Prozessauftakt: Angeklagte weisen Vorwürfe zurück
War es Kindesmissbrauch?

Lüdinghausen/Münster -

Von schwerem sexuellen Kindesmissbrauch spricht der Staatsanwalt. Ihm gegenüber sitzen die Mutter der Geschädigten und ihr langjähriger Lebensgefährte. Das Duo muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht verantworten – und streitet alles ab.

Mittwoch, 22.01.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 26.01.2020, 13:56 Uhr
Prozessauftakt: Angeklagte weisen Vorwürfe zurück: War es Kindesmissbrauch?
Foto: dpa

Der Staatsanwalt spricht von schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern. Ihm gegenüber sitzen die Mutter der Geschädigten und ihr langjähriger Lebensgefährte. In vier Fällen soll der Mann das zu Beginn der Übergriffe erst elf Jahre alte Mädchen sexuell missbraucht haben. Darüber hinaus soll das Duo gemeinschaftlich vor dem Kind sexuelle Handlungen vorgenommen haben.

Am gestrigen Dienstag begann der Prozess vor dem Landgericht. Laut Staatsanwaltschaft fanden die verschiedenen Tathandlungen in der Zeit von Januar 2014 bis Oktober 2016 in der gemeinsamen Wohnung in Lüdinghausen statt.

„Alle Vorwürfe sind samt und sonders falsch. Ich habe mich dem Kind nicht genähert“, sagte der Angeklagte. Nach seinen Ausführungen soll das Verhältnis zu dem Mädchen Anfang 2012 sehr herzlich gewesen sein. Das verschlechterte sich jedoch in den Folgejahren. Mitte August 2014 soll das Kind dann übergriffig geworden sein – und es habe ihn immer wieder zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Die Aggressivität des Mädchens habe ihn quasi verfolgt und wurde zum Problem, erläuterte der Angeklagte. Aus seiner Sicht war es derart dramatisch und belastend, dass er Hilfe suchte. „Es ging so nicht weiter“, berichtete er vom Weinkrampf geschüttelt.

Auch die Mutter blieb nicht emotionslos. Nie würde sie vor einem Kind sexuelle Handlungen vornehmen. „Ich war erschüttert, als ich von der Anklage erfuhr“, schilderte sie. Und dass ihr Lebenspartner mit dem Nachwuchs geschlafen haben soll, das konnte sie absolut nicht glauben. Sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe stellte sie ihn zur Rede. „Er hat mir alles erzählt, so wie auch heute in der Verhandlung“, berichtete die Frau. Und das Kind habe die Vorwürfe ja auch widerrufen. Wurden diese also erfunden? Der Prozess wird fortgesetzt.

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