Igelretter im Einsatz
Ein warmes Plätzchen für Lutz

Lüdinghausen -

Igel Lutz drohte den Winter nicht zu überstehen. Bei Silke Schwane und Peter Hohmann hat das Stacheltier jetzt ein warmes Quartier gefunden.

Dienstag, 28.01.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 29.01.2020, 16:00 Uhr
Silke Schwane und Peter Hohmann sind für viele Igel Retter in der Not. Sie hegen und pflegen die stacheligen Gartenbewohner schon seit einigen Jahren und bringen sie so über den Winter,
Silke Schwane und Peter Hohmann sind für viele Igel Retter in der Not. Sie hegen und pflegen die stacheligen Gartenbewohner schon seit einigen Jahren und bringen sie so über den Winter, Foto: Bastian Becker

Lutz ist auf den ersten Blick kein besonders umgänglicher Zeitgenosse: Körperkontakt mit ihm ist nur mit Schutzhandschuhen möglich, tagsüber schläft er, nachts macht er dafür gehörigen Alarm. Sein derzeitiger Wohnort ist die Gästetoilette. Dennoch haben Peter Hohmann und Silke Schwane Lutz selbst ins Haus geholt. Denn der Igel litt unter massivem Untergewicht und hätte einen Winter in der Kälte vermutlich nicht überlebt.

„Zu dieser Jahreszeit sollte ein Igel mindestens 500 Gramm wiegen, um Winterschlaf halten zu können. Als wir Lutz im Garten gefunden haben, wog er nur 300 Gramm“, erklärt Hohmann. Zudem war der Igel von Parasiten befallen, was einen Besuch beim Tierarzt zunächst erforderlich machte. Durch die intensive Versorgung mit Rührei, Rinderhack oder das Fleisch von Hähnchenkeulen hat Lutz nach vier Wochen gezielter Pflege bereits 95 Gramm zugenommen. Auch Katzenfutter kommt gelegentlich zum Einsatz.

In seinem Wohnraum hält sich der Wintergast überwiegend in einem mit einer Kühl-Gefrier-Kombination gefüllten Schuhkarton auf. Das ganze Zimmer ist großflächig mit Zeitungen ausgelegt. Hohmann und seine Frau müssen darauf achten, dass Kontakt mit zwei Katzen, die die Familie ebenfalls aufgenommen hat, vermieden wird.

Zu dieser Jahreszeit sollte ein Igel mindestens 500 Gramm wiegen, um Winterschlaf halten zu können. Als wir Lutz im Garten gefunden haben, wog er nur 300 Gramm.

Peter Hohmann

„Jeder Igel ist unterschiedlich“, berichtet Schwane. Das Ehepaar, das seit viereinhalb Jahren in Lüdinghausen wohnt, kennt sich aus. Vor mehr als 20 Jahren nahmen sie den ersten stachligen Besucher auf. Lutz ist bereits der achte. „Es ist wichtig, dass man einen Lebensraum mit einem großen Garten hat“, betont Hohmann. Auch im Garten halten sich derzeit drei bis vier Igel auf, die aufgrund des relativ milden Winters keinen Winterschlaf halten.

„Wir interessieren uns immer schon für Tierschutz, ich finde das einfach wichtig“, sagt Hohmann. Obwohl das Thema Umwelt immer mehr im Fokus stehe, seien auch in Lüdinghausen in der jüngeren Vergangenheit einige Grünflächen verloren gegangen. „Den Tieren wird mehr und mehr der Lebensraum genommen“, konstatiert der Igelretter. Wenn man ein unterernährtes Tier finde, sei wegen der Parasiten ein Arztbesuch notwendig. Wenn man den Igel nicht selbst aufpäppeln möchte, kann man auch die Igelstation kontaktieren.

Der wieder zu Kräften gekommene Lutz soll, wenn es etwas milder wird, wieder in die freie Natur gelassen werden. „Je eher man ihn aussetzt, desto besser ist es“, spricht Hohmann aus Erfahrung. Die Nachtruhe im Hause Hohmann/Schwane dürfte davon profitieren.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7223993?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F
Nachrichten-Ticker