Passbilder sollen bald in den Behörden gemacht werden
Fotohändler bleiben auf der Strecke

Lüdinghausen -

Passfotos sollen bald direkt in den Behörden gemacht werden, so sieht es ein neuer Gesetzentwurf vor. Bei den Fotogeschäften, für die die biometrischen Porträtfotos eine wichtige Einnahmequelle sind, stößt dieses Vorhaben auf wenig Begeisterung. Auch die Stadtverwaltung steht dem kritisch gegenüber.

Samstag, 11.01.2020, 10:00 Uhr
Passbilder sollen bald ausschließlich in den Behörden gemacht werden, so sieht es ein neuer Gesetzesentwurf vor. Das missfällt Brunhilde Picker, die das Geschäft „Foto Aktuell“ betreibt. Sie fürchtet, ihr Geschäft dann schließen zu müssen.
Passbilder sollen bald ausschließlich in den Behörden gemacht werden, so sieht es ein neuer Gesetzesentwurf vor. Das missfällt Brunhilde Picker, die das Geschäft „Foto Aktuell“ betreibt. Sie fürchtet, ihr Geschäft dann schließen zu müssen. Foto: Heidrun Riese

Wer einen Pass oder Personalausweis beantragen möchte, benötigt ein biometrisches Porträtfoto. Das soll nach dem Willen des Bundesinnenministeriums künftig direkt bei der zuständigen Behörde „in Gegenwart eines Mitarbeiters“ gemacht werden und „elektronisch zu erfassen sein“, wie es in einem Entwurf für das „Gesetz zur Stärkung der Sicherheit in Pass- und Ausweiswesen“ heißt. Für die Fotohändler bedeutet das enorme Umsatzeinbußen – bis hin zur Existenzbedrohung.

Passbilder sind Hauptgeschäft

Wie im Fall von Brunhilde Picker , Inhaberin von „Foto Aktuell“ in der Burgstraße. „Passbilder sind mein Hauptgeschäft“, informiert sie. „Damit mache ich die Hälfte meines Umsatzes. Wenn diese Einnahmen wegfallen, muss ich meinen Laden schließen.“ Dabei hat die Geschäftsfrau durchaus Verständnis für die Beweggründe, die hinter dem Gesetzesentwurf stehen. „Natürlich müssen die Bilder sicherer werden, es gibt so viele Möglichkeiten der Fälschung“, sagt sie. Allerdings bezweifelt Picker, ob es einen so großen Unterschied macht, ob das Bild nun im Beisein eines Verwaltungsmitarbeiters entsteht oder in einem Fachgeschäft.

Als sie von der angedachten Neuerung hörte, habe die Inhabern von „Foto Aktuell“ gleich E-Mails an den Bundesinnenminister Horst Seehofer und den hiesigen CDU-Bundestagsabgeordneten Marc Henrichmann geschrieben. „Da habe ich sofort reagiert“, berichtet sie. „Ich glaube aber nicht, dass das etwas bringt.“ Picker, die seit der Eröffnung vor über 20 Jahren in dem Fachgeschäft arbeitet und dieses 2009 übernommen hat, ist davon überzeugt, dass das neue Gesetz kommt. „In manchen Städten wird das schon vorgelebt.“ Sie hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden. „Irgendjemand“, weiß sie, „bleibt immer auf der Strecke.“

Kooperation erwünscht

Tim Bohr , Inhaber von „Foto Vennemann und Bohr“ in der Kirchstraße, stimmt zu: „Das tut schon weh“, sagt er. „Für Fotografen, die ein Studio haben, bedeutet das einen Umsatzrückgang. Wir müssen überlegen, wie wir das Geld auf anderem Wege reinholen, durch höhere Preise oder geänderte Geschäftszeiten.“ Oft würden ihn Kunden auf das Thema ansprechen, berichtet der Fotograf. „Sie fürchten auch, dass die Qualität leidet“, gibt er deren Bedenken wieder.

Besser als Selbstbedienungsterminals in den Behörden fände Bohr eine Kooperation zwischen Behörden und Fachgeschäften. „Dann könnten zertifizierte Fotografen die Passbilder direkt an die Stadt mailen“, lautet sein Vorschlag. „Das wäre eine Lösung, mit der man arbeiten könnte.“

Enormer Aufwand

Auch im Rathaus stößt das Vorhaben nicht gerade auf Begeisterung. „Aus meiner Sicht als Wirtschaftsförderer ist das ein ziemlich katastrophaler Vorschlag für den stationären Einzelhandel in der Fotobranche“, kann sich Stefan Geyer mit dem Gesetzentwurf nicht anfreunden. Er habe bei seinen Internet-Recherchen zum Thema lediglich drei Fälle von Täuschungsmanövern ausfindig machen können und bei der Stadtverwaltung seien diesbezüglich noch keine Beschwerden eingegangen oder Bedenken geäußert worden. „Da jetzt ein Riesenfass aufzumachen, halten wir nicht für sinnvoll“, betont Geyer. „Auch wegen des enormen Aufwands, alleine schon durch die erforderlichen Anschaffungen. Wir stehen dem sehr kritisch gegenüber.“

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