Aus für Ein- und Zwei-Cent-Münzen: In der Steverstadt kommen die Pläne gut an
Tschüss, gebrochene Preise

Lüdinghausen -

Geht es nach der EU-Kommission, dann gibt es künftig keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr. Geschäftsleute aus Lüdinghausen und Seppenrade begrüßen die Pläne – zumindest größtenteils.

Mittwoch, 05.02.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 15:56 Uhr
Weg damit: Guido Eichler
Weg damit: Guido Eichler Foto: Bastian Becker

„Von mir aus kann das Kleinstgeld ruhig abgeschafft werden. Die Holländer kriegen es ja auch hin.“ Bei der von der EU-Kommission geplanten Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen zeigt sich Guido Eichler , Inhaber des gleichnamigen Lüdinghauser Tabakwaren- und Lottogeschäfts, pragmatisch und blickt ins benachbarte Ausland. In den Niederlanden werden bereits keine Münzen unter fünf Cent mehr hergestellt, Preise werden an den Kassen auf- und abgerundet. „Vom Handling wäre es einfacher, wenn die Änderung kommen würde“, stimmt Markus Höcke, Geschäftsführer eines Schreibwaren- und Büroartikelladens in der Steverstadt, zu. Der Vorteil liege vor allem im geringeren Zählaufwand am Abend. „Es ist halt lästig“, meint Silke Bolz-Piontek , Inhaberin des Secondhand-Shops „Dies & Das“, zum Umgang mit den kleinen Münzen.

Wechselgeld muss stets vorrätig sein

Da die Kunden Preise von 5,99 Euro oder 1,49 Euro nur sehr selten passend bezahlen, müssen die Händler stets das nötige Wechselgeld vorrätig haben. Eichler holt pro Woche sechs bis sieben Rollen mit je 50 Ein-Cent-Stücken in der Bank ab, ähnliches gilt für Zwei- und Fünf-Cent-Münzen.

Andrea Scheidtmann-Röber, Inhaberin einer Seppenrader Drogerie, berichtet: „Ein- und Fünf-Cent-Münzen sind immer schnell weg.“ Deswegen müsse man sich mit regelmäßigen Kunden schon mal kreativ einigen: „Wenn die Cents mal ausgehen, haben die Kunden einen gut bei mir.“

„Krumme Preise sind psychologische Preise“, nennt Höcke einen wichtigen Faktor bei der aktuellen Preisgestaltung knapp unter der Eurogrenze. Allerdings gelte die gleiche Argumentation ebenso bei Beträgen wie 1,95 Euro. Auch Scheidtmann-Röber will aus diesem Grund, wenn die Umstellung kommt, die Preise lieber nicht um einen Cent anheben, sondern im Zweifelsfall um vier Cent senken. Von dem niederländischen Rundungsmodell hält Höcke wenig. Man wolle die Preise lieber gleich in Fünf-Cent-Schritten auszeichnen. Die Pläne der EU-Kommission werfen aber noch Fragen nach der konkreten Umsetzung auf. Lena Meiring, Inhaberei der Bäckerei Holtermann im Rosendorf, gibt zu bedenken: „Manche Brotsorten und auch Aufschnitt werden bei uns grammgenau ausgewogen, da kann man nicht einfach auf- und abrunden.“ Eine Erhöhung der Brötchenpreise ebenfalls in Fünf-Cent-Schritten sei eher problematisch. Letztlich müsse man sich allerdings an die mögliche Neuregelung anpassen. Einen Nebenaspekt fasst Bolz-Piontek ins Auge: „Verschiedene Spendendosen bleiben dann wohl leerer, weil viele Menschen die kleinen Münzen spenden.“

Münzen durch Scheine ersetzen

Eine innovative Idee am anderen Ende der Münzenskala hat Eichlers Kunde Uwe Rath, der zu dem Thema vorschlägt: „Um den Geldbeutel zu entlasten, sollten wir ähnlich wie in den USA die Ein- und Zwei-Euro-Münzen durch Scheine ersetzen.“

In der Diskussion um die Abschaffung des Kleingelds vermuten einige, dies sei der erste Schritt zum kompletten Ende des Bargelds. Auf die Frage, ob ein solches Szenario kommen wird, gehen die Meinungen auseinander. Meiring glaubt nicht daran und fragt: „Wie soll man das auf Dorf- oder Schützenfesten regeln? Und warum soll man für 1,50 Euro eine Karte auflegen?“ Bolz-Piontek ist sich dagegen sicher: „Auf Dauer wird es darauf hinauslaufen.“

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