Schüler des St.-Antonius-Gymnasiums besuchen Auschwitz
Trauer, Wut und Unverständnis

Lüdinghausen -

Mit tiefen Eindrücken kehrten 20 Schüler des St.-Antonius-Gymnasiums von ihrer Gedenkstättenfahrt nach Krakau und Auschwitz zurück, von der Maja Potthink und Judith Tumbrink berichten. Über die Besichtigung des Vernichtungslagers Birkenau schreiben sie: „Dieses Lager zu sehen, was dazu errichtet wurde, um systematisch Menschen zu ermorden und ihren Besitz an sich zu reißen, löste eine unvorstellbare Bestürzung aus.“

Sonntag, 09.02.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 12:30 Uhr
Gedenkstättenfahrt von 20 Schülern des St.-Antonius-Gymnasiums nach Krakau und Auschwitz.
Gedenkstättenfahrt von 20 Schülern des St.-Antonius-Gymnasiums nach Krakau und Auschwitz. Foto: St.-Antonius-Gymnasium

Anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz brachen 20 Schüler des St.-Antonius-Gymnasiums mit den Lehrern Regina Luhmann und Alexander Kallenbach zu einer Gedenkstättenfahrt nach Krakau und Auschwitz auf.

Mit einer Stadtführung durch Krakau, die sie auch ins jüdische Viertel führte, begann das Programm für die Lüdinghauser. Die vielen Eindrücke seien am nächsten Tag beim Besuch des Stammlagers Auschwitz I. verstärkt worden. „Durch das Tor und die Baracken zu gehen, die Mauer zu sehen, an der so viele unschuldige Menschen aus purer Grausamkeit erschossen wurden, die Gaskammer und das Krematorium – das alles löste in uns tiefste Trauer, Unverständnis und vor allem Wut aus“, schreiben Maja Potthink und Judith Tumbrink in einem Reisebericht. „Auf diejenigen, die absurde Rassenvorstellungen verfolgten und es als Ziel sahen, eine ganze Religion zu vernichten. Auschwitz hinterließ tiefe Spuren.“

Unvorstellbare Bestürzung

Zwar habe dieser Besuch schon einiges ausgelöst, aber die Besichtigung des Vernichtungslagers Birkenau sei nochmal etwas völlig anderes gewesen, so die Schülerinnen. „Dieses Lager zu sehen, was dazu errichtet wurde, um systematisch Menschen zu ermorden und ihren Besitz an sich zu reißen, löste eine unvorstellbare Bestürzung aus. Wie unvorstellbar ist es in der heutigen Zeit, dass Menschen andere strukturiert umbringen und auf grausamste Art entwürdigen? Zu sehen, wie viele Menschen auf dünnen Holzbrettern schlafen müssen, wie sie im tiefsten Winter in dünner Kleidung arbeiten mussten, wie an ihnen menschenverachtende Experimente durchgeführt wurden, wie Kinder aufwachsen mussten oder schon bei der Selektion nichtsahnend in die Gaskammern geschickt wurden – dies ist wohl das Schlimmste, was in der Geschichte der Menschheit passiert ist.“ Auch ein Besuch in der Stadt habe gezeigt, wie das jüdische Leben in Polen nahezu ausgelöscht wurde.

Gespräch mit Zeitzeugin

Als ergreifend beschreiben die Lüdinghauser ihr Gespräch mit einer Zeitzeugin, Lidia Maksymowicz, die gerade einmal drei Jahre alt war, als sie nach Birkenau gebracht wurde. „Josef Mengele experimentierte an ihr und anderen Kindern, doch sie überlebte dank ihrer Mutter, die es schaffte, Essen zu ihr zu schmuggeln, sodass Lidia 1945 befreit wurde“, berichten Maja Potthink und Judith Tumbrink. „Ihre Geschichte war unglaublich bewegend und herzzerreißend.“ Ihre gesammelten Eindrücke vertieften die Schüler im Oskar-Schindler-Museum.

„Natürlich beschäftigte uns das, was wir gesehen haben, noch tagelang“, lautete das Fazit der Gymnasiasten. „Doch nicht nur die grauenvollen Dinge, die wir in Auschwitz erfahren haben, werden uns noch begleiten. Auch die schönen Dinge, die wir in Krakau erlebt haben, sind sicherlich unvergesslich. Was auf jeden Fall bleibt, ist die Erinnerung. Und die Mahnung an uns alle, dass so etwas nie wieder passieren darf.“

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