Urteil im Drogendealerprozess
Bewährungsstrafen für junge Männer

Lüdinghausen/Münster -

Zu Bewährungsstrafen verurteilte das Landgericht Münster jetzt einen 20-jährigen Olfener und einen 22-jährigen Lüdinghauser. Sie wurden für schuldig befunden, mit Drogen gedealt zu haben.

Freitag, 08.11.2019, 18:00 Uhr
 Zu Bewährungsstrafen wurden jetzt ein 20-jähriger Olfener und ein 22-jähriger Lüdinghauser verurteilt. Es ging um Drogenhandel.
 Zu Bewährungsstrafen wurden jetzt ein 20-jähriger Olfener und ein 22-jähriger Lüdinghauser verurteilt. Es ging um Drogenhandel. Foto: dpa

Im Verfahren um zwei junge Drogendealer aus Lüdinghausen und Olfen ist nun das Urteil gefällt worden. Die dritte Strafkammer des Landgerichts Münster verurteilte den 20-jährigen Olfener sowie den 22-jährigen Mann aus Lüdinghausen jeweils zu Jugendstrafen von einem Jahr und zehn Monaten. Während beim Olfener die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, ordnete das Gericht bei dem Lüdinghauser die Unterbringung in einer Entzugsklinik an.

Unterbringung in einer Entzugsklinik

Im Prozesstermin war bezüglich des 22-jährigen neben der Frage der Unterbringung auch der Umstand, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet wird, bis zuletzt strittig. So galt dieser beim ersten verabredeten Handel noch als Heranwachsender. Die weiteren sechs vorgeworfenen Taten hatte er als Erwachsener begangen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger diskutierten hier um die Geltung der sogenannten „Wurzeltheorie“, wonach Erwachsenenstrafrecht nicht zwingend zur Anwendung kommt, wenn die erste Tat, die als Heranwachsender begangen wurde, als auslösend für die weiteren Delikte angesehen wird. Die Staatsanwältin verneinte jedoch den auslösenden und fortwirkenden Effekt der ersten Tat, da zwischen dieser und den weiteren mithin größere Zeiträume lagen, woraufhin sie eine Zäsur annahm. Der Strafverteidiger verwies hingegen auf den in der Kriminologie etablierten Unterschied zwischen „Hell- und Dunkelfeld“, welcher besagt, dass nur ein geringer Bruchteil der insgesamt begangenen Delikte letztlich aufgeklärt wird. Juristisch-spitzfindig stellte er damit weitere potenzielle Straftaten seines Mandanten in den Raum, um jedoch die von der Staatsanwaltschaft angenommene Zäsur zu widerlegen.

Jugendstrafrecht angewendet

Die Kammer wendete schließlich Jugendstrafrecht an, da sie die „Wurzel allen Übels“ in der Drogensucht des Angeklagten erblickte, die bereits im Jugendalter begann. Dabei betonte der Vorsitzende, dass auch bei dem 20-Jährigen Erwachsenenstrafrecht hätte angewendet werden können. „Während im Erwachsenenstrafrecht der Schuldgedanke im Vordergrund steht, geht es im Jugendstrafrecht um den Erziehungsgedanken“, erklärte der Vorsitzende im Rahmen der Urteilsbegründung. Trotz der ebenfalls bejahten Schwere der Schuld sah die Kammer den erheblichen Erziehungsbedarf der Angeklagten als ausschlaggebend an.

Nach den Schlussvorträgen entschuldigten sich beide Männer wiederholt für ihre Taten und für die Nachteile, die diese auch ihren Familien eingebracht hätten.

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