Installation des Sendener Künstlers Eckhardt Lotto
Mechanische Höflichkeit

Lüdinghausen -

Die Installation „Grußautomat“ des Sendener Künstlers, Musikers und Enfant Terrible Eckhardt Lotto fordert beim Betrachter schon alle Sinne. Sein neuestes Projekt feiert ausgerechnet in Lüdinghausen Premiere – am Samstagnachmittag auf einem Balkon gegenüber von Bruno Kleine.

Donnerstag, 14.11.2019, 19:00 Uhr
Künstler, Musiker und Enfant Terrible Eckhard Lotto und die Senderer Kirchenmusikerin Marita Schärich präsentierten gemeinsam die mechanisch angetriebene Puppe, die am Samstag vom Balkon gegenüber von Bruno Kleine herabwinken soll.
Künstler, Musiker und Enfant Terrible Eckhard Lotto und die Senderer Kirchenmusikerin Marita Schärich präsentierten gemeinsam die mechanisch angetriebene Puppe, die am Samstag vom Balkon gegenüber von Bruno Kleine herabwinken soll. Foto: ben

Der Arm geht rauf, der Arm geht runter. Dazu ertönt ein monotones Geräusch, ähnlich dem eines Teddybären, den man auf den Rücken dreht. Die Installation „Grußautomat“ des Sendener Künstlers, Musikers und Enfant Terrible Eckhardt Lotto fordert beim Betrachter schon alle Sinne. Sein neuestes Projekt, hauptsächlich anlässlich der Aktion „Münster – Hauptstadt der Höflichkeit“ vom 18. bis 24. November von ihm entworfen und umgesetzt, darf vorab schon mal in der Steverstadt das Publikum erfreuen – oder auch verstören, je nach persönlichem Empfinden. Dazu wird die grüßende Schaufensterpuppe in Sakko und mit Lottos Originalhut auf dem Haupt am morgigen Samstag von 13 bis 15 Uhr vom Balkon des Geschäftshauses gegenüber von Bruno Kleine in die Menge winken.

Es muss alles schnell gehen. Wir grüßen uns zwar, sagen kurz ‚Hallo, wie geht`s dir?‘. Aber dabei bleibt alles nur an der Oberfläche.

Eckhardt Lotto

„Ich verspreche mir, dass zu dieser Zeit eine Menge Menschen dort unterwegs sein werden, ob zum Einkauf oder, um sich Geld vom Sparkassenautomaten zu holen“, meint Lotto mit einem Schmunzeln. Denn das passe durchaus zur Intention seines neuen Werks. Der „Grüßaugust“ tue das, was in der modernen Gesellschaft inzwischen üblich sei. Man grüße sich im Vorbeigehen, doch ohne wirklich in Kontakt zueinander zu kommen. „Es muss alles schnell gehen. Wir grüßen uns zwar, sagen kurz ‚Hallo, wie geht`s dir?‘. Aber dabei bleibt alles nur an der Oberfläche“, erklärt der 60-Jährige, der vielen Lüdinghausern auch von seinen Auftritten als Einmann-Band beim Frühlings- und Kartoffelfest oder auch als singender Weihnachtsmann beim Weihnachtsmarkt der Hobbykünstler in der Burg Lüdinghausen in Erinnerung sein dürfte.

Deswegen wollte ich, ein paar Gedanken dazu zu Papier bringen.

Marita Schärich

Die seiner Installation innewohnende Kritik an der Beliebigkeit moderner Gesellschaften hat auch die Sendener Kirchenmusikerin Marita Schärich, mit der Lotto bereits früher gemeinsame musikalische Auftritte hatte, sehr beeindruckt. „Deswegen wollte ich, ein paar Gedanken dazu zu Papier bringen“, so Schärich. In ihnen seziert sie die über Jahrhunderte tradierten Regeln der Höflichkeit, das „artige Handgeben“ oder auch den Knicks als ursprünglich höfisches Gehabe ohne Inhalt, was sich wiederum in der heutigen Zeit im „unverbindlichen Smalltalk“ gut wiedererkennen lasse.

PS: Wer übrigens den Auftritt des mechanisch grüßenden Hutträgers am Samstag verpassen sollte, könnte ihm beim Weihnachtsmarkt in der Burg Lüdinghausen begegnen. Dann allerdings als Weihnachtsmann verkleidet, wie Lotto jetzt schon mal verspricht.

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