uhr
Grit Böhnke, gebürtige Dresdnerin, erlebte den Mauerfall beim Volleyball-Weltcup in Japan. Seit 1996 lebt die heute 53-Jährige in Lüdinghausen.
Grit Böhnke, gebürtige Dresdnerin (das Foto oben zeigt sie in ihrer alten Heimat), erlebte den Mauerfall beim Volleyball-Weltcup in Japan. Seit 1996 wohnt die heute 53-Jährige in Lüdinghausen. Foto: privat

„Von jetzt auf gleich war alles ganz anders“, erinnert sich Grit Böhnke , langjährige Volleyballerin von Union Lüdinghausen, an den Mauerfall am 9. November 1989 – genauer gesagt: am 10. November. Denn Böhnke, damals noch Grit Naumann , befand sich, als das Mahnmal des Kalten Krieges fiel, mit der DDR-Nationalmannschaft beim Weltcup in Japan, das Mitteleuropa acht Stunden voraus ist.

„Wir kamen gerade von einem Spiel aus der Halle, als japanische Fernsehjournalisten mit Kameras auf uns zustürzten. ,In Berlin ist gerade die Mauer gefallen. Was sagen Sie dazu?‘, übersetzte unser Dolmetscher. Wir waren perplex, damit hatten wir nicht gerechnet. Wir konnten es erst einmal gar nicht glauben.“

Wir waren perplex, damit hatten wir nicht gerechnet. Wir konnten es erst einmal gar nicht glauben.

Grit Böhnke

Eine Ahnung davon, dass in Ostberlin einiges geschehen würde, hatte die gebürtige Dresdnerin aber schon gehabt: „Im September waren wir noch bei der EM in der BRD gewesen, als Genscher den DDR-Flüchtlingen in Prag die Weiterreise in die Bundesrepublik verkündete. Dass die DDR eines Tages nicht mehr existieren würde, war schon klar. Aber dass es so schnell gehen würde, damit hätte keiner gerechnet.“

Grit Naumann war damals eine der besten Volleyballspielerinnen der Welt. Sie blieb auch nach dem Mauerfall noch in dem niedergehenden SED-Staat, im August 1990 brachte sie in einem Ostberliner Krankenhaus ihre Tochter zur Welt – noch ein Kind der DDR. Sechs Jahre nach der Wiedervereinigung wechselte Naumann von Berlin ins Münsterland.

Gott sei Dank ist die Mauer gefallen.

Grit Böhnke

Wie kommt eine 287-fache Nationalspielerin (DDR und BRD), insgesamt neunfache Deutsche Meisterin und zweimalige Olympiateilnehmerin zu Union Lüdinghausen? „Wir waren im Dezember 1996 mit der Nationalmannschaft bei einem Nationenturnier in Lüdinghausen“, erinnert sich die heute 53-Jährige. Die Unionisten suchten einen Trainer, Naumann wiederum wollte ohnehin mit dem Leistungssport auf diesem Niveau aufhören. Beruflich war der Wechsel von der Sparkasse Berlin zur Sparkasse Lüdinghausen kein Problem. Nun musste Naumann nur noch gegenüber ihrem Lebensgefährten Jörg Böhnke Überzeugungsarbeit leisten – einem waschechten Berliner. Doch auch das klappte. Bis heute wohnt das seit langem verheiratete Paar in Lüdinghausen.

Bei Union stand die ehemalige Weltklassespielerin nicht nur an der Seitenlinie, sondern auch am Netz. 13 Jahre lang – dann, im Sommer 2009, feierte sie mit Union den ersten Aufstieg des Vereins in die Oberliga und beendete ihre Karriere.

Weit einschneidender für ihr Leben war aber das Ereignis 20 Jahre zuvor. „Gott sei Dank ist die Mauer gefallen“, sagt Böhnke heute. „Generell ist es uns als Leistungssportlerinnen in der DDR nicht schlecht gegangen, obwohl wir von den meistern Ländern meist auch nur die Hallen gesehen haben. Aber privat verreisen durften auch wir nicht. Das ist seit der Wiedervereinigung anders.“

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