Auftaktveranstaltung für Spendenprojekt in Kenia
„Unsere Sicht ist nicht die einzige“

Lüdinghausen -

In den kommenden zwölf Monaten unterstützt „Fair Handeln“ ein Projekt in Kenia. Zum Auftakt hatte der Arbeitskreis jetzt die 25-jährige Sonja Neitzke eingeladen, die ein Jahr lang in der kenianischen Nationalkommission in Nairobi für die UNESCO gearbeitet hat.

Montag, 18.11.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 18.11.2019, 16:26 Uhr
Sonja Neitzke (3.v.r.) berichtete in den Lüdinghauser Friedensräumen über ihren Einsatz in Kenia im Auftrag der UNESCO.
Sonja Neitzke (3.v.r.) berichtete in den Lüdinghauser Friedensräumen über ihren Einsatz in Kenia im Auftrag der UNESCO. Foto: beb

Das ist ein Auftakt, um uns alle für das Projekt einzustimmen“, meinte Lisa Linder vom Arbeitskreis „Fair Handeln“ zu der Auftaktveranstaltung am Freitagabend in den Friedensräumen. Zuletzt hatte der Arbeitskreis mit Aktionen wie dem Verkauf eines Kochbuches, einem Weihnachtsmarktstand oder einer Spendenparty insgesamt 16000 Euro eingenommen. Diese wurde an das Nangato School Projekt in Malawi gespendet. Dort wird im Rahmen der Aktion „Mary’s Meals“ Kindern kostenlos eine tägliche warme Mahlzeit zur Verfügung gestellt. So wird dem Hunger entgegengewirkt, gleichzeitig besteht ein größerer Anreiz, zur Schule zu gehen. „Mit unseren Spenden können etwa 1000 Kinder ein Jahr lang versorgt werden“, verdeutlichte Vera Hüsken vom Arbeitskreis.

„Mary’s Meals“ ist in 18 afrikanischen Ländern aktiv. In den kommenden zwölf Monaten unterstützt „Fair Handeln“ diesmal ein Projekt in Kenia. Dazu hatte der Arbeitskreis die 25-jährige Sonja Neitzke eingeladen, die bis März 2018 ein Jahr lang in der kenianischen Nationalkommission in Nairobi für die UNESCO gearbeitet hat. „Kenia ist ein unfassbar vielfältiges und vielschichtiges Land“, begann Neitzke ihren Bericht. Nicht nur die Geografie mit Stränden, Wüsten und Regenwald, sondern auch die 40 Bevölkerungsgruppen mit über 50 Sprachen veranlassten sie zu dem Vergleich „wie ein riesiges Europa in einem Land“. Ziel der Arbeit im Rahmen ihres Freiwilligendienstes „kulturweit“, der vom Auswärtigen Amt unterstützt wurde, war es, Aufklärung zu leisten und Forschungsprojekte durchzuführen. „Ich finde es wichtig, dass man selbst hinfährt und sieht, dass man nicht alleine ist. Unsere Sicht auf die Welt ist nicht die einzige“, erklärt die junge Lüdinghauserin ihre Motivation.

Im Einsatz in Kenia mit ihren Mitstreitern: Sonja Neitzke (2.v.l.)

Im Einsatz in Kenia mit ihren Mitstreitern: Sonja Neitzke (2.v.l.) Foto: privat

So berichtete Neitzke von den Projekten, die sie begleitet hatte. Dazu zählten unter anderem auch mehrere Projekte, die sich mit Kindern auseinandersetzten. Einer Schule wurden Schulbänke und Tische zur Verfügung gestellt, denn obwohl Kenia im afrikanischen Vergleich in Sachen Bildung relativ weit vorne ist, gilt: „Bildung hängt oft davon ab, wie viel Geld eine Familie hat“ (Neitzke). Im Gebiet Kisumu, wo eine hohe Zahl an Menschen HIV-positiv ist, erhalten Kinder von Infizierten Schulbildung und eine warme Mahlzeit, um sie zu unterstützen. Zudem leistete die UNESCO Nothilfe im Gebiet Baringu, wo Konflikte kriegerisch ausgetragen wurden. Dort wurden zudem Workshops mit Lehrern und Gemeindepolitikern veranstaltet, um die Spannungen beizulegen.

Es war ein langes Jahr voller Perspektivenwechsel.

Sonja Neitzke

„Die Arbeit im Feld war super spannend“, schilderte Neitzke ihre Außeneinsätze, die das Team dann nach der Rückkehr nach Nairobi in Forschungsberichten dokumentierte. „Es war ein langes Jahr voller Perspektivenwechsel. Man betrachtet Sachen aus verschiedenen Blickwinkeln und ich bin mir meiner eigenen Privilegien viel bewusster geworden. Ich kann das jedem nur ans Herz legen“, wirbt Neitzke dafür, sich bei „kulturweit“ (www.kulturweit.de) zu bewerben.

„Wir begeben uns auf die aller unterste Ebene“, leitete Hüsken ihre Information über „Mary’s Meals“ in Kenia ein. 35,6 Prozent der kenianischen Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von 1,20 Dollar/Tag. 35 Prozent der Kinder leiden an Unterernährung. Gerade die Kinder in den Gebieten Eldoret und Turkana, in denen sich „Mary’s Meals“ engagiert, kommen häufig aus armen Verhältnissen. Aus Mais, Bohnen und Reis, die wegen der Spenden an Schulen geliefert werden können, werden einfache Breigerichte angefertigt (Kostenpunkt sieben Cent pro Mahlzeit). Auch in diesem Jahr wird der Arbeitskreis wieder eine Spendentasse präsentieren, das Motto darauf lautet: „We are one“.

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