Wie das PrimA-Projekt des Caritasverbandes Familie Westrich durch eine schwere Zeit half
Kleine Hilfe mit großer Wirkung

Lüdinghausen -

Als die Westrichs eine schwere Zeit hatten, war Ilona Wiggermann ihnen eine große Hilfe. Als die Mutter starb, kam sie als Ehrenamtliche des PrimA-Projekts einmal in der Woche nach Seppenrade, um Zeit mit dem Sohn zu verbringen und den Vater damit zu entlasten.

Dienstag, 28.01.2020, 09:00 Uhr
Wollen anderen Mut machen, Hilfe in Anspruch zu nehmen (v.l.): PrimA-Koordinatorin Tanja Dinkelborg und die Ehrenamtliche Ilona Wiggermann mit Florian und Martin Westrich mit Abbygale.
Wollen anderen Mut machen, Hilfe in Anspruch zu nehmen (v.l.): PrimA-Koordinatorin Tanja Dinkelborg und die Ehrenamtliche Ilona Wiggermann mit Florian und Martin Westrich mit Abbygale. Foto: Heidrun Riese

In einer Notsituation um Hilfe zu bitten, ist nicht einfach. Vor allem, wenn man nicht weiß, wonach man suchen soll. Martin Westrich und sein Sohn Florian sind froh, sie beim Caritasverband für den Kreis Coesfeld gefunden zu haben. Der bietet mit dem PrimA-Projekt seit fast 18 Jahren ehrenamtliche Begleitung für Familien mit Kindern jeden Alters an. Das war genau das, was der heute 47-jährige Seppenrader und sein 13-jähriger Sohn im vergangenen Jahr gebraucht haben.

Alles fing damit an, dass meine Frau und ich uns getrennt haben.

Martin Westrich

„Alles fing damit an, dass meine Frau und ich uns getrennt haben“, berichtet Martin Westrich. Maike Westrich blieb mit Florian und Julia, der großen Schwester, im Rosendorf. 2017 wurde bei der Mutter ein aggressiver Gehirntumor diagnostiziert. „Es ging sofort mit den Therapien los“,erzählt der Vater. Die hinterließen, genau wie die Krankheit selbst, ihre Spuren bei der lebensfrohen Frau. Es sei immer weiter bergab gegangen.

Nach einigen Operationen in 2018 war Maike Westrich ein Jahr später auf Hilfe angewiesen, um ihren Alltag stemmen zu können. „Sie hatte aber keine, außer Opa Dieter, der sie zum Arzt und zur Chemotherapie gefahren sowie bei den Kindern nach dem Rechten gesehen hat“, blickt der 47-Jährige zurück, der zu dieser Zeit mit seiner heutigen Partnerin in Duisburg lebte.

Als die Mutter im April mehrere Schlaganfälle erlitt, erst ins Krankenhaus und schließlich ins Hospiz kam, begann Martin Westrich, zwischen Seppenrade, Duisburg und seiner Arbeitsstelle in Gelsenkirchen zu pendeln. „Um die Kinder während der Woche zu versorgen“, wie er erklärt. Das funktionierte weitestgehend – einzig dienstags, wenn die Schule früher endete, ergab sich am Nachmittag eine Lücke. Da kam das PrimA-Projekt ins Spiel.

Da beide Kinder zu alt für eine gesetzliche Betreuung waren, fischte der Vater zunächst im Trüben. Über eine Caritas-Mitarbeiterin aus der Erziehungsberatung, mit der das Ehepaar Westrich in der Trennungsphase zu tun hatten, kam der Kontakt zu Tanja Dinkelborg zustande. Die PrimA-Koordinatorin stimmte sich mit der Familie ab und vermittelte Ilona Wiggermann als Ehrenamtliche.

Unterstützung des Sohnes in der schweren Zeit

Als die 66-Jährige ihre Tätigkeit aufnahm, lebte die Mutter noch. Sie starb am 26. Juni 2019. Die pensionierte Lehrerin begleitete Familie Westrich in dieser schweren Zeit in einem vorab abgesteckten Rahmen. Julia, die heute 16-jährige Tochter, suchte Trost und Ablenkung lieber bei Freunden. Wiggermann sollte für Florian da sein – in der Zeit, in der sein Vater es nicht konnte. Dienstags kam sie nach Seppenrade und half dem Jungen bei den Hausaufgaben. Besonders in Mathe hinkte er hinterher. Zusammen mit der Lehrerin zu büffeln, brachte nicht nur Ablenkung, sondern verbesserte auch seine Noten. „Er hat dann sofort eine Eins geschrieben“, freut sich die Lüdinghauserin. „Mittlerweile ist er Klassenbester in Physik“, ergänzt der stolze Vater. Manchmal wollte Florian auch lieber kochen.

Mit den Sommerferien endete die Zusammenarbeit, die beide Seiten in guter Erinnerung behalten. „Ich habe mich als sehr sinnvoll tätig empfunden“, sagt Wiggermann. Florian Westrich weiß noch: „Ich war fröhlicher und mir war nicht so langweilig, das hat Spaß gemacht.“ Dass sie mittlerweile getrennte Wege gehen, ist so gewollt. „Ich finde es wichtig, dass manche Hilfe professionell gemacht wird“, verweist die Ehrenamtliche auf die wichtige Balance von Nähe und Distanz.

Und die Westrichs, die sind in einen neuen Lebensabschnitt gestartet – mit Janina Franke, die Partnerin des Vaters, die mit nach Seppenrade gezogen ist, und der 16 Wochen alten Hündin Abbygale. Und sie wollen mit ihrem Beispiel jetzt anderen Mut machen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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