„Loverboys“: Elterninfo in der Sekundarschule
Eine perfide Masche

Lüdinghausen -

Emotionale Abhängigkeit, Erpressung und körperliche Gewalt – die Masche der „Loverboys“ ist perfide. Im Rahmen eines Informationsabends in der Sekundarschul-Aula wurden Eltern am Donnerstagabend von Experten informiert.

Samstag, 29.02.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 15:42 Uhr
Sie gestalteten den Infoabend zum Thema Loverboys (v.l.): Marc Henrichmann, Eva Voß, Guido Prause, Hans-Jürgen Dittrich, Bärbel Kannemann und Tobias Höning.
Sie gestalteten den Infoabend zum Thema Loverboys (v.l.): Marc Henrichmann, Eva Voß, Guido Prause, Hans-Jürgen Dittrich, Bärbel Kannemann und Tobias Höning. Foto: Arno Wolf Fischer

Die perfide Masche der „Loverboys“ stand am Donnerstag im Mittelpunkt eines Informationsabends in der Aula der Sekundarschule. Das von den Experten beschriebene Vorgehen der Täter sorgte dabei immer wieder für Entsetzen beim Publikum. Mit Charme und emotionaler Manipulation bringen die „Loverboys“ junge Mädchen in eine emotionale Abhängigkeit, um sie schließlich auch mittels Gewalt und Erpressung in die Prostitution zu treiben. „Es gibt sie auch hier“, machte Moderatorin Eva Voß zu Beginn der Veranstaltung deutlich und erklärte: „Die Recherche zu diesem Thema hat mich zutiefst erschüttert.“

Die Recherche zu diesem Thema hat mich zutiefst erschüttert.

Eva Voß

Einen Überblick über diese spezielle Form der Zuhälterei gab dann zunächst Hans-Jürgen Dittrich von der Kreispolizei, der auf die Problematik einer hohen Dunkelziffer aufmerksam machte. Besondere Beachtung verdienten dabei laut Dittrich die sozialen Netzwerke, die oft für die erste Kontaktaufnahme genutzt würden. „Es gibt Zeichen, die aufmerksam machen sollten“, betonte der Kriminalhauptkommissar schließlich. Dazu gehörten etwa ein vermehrter Rückzug von der Familie und alten Freunden sowie plötzliche Luxusanschaffungen, deren Erwerb den Eltern nicht plausibel erscheint.

Es gibt Zeichen, die aufmerksam machen sollten.

Hans-Jürgen Dittrich

Zur abschließenden Diskussionsrunde fanden sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann, Dittrich und sein Kollege Guido Prause sowie der Schulsozialarbeiter Tobias Höning und die Expertin Bärbel Kannemann zusammen. Letztere ist als Gründerin des Vereins „No Loverboys“ seit rund zehn Jahren in der Präventionsarbeit tätig. Sie beschrieb eindrücklich den Alltag der jungen Opfer, die sogar durch Tätowierungen als Eigentum eines „Loverboys“ gebrandmarkt werden. „Es betrifft Mädchen aus allen sozialen Schichten“, stellte Kannemann klar und erläuterte eine spezielle Masche der „Loverboys“: Junge Täter würden seit kurzem als neue Schüler direkt in eine Klasse eingeschleust, um so an Opfer zu gelangen. Das Publikum erkundigte sich bei den Experten nach Handlungsmöglichkeiten, wobei es laut Prause vor allem eines nicht aus dem Blick zu verlieren gelte: „Das sind Mädchen, die unter enormem Zwang stehen.“

Die Veranstaltung bildete den Auftakt zu weiteren Präventivprojekten der Lüdinghauser Schulsozialarbeiter an den weiterführenden Schulen.

Es betrifft Mädchen aus allen sozialen Schichten.

Bärbel Kannemann
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