Janbernd Oebbecke über seine Zeit auf Burg Vischering
Eine beschauliche Kindheit

Lüdinghausen -

Janbernd Oebbecke kennt die Burg Vischering wie seine Westentasche. Dort hat er prägende Jahre seiner Kindheit verbracht – in den 1950er und 1960er Jahren. Sein Großvater war auf der alten Wehranlage als Fahrer und Hausmeister im gräflichen Dienst beschäftigt. Manchmal ging ihm dabei sein Enkel zur Hand.

Samstag, 25.01.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 25.01.2020, 10:02 Uhr
Janbernd Oebbecke hat seine Kindheit in den 1950er Jahren auf Burg Vischering verbracht. Dort war sein Großvater als Hausmeister beschäftigt.
Janbernd Oebbecke hat seine Kindheit in den 1950er Jahren auf Burg Vischering verbracht. Dort war sein Großvater als Hausmeister beschäftigt. Foto: Peter Werth

„Hier war damals der Rest eines Tennisplatzes zu sehen. Die Pfosten für das Netz standen noch, und auf dem roten Grund waren Markierungen zu erkennen“, sagt Dr. Janbernd Oebbecke , während sein Blick die Fläche am Rand der Außengräfte von Burg Vischering ins Visier nimmt, die inzwischen dicht mit Bäumen bestanden ist. Beim Gang rund um die alte Wehranlage erinnert er sich an seine Kindheit, die er auf der Burg verbracht hat. Mit seinen Eltern hat er von 1956 bis 1967 dort gewohnt.

Mein Großvater war zu erst Fahrer, dann Mädchen für alles. Heute würde man das wohl Facility Manager nennen.

Janbernd Oebbecke

„Mein Großvater war zu erst Fahrer, dann Mädchen für alles. Heute würde man das wohl Facility Manager nennen“, erzählt der heute 69-Jährige, der im Alter von sechs Jahren mit der Familie aus dem sauerländischen Werdohl nach Lüdinghausen kam. „Großvater war Witwer geworden, allein wäre er nicht zurechtgekommen“, sagt der Jurist mit einem fast nachsichtigen Schmunzeln.

Spielkameraden habe es damals für ihn und seine jüngere Schwester reichlich gegeben. „Hier waren viele Flüchtlingsfamilien untergekommen“, beschreibt Oebbecke die Situation. Das Areal rund um die Burg sei nicht nur eine echte Idylle gewesen, sondern ein abenteuerliches Spielgelände. So sei die Außengräfte nicht wie heute mit Wasser gefüllt gewesen, sondern ein eher sumpfiges Etwas. Das habe im trockenen Sommer den Weg in Richtung Ostwallschule verkürzt, erinnert sich Oebbecke.

Er selbst hat mit seiner Familie im ersten Geschoss der Vorburg gelebt, erzählt er während des Gangs um die Burg und zeigt auf eines der Fenster: „Dort war das beste Zimmer.“ Das sei nur einmal im Jahr genutzt worden. Erst als der Großvater Anfang der 1960er Jahre ein Fernsehgerät angeschafft habe, verbrachte die Familie dort mehr Zeit. Insgesamt habe es in der Wohnung reichlich Platz gegeben. Zunächst allerdings hat der junge Oebbecke sich ein Zimmer mit seinem Großvater teilen müssen. Erst mit 13 Jahren habe sich das geändert. Rückblickend betrachtet bezeichnet er seine Kindheit auf der Burg als „beschaulich und friedlich“.

Sein Großvater habe für sein Leben auf Burg Vischering eine nicht unwesentliche Rolle gespielt, berichtet Oebbecke. Zu dessen umfangreichen Aufgaben habe es unter anderem gehört, im Sommer von den Burgbesuchern Eintritt zu kassieren. Die Karten gab es in dem sogenannten Pförtnerhaus am Beginn der Lindenallee zur eigentlichen Burganlage. Dort, so erinnert sich der 69-Jährige, gab es eine kleine Kammer mit schmalem Fenster, aus dem die Tickets verkauft wurden – „für 30 Pfennig“.

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