Geschichtskurs des Canisianums besucht Ausstellung
Kunst macht Grausamkeiten greifbar

Lüdinghausen -

Anschaulicher geht Geschichtsunterricht kaum: Q2-Schüler des Gymnasiums Canisianum besuchten jetzt die Ausstellung „Einst frohe Lande vergeh‘n im Brande“ der Deutsch-Polnischen Gesellschaft auf Burg Lüdinghausen und gewannen viele Eindrücke von den Grausamkeiten, unter denen die Menschen in Polen während des Zweiten Weltkriegs leiden mussten.

Samstag, 01.02.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 02.02.2020, 13:31 Uhr
Finn Breuer (l.) und Laura Lickleder besuchten zusammen mit ihren Mitschülern aus dem Geschichtskurs die Ausstellung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft. „Armdrücken“ war eines der Kunstwerke, die besonderen Eindruck hinterließen.
Finn Breuer (l.) und Laura Lickleder besuchten zusammen mit ihren Mitschülern aus dem Geschichtskurs die Ausstellung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft. „Armdrücken“ war eines der Kunstwerke, die besonderen Eindruck hinterließen. Foto: Heidrun Riese

Wie war es damals für die Menschen in Polen im Zweiten Weltkrieg , eingepfercht von Nazi-Deutschland und der Sowjetunion? Davon machte sich gestern Vormittag der Geschichtskurs der Q2 des Gymnasiums Canisianum ein Bild. Auf dem Stundenplan stand ein Besuch der Ausstellung „Einst frohe Lande vergeh‘n im Brande“ in den Räumen des KAKTuS-Kulturforums auf Burg Lüdinghausen.

Dort sind derzeit 42 Kunstwerke nicht-professioneller polnischer Bildhauer aus der Sammlung von Louis Galinski zu sehen, welche die Kriegsverbrechen beider Seiten veranschaulichen. Alle sind innerhalb der vergangenen 30 Jahre entstanden. „Oft sind es überlieferte Familiengeschichten, die die Künstler nicht selbst erlebt haben, sondern aus Erzählungen ihrer Vorfahren kennen“, erklärte Karl-Heinz Kocar den 22 Schülern und ihrem Lehrer, Gero Borrmann . Dabei betonte der Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, die die Ausstellung nach Lüdinghausen geholt hat: „Das sind geschichtliche Quellen.“

Es ist wichtig, daran zu erinnern, was passiert ist.

Laura Lickleder

„Ich finde es sehr beeindruckend, wie plastisch die Kunstwerke das Grauen erzählen“, staunte Borrmann. „Es ist sehr gut greifbar.“ Wie beim Bild mit dem Titel „Das Jahr 1939“, das ihm besonders ins Auge stach. Es waren vor allem die Details, die Eindruck beim Pädagogen hinterließen. „Die Daten der Überfälle durch die Wehrmacht und die Sowjetunion, die aus dem Osten nachgerückt ist, sind wie mit Blut geschrieben“, beschrieb er die verlaufenen, roten Zahlen. Dass die Frau im Zentrum des Bildes, in weiß-roter Kleidung als Polin zu erkennen, an ein Hakenkreuz gefesselt war, bezeichnete er als „bittere Ironie“.

Obwohl die dargestellten Verbrechen mehrere Generationen zurückliegen, ließen die Kunstwerke die Schüler nicht kalt. „Ich finde es gut, dass diese Themen nicht in Vergessenheit geraten“, sagte Laura Lickleder. „Es ist wichtig, daran zu erinnern, was passiert ist.“ Kunst sei ihrer Meinung nach genau das richtige Medium. „Sie ist viel interessanter und einprägsamer als ein Text. Und es wird nichts beschönigt. Hier werden die Grausamkeiten ganz deutlich gezeigt, wie die Polen sie empfunden haben und wer dafür verantwortlich war, nämlich Hitler und Stalin.“

Das ist nichts von gestern, das ist ganz aktuell.

Karl-Heinz Kocar

Ein vermeintlich spielerisches Kräftemessen der beiden Anführer ist es, das Finn Breuers Aufmerksamkeit auf sich zog. „Egal, wie es ausgeht, der polnische Wappenvogel wird niedergedrückt“, beschrieb der Zwölftklässler die Skultpur mit dem Titel „Armdrücken“ – für ihn ein eher bedrückender Anblick. „Die Polen sind die Leidtragenden, obwohl sie gar nicht beteiligt sind. Sie sind einfach die Opfer.“

Immer wieder kamen die Schüler beim Betrachten der Kunstwerke auch ins Gespräch mit Kocar, der mit ihnen auch über den aktuellen Neonazismus sprach. „Das ist nichts von gestern, das ist ganz aktuell“, betonte er und äußerte gleichzeitig seine Hoffnung: „Vielleicht kann man durch eine solche Ausstellung etwas vorbeugen.“

Die Ausstellung ist bis zum 16. Februar jeweils samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet drei Euro.

 

 

 

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