Umfrage in Lüdinghauser Unternehmen
Weihnachtsgeld als Wertschätzung

Lüdinghausen -

Weihnachtsgeld ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Nur 53 Prozent der bundesweit Beschäftigten erhalten diese Gratifikation noch. In Lüdinghausen zahlen Arbeitgeber das „13. Gehalt“ aus unterschiedlichen Motiven – mal wegen der Tarifbindung des Betriebs, mal als freiwillige Leistung.

Mittwoch, 11.12.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 11.12.2019, 14:38 Uhr
Birgit Friesicke (M.), Inhaberin der Markt-Apotheke, zahlt ihren Mitarbeiterinnen – dazu gehören unter anderen Mandy Kunstleben (l.) und Jenny Bohr – Weihnachtsgeld.
Birgit Friesicke (M.), Inhaberin der Markt-Apotheke, zahlt ihren Mitarbeiterinnen – dazu gehören unter anderen Mandy Kunstleben (l.) und Jenny Bohr – Weihnachtsgeld. Foto: Bastian Becker

„Es wird immer ein bisschen was an alle gezahlt, wie sich das gehört“, erklärt Marco Sträter , Inhaber des gleichnamigen Gasthauses an der Seppenrader Straße, zum Thema Weihnachtsgeld. Der letzte Halbsatz suggeriert eine Selbstverständlichkeit der Sonderzahlung. Laut einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung erhalten jedoch nur 53 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland Weihnachtsgeld. Ein wichtiges Kriterium ist dabei die Tarifbindung. 76 Prozent der Beschäftigten, in denen das Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden ist, erhalten die festliche Zusatzzahlung.

Unsere Leute arbeiten gut, dann bekommen sie auch ihr Geld.

Margarete Focke

Deswegen haben manche Betriebe wie etwa der Heizungs- und Sanitärinstallateur Focke keine Wahl: „Wir bezahlen allen Weihnachtsgeld, weil es tariflich vorgeschrieben ist“, beschreibt Margarete Focke, Assistentin der Geschäftsleitung. Das bedeute aber nicht, dass man das Weihnachtsgeld den Angestellten nicht gönne. „Unsere Leute arbeiten gut, dann bekommen sie auch ihr Geld“, betont Focke. „Wir sind nicht tarifgebunden, weil nicht alle Mitarbeiter in der Gewerkschaft sind“, erläutert Birgit Friesicke, Inhaberin der Markt-Apotheke. Daher sei eine Zahlung nicht vorgeschrieben, dennoch gibt es für alle Mitarbeiter volles Weihnachtsgeld. „Weihnachtsgeld ist eine zusätzliche Gratifikation für gute Arbeit, deshalb zahlen wir es auch“, nennt Friesicke den Grund für die Zahlung des „13. Gehalts“.

Weihnachtsgeld ist eine zusätzliche Gratifikation für gute Arbeit, deshalb zahlen wir es auch.

Birgit Friesicke

Kein festes Weihnachtsgeld gibt es dagegen beim Autohaus Kaiser. Geschäftsführerin Petra Göldner meint: „Wir machen das erfolgsabhängig.“ Die Angestellten erhalten individuell unterschiedlich bestimmte Prämien für die verkauften Wagen. Diese werden am Jahresende gezahlt. „Verschiedene Aktionen von Ford spielen da mit rein“, so Göldner. „Weihnachtsgeld ist teilweise eine Tradition, weil man es schon lange zahlt. So verpflichtet man sich dazu, es weiterzumachen“, analysiert Anna Berling, Inhaberin der Buchhandlung Drei-Burgen-Buch. Zudem sei es aber auch wichtig, um den Angestellten seine Wertschätzung zu zeigen. Deshalb zahlt Berling ihren Mitarbeitern „einen gewissen Teil“.

Weihnachtsgeld ist teilweise eine Tradition, weil man es schon lange zahlt. So verpflichtet man sich dazu, es weiterzumachen.

Anna Berling

Sträter beobachtet dieser Tage, dass viele Firmen Essensgutscheine bei ihm erwerben. „Deshalb glaube ich, dass wahrscheinlich immer weniger Bargeld ausgezahlt wird.“ Stattdessen würden den Angestellten womöglich andere Zusatzleistungen wie eben zum Beispiel Essensgutscheine angeboten. Der Gastronom weiß, dass Zusatzleistungen für die Arbeitgeber wichtig sind, um kompetente Mitarbeiter zu halten. „Man muss gucken, dass die Leute nicht abgeworben werden. Es ist ja Konkurrenz da, und die Leute schauen, was es bei den anderen gibt.“ So würden Weihnachtsgeld und sonstige Zusatzangebote wohl auch weiterhin eine Rolle spielen.

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