Theaterstück zum Todestag von Helmuth James Graf von Moltke
Von Liebe, Krieg und Widerstand

Lüdinghausen -

Das artEnsemble-Theater gastierte mit dem Stück „Im Land der Gottlosen“ auf der Burg Vischering. Am 75. Todestag von Helmuth James Graf von Moltke erzählten sie die Geschichte des Widerstandskämpfers mit seinen eigenen Worten.

Freitag, 24.01.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 24.01.2020, 15:26 Uhr
Susanne Hocke und Jürgen Larys brachten die Gedanken und Gefühle von Freya und Helmuth James von Moltke auf die Bühne. Knapp 200 Gymnasiasten verfolgten das Theaterstück gespannt.
Susanne Hocke und Jürgen Larys brachten die Gedanken und Gefühle von Freya und Helmuth James von Moltke auf die Bühne. Knapp 200 Gymnasiasten verfolgten das Theaterstück gespannt. Foto: Heidrun Riese

Mit ernster Miene blickt sie in das Heft, das in ihren Händen liegt. Sie liest von den Erlebnissen und Gedanken, die ihr Mann in seiner Gefängniszelle niedergeschrieben hat. Manchmal huscht ihr auch ein Lächeln über das Gesicht. Immer dann, wenn er von ihr schreibt, der Liebe zu seiner Frau und dem wahren Reichtum im Leben, während vor seinem kleinen Kellerfenster der Krieg tobt.

Es war der 19. Januar 1944, als Helmuth James Graf von Moltke in das Gestapo-Gefängnis in Berlin eingeliefert wurde, nachdem er seinen Freund Otto Kiep vor dessen bevorstehender Verhaftung gewarnt hatte. Von ihm handelte das Theaterstück „Im Land der Gottlosen“, das gestern zwei Mal auf Burg Vischering zu sehen war – am Vormittag für knapp 200 Oberstufenschüler der beiden Lüdinghauser Gymnasien und am Abend für die Öffentlichkeit.

Zukunftsentwürfe für ein demokratisches Deutschland

Jürgen Larys verkörperte den Widerstandskämpfer, der zusammen mit anderen christlich Inspirierten im „Kreisauer Kreis“ an Zukunftsentwürfen für ein demokratisches Deutschland nach Hitler gearbeitet hatte und am 23. Januar 1945 hingerichtet wurde, vor genau 75 Jahren. Anlässlich des Todestages holte der Kreis Coesfeld ihn und Susanne Hocke, die Freya von Moltke spielte, in die Steverstadt.

Die beiden Schauspieler des „artEnsemble-Theaters“ hatten den Briefwechsel zwischen den Eheleuten und das Gefängnistagebuch Helmuth James von Moltkes für ihr Theaterstück genutzt. „Da ist kein einziger Satz, der nicht aus den Originaldokumenten stammt“, betonte Larys. Er zitierte auf der Bühne nicht nur, sondern ließ das Publikum durch sein ergreifendes Schauspiel mit wenigen Requisiten die mal nüchtern-sachliche, oft angstvoll-beklemmende, aber auch liebevoll-dankbare Stimmung miterleben, die der Protagonist beim Schreiben verspürt haben muss.

Ergreifendes Schauspiel mit wenigen Requisiten

Dabei gelang es ihm, den Zuschauern zu vermitteln, womit ihn dieser beeindruckt hat. „Er hat es geschafft, durch geistige Kraft, die er aufgebaut hat, widrigsten Umständen zu widerstehen“, erklärte Larys. „Er ist in dieser Situation gewachsen. Da kann man unheimlich viel lernen über das Menschsein und die Liebe.“

Aber es ging in der Inszenierung nicht nur um die persönliche Ebene, sondern vor allem auch um die politische Dimension. „Der Eintritt für Demokratie ist ein sehr aktuelles Thema“, unterstrich Markus Kleymann, Mitarbeiter des Kulturamtes des Kreises Coesfeld.

Deshalb hatten die Schüler vorab Material für den Unterricht erhalten, um sich schon mal mit der Biografie und der Entstehung des Stückes zu beschäftigen. Gero Borrmann, Geschichtslehrer am Canisianum, gefiel der Theaterbesuch: „Anschaulich kann man Geschichte besser vermitteln als mit dem Schulbuch.“

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