Serie: Historie des jüdischen Friedhofs
Beisetzungen schon seit 1822 beurkundet

Lüdinghausen -

Der Heimatverein Lüdinghausen dokumentiert in einer kleinen Serie, die in den WN veröffentlicht wird, die Geschichte des jüdischen Friedhofs. Dieser bestand seit 1839 in Lüdinghausen.

Samstag, 21.03.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 22.03.2020, 14:00 Uhr
Ab 1839 hatte die kleine jüdische Gemeinde auch offiziell einen Friedhof in Lüdinghausen. Beisetzungen sind dort aber schon 1822 registriert.
Ab 1839 hatte die kleine jüdische Gemeinde auch offiziell einen Friedhof in Lüdinghausen. Beisetzungen sind dort aber schon 1822 registriert. Foto: Michael Kertelge

Im Grunde war alles schon geplant und vorbereitet. Am morgigen Sonntag (22. März) sollten um 16 Uhr zwei Erinnerungstafeln auf dem Lüdinghauser jüdischen Friedhof aufgestellt werden. Der Text war mit der Jüdischen Gemeinde abgestimmt, die Einladungen verschickt. Die beauftragte Agentur hatte die Texte auf die Tafeln gedruckt. Ein Metallbaubetrieb hatte den Unterbau gefertigt, die Bauhofmitarbeiter waren informiert, um die Infotafeln an die abgesprochenen Stellen zu verankern. Vorab hatten bei einem Ortstermin der Friedhofsbeauftragte des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, Wolfgang Polak , und in einem zweiten Schritt Stadt und Ordnungsamt Grünes Licht für die Standorte gegeben. Doch dann kam der Coronavirus und alles war auf einmal anders.

Aus diesem Grund will der Heimatverein Lüdinghausen mit diesem Beitrag versuchen, zumindest einige Fragen zur Geschichte dieses erinnerungsträchtigen Ortes zu beantworten. Zugleich wird damit dieser Ort wieder einmal seinem „Dornröschenschlaf“ entrissen. Ein jüdischer Friedhof ist ein Archiv aus Stein, wie das einmal ein Historiker ausgedrückt hat. Ebenso ist er ein religiöser Ort. Auch wenn jüdische Menschen bedingt durch die beispiellose Verfolgung, den großen Auswanderungsdruck und die sich anschließende Deportation mit fast vollständiger Ermordung jüdischer Lüdinghauser, den Friedhof kaum noch besuchen können.

Die ungefähr 200-jährige Geschichte jüdischer Beerdigungen in Lüdinghausen ist jedoch ebenso spannende wie lehrreich. Lüdinghausen gehörte zum Fürstbistum Münster. Damit einher ging das Verbot für jüdische Familien, sich dort niederzulassen. Erst mit der napoleonischen Zeit siedelten zwei jüdische Familien in Lüdinghausen.

Die Kaufleute Selig Levy und Jacob Abraham sorgten mit dafür, dass ab 1839 die kleine jüdische Gemeinde einen Synagogenplatz und einen Friedhof bekam. Denn eine religiöse Gemeinschaft brauchte einen Versammlungsraum (Hermannstraße) und einen Friedhof. In diesem Gesuch (Stadtarchiv Lüdinghausen; 9-31) bitten die beiden jüdischen Männer „denjenigen Platz auf dem Wall von Langbrück bis Krenthorn, welcher bereits als Begräbnisplatz der jüdischen Glaubensgenossen benutzt, käuflich gegen einen billigen Preis zu überlassen.“

Gekauft wurde damit ein Grundstück der Witwe Farwick und durch den zweiten Teil des Zitats wird klar, dort wurde schon beerdigt. 1822, also vor gut 200 Jahren, wurde der Metzger Herz Abraham aus Seppenrade, der am 27. Februar 1822 im Alter von 72 Jahren verstorben war, dort beigesetzt, geht aus dem Archiv hervor.

Fast genau 100 Jahre war der Friedhof ein friedlicher ruhiger Ort. Bedingt durch seine Lage im Hinterland der Steverstraße, war er nur – mittels eingetragenem Wegerecht – über das Grundstück der Familie Althoff-Vöcking zu erreichen. Eine Zuwegung wie heute gab es damals nicht.

Michel Kertelge

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