Freiwillige Feuerwehr im Einsatz
Gaffer sind ein Gräuel

Lüdinghausen -

Vor genau 25 Jahren ereignete sich beim Brand eines Ladenlokals in der Langenbrückenstraße ein tragischer Unfall. Dabei wurden ein Feuerwehrmann tödlich und ein weiterer schwer verletzt. Für den heutigen Wehrführer Günter Weide Anlass, an die ehrenamtliche Arbeit der Lüdinghauser Wehr zu erinnern.

Dienstag, 04.02.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 20:08 Uhr
Die Feuerwehr ist vielfältig im Einsatz. An ein tödliches Ereignis vor genau 25 Jahren erinnert Wehrführer Günter Weide.
Die Feuerwehr ist vielfältig im Einsatz. An ein tödliches Ereignis vor genau 25 Jahren erinnert Wehrführer Günter Weide. Foto: wer

Der 4. Februar 1995 ist als schwarzer Tag in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Lüdinghausen eingegangen. Gegen 8.45 Uhr wurden die Blauröcke an diesem Samstag zu einem Brand in einem Textilgeschäft an der Langenbrückenstraße gerufen.

Dabei erlitt ein 27-jähriger Feuerwehrmann durch eine Verpuffung schwerste Verletzungen und Verbrennungen, als er unter Atemschutz mit einem Kollegen in das Ladenlokal einrückte. Die Verletzungen waren so stark, dass er auf dem Weg in eine Klinik verstarb. Sein Kamerad erlitt schwere Brandverletzungen zweiten und dritten Grades, die acht Wochen in einer Klinik in Aachen behandelt werden mussten.

Bei Einsätzen, wo ich handeln und die Kameraden in ein brennendes Haus schicken muss, denke ich immer noch an die Katastrophe in der Langenbrückenstraße.

Günter Weide

Der Schock über diese tragische Katastrophe sitzt bei den Kameraden, die damals mit im Einsatz waren, nach 25 Jahren noch immer sehr tief. Auch wenn die Ausrüstung und der Sicherheitsstandard der Feuerwehr laufend auf den neuesten Stand gebracht werden, vor derartigen Unglücken ist sie bei keinem Einsatz sicher. „Bei Einsätzen, wo ich handeln und die Kameraden in ein brennendes Haus schicken muss, denke ich immer noch an die Katastrophe in der Langenbrückenstraße. Dann muss ich überlegen, ob ich ihn ins Haus schicke oder nicht“, sagt Wehrführer Günter Weide , vor 25 Jahren Leiter der Jugendfeuerwehr.

Helfer im Einsatz werden immer öfter angegriffen

„Wer weiß schon, wenn zum nächsten Einsatz gerufen wird, ob in einem Haus oder auf einem Hof nicht gefährliche und explosive Stoffe gelagert werden. Oder bei Unfällen mit Gefahrguttransportern, oft fahrende Zeitbomben auf sechs, acht oder zehn Rädern. Auch bei schweren Verkehrsunfällen kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Die Gefahr fährt bei den Einsätzen immer mit“, so Weide, der beklagt, dass Opfer bei Unfällen mit Stellwänden vor Gaffern geschützt werden müssen. Das sei nicht tragbar.

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Wehrführer Günter Weide Foto: Peter Werth

Zum Schutz der Bürger unserer Stadt setzen die Kameraden in schwierigen Situationen ihr eigenes Leben aufs Spiel. Wir in Lüdinghausen haben es zum Glück noch nicht erlebt, aber die Hemmschwelle sinkt bei vielen Menschen.

Günter Weide

Die Tragödie vom 4. Februar 1995 nimmt die Wehrführung zum Anlass, die Bevölkerung darauf hinzuweisen, dass der ehrenamtliche, freiwillige und unentgeltliche Einsatz für die Wehrleute, die sehr viel Freizeit für diesen Job opfern, immer mit großen Gefahren verbunden sein kann. „Zum Schutz der Bürger unserer Stadt setzen die Kameraden in schwierigen Situationen ihr eigenes Leben aufs Spiel. Wir in Lüdinghausen haben es zum Glück noch nicht erlebt, aber die Hemmschwelle sinkt bei vielen Menschen. Durch ihre Neugier behindern diese Gaffer nicht nur die Arbeit der Rettungskräfte“, beklagt der Wehrführer.

Immer häufiger höre und lese man aus anderen Orten, dass Feuerwehrkameraden, Rettungssanitäter des DRK oder Polizisten während ihres Einsatzes vor Ort behindert, angepöbelt und sogar angegriffen würden. „Wir können daher nur an diese Menschen appellieren, Respekt vor der Arbeit unserer Rettungskräfte zu haben. Jeder Mensch kann unverschuldet plötzlich in eine Lage kommen, in der auch er auf unsere Hilfe angewiesen ist. Und die soll natürlich so schnell und professionell wie möglich kommen“, so Weide. Daran sollten alle Gaffer und Schreihälse denken, bevor sie bei nächster Gelegenheit wieder den Mund zu voll nähmen und die Rettungskräfte behinderten.

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