Geschichtsheft „Ammonit und Glocke“ neu erschienen
Ein Gasthof, eine Villa und viel Not

Seppenrade -

In der mittlerweile siebten Ausgabe des Geschichtshefts „Ammonit und Glocke“ geht es um unterschiedliche Aspekte der Stadt- und Dorfhistorie in Lüdinghausen und Seppenrade. Die Autoren aus den beiden heimatvereinen beschäftigen sich unter anderem mit dem Haus (Böckmann-)Kock in Seppenrade sowie dem „Schloss Westerholt“.

Freitag, 29.11.2019, 12:00 Uhr
Sie gehören zu den Autoren der siebten Ausgabe des Geschichtshefts „Ammonit und Glocke“ der Heimatvereine Lüdinghausen und Seppenrade (v.r.): Ilona Tobüren-Bots, Manfred Neuhaus, Liane Schmitz sowie Dieter Böhle und Josef Brathe. Die beiden Letztgenannten haben sich mit der wechselvollen Historie des Hauses Böckmann-Kock (kl. Foto) an der Hauptstraße in Seppenrade beschäftigt.
Sie gehören zu den Autoren der siebten Ausgabe des Geschichtshefts „Ammonit und Glocke“ der Heimatvereine Lüdinghausen und Seppenrade (v.r.): Ilona Tobüren-Bots, Manfred Neuhaus, Liane Schmitz sowie Dieter Böhle und Josef Brathe. Die beiden Letztgenannten haben sich mit der wechselvollen Historie des Hauses Böckmann-Kock (kl. Foto) an der Hauptstraße in Seppenrade beschäftigt. Foto: wer

Einen weiten Bogen – nicht nur auf der historischen Zeitleiste, sondern auch thematisch – spannt die mittlerweile schon siebte Ausgabe des Geschichtshefts „Ammonit und Glocke“ der beiden Heimatvereine Lüdinghausen und Seppenrade, das jetzt im Heimathaus im Rosendorf vorgestellt wurde.

Den Auftakt des neuen Heftes macht ein Blick auf ein ehedem wie heute zen­trales Gebäude in der Seppenrader Hauptstraße – das Haus (Böckmann-) Kock . Josef Brathe und Dieter Böhle haben dessen Entwicklung von einem Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert über eine gutbürgerliche Gaststätte zum italienischen Restaurant und letztlich dem Sitz einer Arztpraxis verfolgt.

Geschäftstüchtiger Wirt

Besonderes Augenmerk legten sie dabei auf Anton Kock, der das Anwesen Anfang des 20. Jahrhunderts nach der Heirat mit Maria Böckmann übernahm. Der gelernte Maurer sei überaus geschäftstüchtig gewesen. So habe er etwa im Ersten Weltkrieg für die in seinem Gasthaus untergebrachten Kriegsgefangenen eigenes Notgeld herausgegeben, mit dem sie nur im Dorf einkaufen konnten.

Mit der Schulbildung „für die weibliche Jugend im Kaiserreich“ hat sich der ehemalige Lehrer Heribert Schwarzenberg beschäftigt. Insbesondere hat er dabei die Gründung der Mädchenschulen am St.-Antonius-Kloster in den Blick genommen. Dort erfolgte im Jahr 1912 die erste Reifeprüfung für Schülerinnen.

Westerholt als Cani-Ursprung

Mit dem Thema Schule hat auch die Untersuchung der Geschichte von „Schloss Westerholt“ durch Manfred Neuhaus zu tun. Denn dort seien die „Ursprünge des Canisianums“ zu verorten, so der ehemalige Cani-Pädagoge. Erbaut hat die schlossartig anmutende Villa allerdings in den Jahren 1905/06 Ignatz Reichsgraf von und zu Westerholt und Gysenberg für seine Familie. Dieser war seit 1899 Richter am Amtsgericht Lüdinghausen. Er und seine Frau hatten sechs Kinder – man brauchte also Platz. Cani-Gründer Bernhard Hürfeld pachtete ab 1936 das Gebäude für sein Internat. 1963 erwarb er für 650 000 D-Mark das Haus und die umliegenden Flächen für den Neubau des Canisianums, der 1967 erfolgte. Seit 1984 beherbergt die inzwischen denkmalgeschützte Villa Westerholt – so wird sie heute genannt – die städtische Musikschule.

Patriotischer Hintergrund

Mit sogenannten „Nagelbildern“ aus der Zeit des Ersten Weltkrieges haben sich Liane Schmitz und Ludger Pieper auseinandergesetzt. Zwei dieser Nagelungen wurden in Gebäuden der Kirchengemeinden St. Felizitas und St. Dionysius gefunden. In städtischen Archiv gibt es Hinweise auf zwei weitere Nagelbilder – ein eisernes Stadt-Wappen sowie das „Eiserne Kreuz“. Sie dienten im Krieg dazu, Spenden für Kriegsopfer zu sammeln und hatten zugleich einen patriotischen Hintergrund, so Schmitz.

Bereits zum zweiten Mal schreibt Dr. Ilona Tobüren-Bots über die Häuser auf dem „Großen Garten“ – im Bereich der heutigen Gartenstraße. Die Quellenlage sei undurchsichtig, die Forschung schwierig, erklärte sie. Die Zuordnung von Bewohnern zu einzelnen Häusern sei nur bedingt zu leisten. Das Leben dort sei aber im 18. Jahrhundert „von Not, Armut und hoher Sterblichkeit“ geprägt gewesen.

Zum Thema

Das Geschichtsheft ist ab sofort in der Geschäftsstelle von Lüdinghausen Marketing (Borg 4) erhältlich. Zudem wird es am Wochenende (30. November/1. Dezember) auf dem Seppenrader Weihnachtsmarkt) und am 8. Dezember (Sonntag) beim Stadtgeburtstag in der Burg Lüdinghausen verkauft. Es kostet sechs Euro.

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