Finanzminister will Männervereinen Gemeinnützigkeit aberkennen – Reaktionen
„Olaf Scholz kommt für uns zu spät“

Lüdinghausen -

Olaf Scholz hat angekündigt hat, Vereinen und Clubs, in denen Frauen nicht Mitglied werden können, die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Eine entsprechende Gesetzesvorlage will er erarbeiten. Was denkt die Basis in Lüdinghausen? Wir haben nachgefragt.

Samstag, 23.11.2019, 12:00 Uhr
Da wundert sich der eine oder andere an der Stange und fragt sich, ob Olaf Scholz in Berlin wohl hinterm Mond lebt.
Da wundert sich der eine oder andere an der Stange und fragt sich, ob Olaf Scholz in Berlin wohl hinterm Mond lebt. Foto: Heinz Schwarze-Blanke

„Wir diskriminieren niemanden, weder aufgrund seines Geschlechts, noch aufgrund seiner Auffassung, seiner Religion oder seiner Hauptfarbe.“ Christoph Schlütermann hat diesen Satz gesagt. Veranlasst sieht sich der Präsident des Lions Clubs Lüdinghausen dazu, nachdem Finanzminister Olaf Scholz angekündigt hat, Vereinen und Clubs, in denen Frauen nicht Mitglied werden können, die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Wer Frauen ausschließe, wird Scholz in Rundfunk und Zeitungen zitiert, dürfte keine Steuervorteile genießen.

Der Minister, sagt Schlütermann, sei nicht gut beraten, diese Debatte loszutreten. Vereine müssten sich jetzt rechtfertigen und klarstellen, dass sie Frauen nicht diskriminierten. „Die Lions Clubs sind weltanschaulich neutral.“ Auch Männergesangvereine hätten sich sicherlich nicht gegründet, um Frauen zu diskriminieren. Die Benachteiligung von Frauen sei grundsätzlich ein gesellschaftliches Thema, das ja, so Schlütermann, „da gibt es genug Baustellen“. Die Gemeinnützigkeit von Vereinen in diesem Zusammenhang in den Fokus zu nehmen, sei aber nicht zielführend.

Frauen sind fast immer dabei

Der Lions Club Lüdinghausen habe nur Männer als Mitglieder, sei aber nicht gemeinnützig. Die zum Lions Club zugehörige Fördergesellschaft hingegen sei gemeinnützig und schließe Frauen als Mitglieder in der Satzung nicht aus. Schlütermann betont, dass bei den Lions die Frauen „fast immer“ dabei seien, sie gehörten selbstverständlich dazu.

Nur ein müdes Lächeln im sprichwörtlichen Sinn hat Stephan Leineweber für Scholz über. „Der kommt für uns zu spät“, bringt es der Schriftführer des Schützenvereins Ermen durchs Telefon hörbar grinsend auf den Punkt. Die Schützen in Ermen haben im Januar dieses Jahres ihre Satzung dahingehend geändert, dass Frauen Mitglied werden können – das nach durchaus kontroversen Diskussionen, erinnert Leineweber. Frauen aufzunehmen sei einfach zeitgemäß, findet er. „Wir leben im 21 Jahrhundert.“ 14 der 159 Mitglied sind bisher Frauen.

Nichts ist in Stein gemeißelt

Wie sich ein Verein aufstellt, das solle diesem selbst überlassen werden – „von oben eingreifen, ich weiß nicht, ob das sein muss“, sagt Bernd Strotmann, Vorsitzender der Schützengilde Berenbrock. Der Verein besteht seit 385 Jahre, es sei Tradition, dass nur Männer Mitglied sind. Aber: „Frauen, Kinder, ganz Junge und ganz Alte – niemand ist von Vereinsleben ausgeschlossen.“ Wenn Frauen an den Vorstand heranträten mit dem Wunsch, offiziell Mitglied zu werden, „müsste man darüber nachdenken“. Strotmann weiter: „Nichts ist in Stein gemeißelt.“ Die Vorstandsrunde habe gerade getagt, über das Ansinnen des Ministers sei nur am Rande gesprochen worden.

„Wir sind gar kein gemeinnütziger Verein“, sagt Thomas Evers, erster Vorsitzender der Schützen in Bechtrup. Im Januar sei die nächste Generalversammlung. Vielleicht werde dann über das Thema gesprochen. Frauen seien bisher an den Vorstand noch nicht herangetreten – „vielleicht wird das ja in Zukunft so sein, das muss man abwarten“.

Scholz will Parteichef werden

Als er gehört habe, das Scholz, der zusammen mit Klara Geywitz auch SPD-Parteivorsitzender werden will, vorhabe, habe er sich kaputtgelacht, sagt frisch und frei Hubertus Geiping in seiner Funktion als Pressewart der Rotarier in Lüdinghausen. Natürlich habe der Club darüber nachgedacht Frauen aufzunehmen – das schon lange bevor Scholz mit der Idee gekommen sei, Männervereinen die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Geiping lässt seinen Blick in das reale Leben schweifen, spricht von Frauen und Männern, die gerne und oft zusammen etwas unternehmen, aber sehr gerne auch mal unter sich sind. Da werde niemand diskriminiert. Es gebe so viele unterschiedliche Vereine und Gruppen, zu denen Frauen und Männer gehen könnten – zusammen oder eben getrennt. Und überhaupt: Scholz müssen dann auch Frauenvereinen die Gemeinnützigkeit aberkennen. Beispielhaft nennt er hier „Inner Wheel“. Inner Wheel ist die weltweit größte eigenständige Frauen-Service-Club-Organisation mit zurzeit rund 3700 Clubs und insgesamt fast 100 000 Mitgliedern in 103 Ländern auf allen fünf Erdteilen.

50 männliche Mitglieder

Der Rotary Club in Lüdinghausen hat nach Angabe von Geiping 50 männliche Mitglieder – diese Tradition zu durchbrechen, das sei nicht ganz so leicht. Die Rotarier hätten aber jetzt, wenn sie sich neu gründeten, die Pflicht, sowohl Männer als auch Frauen aufzunehmen und zuzulassen.

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