Diese Jobs stehen bei Jugendlichen ganz oben auf der Wunschliste
Medien beeinflussen Berufswahl

Lüdinghausen -

Wieso Jugendliche derzeit vermehrt den Wunsch äußern, Lastkraftfahrer werden zu wollen? Berufsberater Phillip Egan-Becking hat eine Idee. In diesem Fall könne eine bestimmte TV-Serie der Grund sein, verrät der Experte und erklärt: „Medien beeinflussen die Job-Wahl.“ Was sonst noch bei den Schülern von heute gefragt ist, weiß er ebenfalls.

Samstag, 15.02.2020, 11:00 Uhr
Sie sind nach wie vor die Ausnahme: Frauen in typischen Männerberufen – und umgekehrt. Das weiß Phillip Egan-Becking. Der Berufsberater der Arbeitsagentur in Lüdinghausen ist Ansprechpartner für die Jugendlichen von den weiterführenden Schulen in der Steverstadt und Umgebung.
Sie sind nach wie vor die Ausnahme: Frauen in typischen Männerberufen – und umgekehrt. Das weiß Phillip Egan-Becking. Der Berufsberater der Arbeitsagentur in Lüdinghausen ist Ansprechpartner für die Jugendlichen von den weiterführenden Schulen in der Steverstadt und Umgebung. Foto: Bundesagentur für Arbeit

Rund 18 000 Studiengänge und mehr als 350 Ausbildungsberufe listet die Bundesagentur für Arbeit . Das macht die Job-Wahl zur sprichwörtlichen Qual. Berufsberater wie Phillip Egan-Becking helfen Jugendlichen, den Durchblick zu bekommen und einen Job zu finden, der zu den eigenen Anforderungen, Interessen und Stärken passt. Seit 2015 ist der 36-Jährige in Lüdinghausen tätig, berät insbesondere die jungen Frauen und Männer an den weiterführenden Schulen in der Steverstadt und Umgebung. Er empfiehlt ihnen stets, über den Tellerrand zu schauen. „Denn es gibt jede Menge Möglichkeiten.“

Trotzdem habe sich die Top Ten der beliebtesten Berufe (siehe Info-Kasten) in den vergangenen Jahren kaum verändert, erzählt Matthias Pöpping , bei der Bundesarbeitsagentur Pressesprecher für das Münsterland. Stark nachgefragt sind nach wie vor kaufmännische Berufe. Während der Großteil der männlichen Bewerber auf den Kfz-Mechatroniker setzt, möchten die meisten Frauen Medizinische Fachangestellte werden. Woran das liegt? „Diese Jobs sind bekannt, die Jugendlichen kennen sie von ihren Eltern, Geschwistern und Bekannten oder von Praktika“, erläutert Pöpping. Egan-Becking nickt zustimmend und nennt ergänzend die Hauptgründe für die Job-Wahl: „Gutes Geld, gute Arbeitszeiten, und viele junge Leute möchten in der Region bleiben.“ Was ihn anfangs überrascht hat: „Die Schüler denken sehr, sehr langfristig.“ So würden sie häufig darüber nachdenken, ob sie einen Beruf „wirklich bis zur Rente ausüben wollen“.

Auch Influencer haben eine Ausbildung

Wechselnde Trendjobs identifizieren Egan-Becking und seine Kollegen aber auch immer wieder. Insbesondere die Medien hätten in dieser Hinsicht einen Einfluss auf die Wünsche der Jugendlichen. Oft würde er nach Berufen gefragt, die Protagonisten in einem angesagten Film oder einer Serie haben, berichtet der Experte. „Aktuell wollen beispielsweise vermehrt Jugendliche Lastkraftfahrer werden, auch Mädels.“ Das schiebt er auf die TV-Serie „Trucker Babes – 400 PS in Frauenhand“. Außerdem spielten die sozialen Netzwerke zunehmend eine Rolle. Egan-Becking hört derzeit durchaus, dass ein Schüler Influencer werden möchte. Was er dann macht? „Ich spreche mit dem Jugendlichen darüber“, erzählt der Berufsberater. „Zunächst erkläre ich den Job und die verschiedenen Wege dorthin.“ Dafür schaue er sich gemeinsam mit dem Schüler an, welche schulische und berufliche Ausbildung oder welches Studium das Vorbild absolviert hat. Schließlich sind Influencer nicht nur Stars, sondern üben einen – heute – völlig normalen Beruf aus: Sie nutzen ihre Social-Media-Beliebtheit aus, um erfolgreich Produkte zu bewerben. „Natürlich hat der Großteil von ihnen aber wie jeder andere auch irgendeine Ausbildung gemacht“, schildert Egan-Becking seine Erfahrung.

Gute Aussichten für Bewerber

Aktuell ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt für Jugendliche super: Statistisch betrachtet stehen jedem Bewerber 1,2 Lehrstellen gegenüber. Die künftige Herausforderung für Berufsberater ist laut Egan-Becking das „Passungsproblem. Wir müssen die angebotenen Stellen der Unternehmen und die richtigen Jugendlichen zusammenbringen.“ In Nordrhein-Westfalen läuft deshalb die Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) – damit sich Schüler möglichst früh von Spezialisten begleitet Gedanken über ihre berufliche Laufbahn zu machen. Dabei fällt Egan-Becking auf: „Der Trend der Akademisierung ist eindeutig erkenn- und spürbar. Aber nicht für jeden ist die Fachschule oder gar ein Studium die richtige Wahl.“

Einen Überblick über die vielen unterschiedlichen Jobs gibt’s auf www.berufenet.arbeitsagentur.de.

Top Ten der beliebtesten Jobs

 

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