Lüdinghausen vor 150 Jahren
Großzügige Spenden für St. Felizitas

Lüdinghausen -

Einen Blick in die Geschichte Lüdinghausens vor 150 Jahren wirft Stadtarchivarin Liane Schmitz. Der damalige Bürgermeister Wormstall berichtete unter anderem von Spenden für die Renovierung der Kirche St. Felizitas.

Freitag, 03.01.2020, 13:00 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 13:10 Uhr
Das Kirchenfenster in St. Felizitas wurde im Jahr 1869 gespendet und installiert.
Das Kirchenfenster in St. Felizitas wurde im Jahr 1869 gespendet und installiert. Foto: Peter Werth

Fortsetzung des Rückblicks Lüdinghausen vor 150 Jahren:

„Großes Mißtrauen hat sich der Abgeordnete für Lüdinghausen durch die Abstimmung für die confessionslose Schule zu Breslau am 27. Februar d. Jahres zugezogen. Dieses Misstrauen wird nicht nur in den öffentlichen Blättern sondern auch bei jeder Gelegenheit laut kund gegeben. Der Charackter der hiesigen Eingesessenen ist durchweg ganz entschieden gegen confessionslose Schulen.“ Fraglich ist, wer hier in die Kritik geraten ist, denn der für Lüdinghausen, Beckum und Warendorf zuständige Hermann von Mallinckrodt war einer der damaligen Führer des politischen Katholizismus und als solcher Gegner der konfessionslosen Schulen.

Möglicherweise hatte die Tatsache, dass er in seiner Rede zur Breslauer Schulfrage vielerlei Argumente gegeneinander abgewogen hatte, zu einer Verunsicherung geführt. Damals wurde vehement um die Stellung von Staat und Kirche gerungen.

Damit hatten in jener Zeit Investitionen in den Kirchenbau eine gewisse politische Dimension. Auch in Lüdinghausen bildete die „Restauration der hiesigen Pfarrkirche“ ein weiteres größeres Projekt des Jahres 1869. Möglich war sie auch aufgrund einer großen Spende: „Der Herr Droste Erbdroste zu Darfeld schenkte der hiesigen Pfarrkirche zur Restauration der Pfarrkirche resp. für einen neuen Hochaltar 500 Reichstaler“.

Weiter berichtet Wormstall im März: „Ein neues Fenster (Glasmalerei) ist bereits eingesetzt und gegen Pfingsten wird ein neuer Hochaltar den Chor zieren.“ Der Entwurf für den Hochaltar aus Baumberger Sandsteinen und mit Säulen aus Marmor stammt von Hilger Hertel. Dieser steht heute noch im Chor – lediglich in der Höhe ist er später verkürzt worden. Mit den Bildhauerarbeiten, das heißt auch dem Figurenschmuck, war der Münsteraner Heinrich Fleige beauftragt worden. Die farbliche Ausgestaltung des Chores lag in den Händen des Malers Urlaub.

Von den damals erneuerten, dann aber im Zweiten Weltkrieg zerstörten Chorfenstern ist heute ein Rest in der Wand zwischen Kirchenraum und Seitenkapelle zu sehen, der Propheten aus dem Alten Testament darstellt. Die Glasmalerei stammt von dem Wiener Maler Johannes Evangelist Klein, der auch für den Paulusdom in Münster und den Kölner Dom arbeitete.

Leider sind nicht alle von dem städtischen Bürgermeister Wormstall und den für Seppenrade und Lüdinghausen Land zuständigen Amtmann Hülskötter als Zeitungsbericht bezeichnete Meldungen aus 1869 erhalten. Die Ursache für das Fehlen liegt möglicherweise in dem im folgendem Jahr ausgebrochenen Deutsch-Französischen Krieg.

Die Gefahr schien schon 1869 spürbar zu sein. So schrieb Wormstall im März: „Die Gerüchte der event. Friedensstörungen, vermögen den hiesigen Gemüthern keinesweges zu beunruhigen. Die glänzenden Erfolge von 1866 (Krieg Preußen-Österreich), die unerschütterliche Militärmacht unseres theuern Vaterlandes sowie die sonstigen geregelten Verhältnisse verscheuchen jede Besorgniß.“

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