St.-Marien-Hospital und der Coronavirus
Zahl der Intensivbetten fast verdoppelt

Lüdinghausen -

Das St.-Marien-Hospital bereitet sich auf eine steigende Zahl von Corona-Patienten vor. Gemeinsam appellierten der Ärztliche Direktor Dr. Jörg Siebert, Bürgermeister Richard Borgmann und der niedergelassenen Arzt Dr. Rainer Drerup an die Menschen, nur in Notfällen das Krankenhaus aufzusuchen.

Samstag, 21.03.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 22.03.2020, 14:00 Uhr
Sie hatten zum Pressegespräch in Sachen Corona-Pandemie gebeten (v.r.): Bürgermeister Richard Borgmann, Dr. Jörg Siebert (Ärztlicher Direktor des St.-Marien-Hospitals), der niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Rainer Drerup, Monika Kleingräber-Niermann (Referentin der Geschäftsführung des Krankenhauses), Tim Richwien (Geschäftsführer des St.-Marien-Hospitals) und Pflegedirektor Johannes Beermann.
Sie hatten zum Pressegespräch in Sachen Corona-Pandemie gebeten (v.r.): Bürgermeister Richard Borgmann, Dr. Jörg Siebert (Ärztlicher Direktor des St.-Marien-Hospitals), der niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Rainer Drerup, Monika Kleingräber-Niermann (Referentin der Geschäftsführung des Krankenhauses), Tim Richwien (Geschäftsführer des St.-Marien-Hospitals) und Pflegedirektor Johannes Beermann. Foto: Peter Werth

Es war so etwas wie ein Krisengipfel vor der Krise: Die Verantwortlichen des St.-Marien-Hospitals – der Ärztliche Direktor Dr. Jörg Siebert sowie Geschäftsführer Tim Richwien –, Bürgermeister Richard Borgmann und der niedergelassene Arzt Dr. Rainer Drerup schilderten am Freitagnachmittag in einem Pressegespräch die Vorbereitungen auf eine sich auch in der Steverstadt weiter ausbreitende Infektion mit dem Coronavirus sowie den Umgang mit diesem Ereignis.

Siebert rechnet mit einem Anstieg der Krankheitsfälle noch an diesem Wochenende. Seit zwei Wochen bereite sich das Krankenhaus auf diese Situation vor. So sei etwa die Zahl der Intensivbetten von acht auf 14 nahezu verdoppelt worden. Zudem sei die Zahl der Beatmungsplätze von drei auf acht gesteigert worden. Personal sei gezielt nachgeschult worden, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. All das werde allerdings nicht ausreichen, wenn für dringende Notfälle benötigte Betten blockiert seien. Er plädiere daher an die Menschen, die etwa leichte Erkältungssymptome verspürten, „eher noch einen Tag zu Hause zu bleiben“. Und: Nicht jeder verstauchte Fuß müsse in die Ambulanz.

Wir brauchen die Vernunft unserer Bürgerschaft.

Jörg Siebert

„Wir brauchen die Vernunft unserer Bürgerschaft“, appellierte Siebert. Zwei Gründe sah er, die das System Krankenhaus in der Corona-Krise gefährden könnten: zunehmend krankes Pflegepersonal sowie Patienten, die nicht akut behandelt werden müssten. So habe das St.-Marien-Hospital nicht dringende Operationen abgesagt.

Derzeit werde in Lüdinghausen ein Corona-Patient im Krankenhaus behandelt. Es gebe aber mehrere Verdachtsfälle. Siebert prognostizierte allerdings, dass es auch in Deutschland einen ebenso „dramatischen Verlauf geben werde wie im Rest der Welt“.

Ein Feind, der keine Grenzen kennt. Unsere Aufgabe ist es, ihm den Weg zu versperren.

Richard Borgmann

Der Bürgermeister erklärte die Corona-Krise als eine Situation, wie man sie bisher nicht gekannt habe. In den vergangenen Tagen seien ihm Menschen begegnet, die diese Lage mit Sensibilität aufgenommen hätten, andere jedoch mit großer Ignoranz. Der Coronavirus sei „ein Feind, der keine Grenzen kennt. Unsere Aufgabe ist es, ihm den Weg zu versperren.“ Und da erfülle das Krankenhaus, das Patienten im gesamten Süden des Kreises Coesfeld versorge, eine wichtige Funktion. Deutliche Kritik äußerte er in Richtung der Kassenärztlichen Vereinigung, die gleichsam ohne jede Vorwarnung die ans Krankenhaus angedockte Notfallpraxis geschlossen habe und nur noch in Coesfeld eine solche vorhalte. „Dafür habe ich kein Verständnis“, sagte Borgmann. Das führe im Zweifel dazu, dass noch mehr Patienten die Ambulanz des Krankenhauses aufsuchten.

Das Krankenhaus muss der sichere Hort bleiben für die, die es brauchen.

Rainer Drerup

Drerup berichtete über eigene und die Erfahrungen von Berufskollegen in den vergangenen Tagen in ihren Praxen. Da, so der Mediziner, überwiege derzeit noch eine gewisse Hysterie in Sachen Corona. Er empfahl: „Wer sich krank fühlt, sollte erst einmal in den vier Wänden bleiben.“ Rat gebe es per Telefon, der Arzt rufe auch zurück. Und: „Das Krankenhaus muss der sichere Hort bleiben für die, die es brauchen.“

Dass dies so bleibt, dafür stünde das Pflegepersonal bereit, berichtete Pflegedirektor Johannes Beermann. Es sei gleichsam wie die Ruhe vor dem Sturm: „Wir sind konzentriert, aber auch besorgt. Die Menschen, die uns wirklich brauchen, können auf uns setzen.“

Einig war sich die Runde, dass die Menschen sich strikt an die Vorgaben halten sollten, ihre sozialen Kontakte in dieser Zeit einzufrieren und sich mit niemandem zu treffen.

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