Serie: Historie des jüdischen Friedhofs
Massengrab für 16 Leichen

Lüdinghausen -

Zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in Lüdinghausen, hat Michael Kertelge von Heimatverein geforscht. Im April 1939 wurde die Begräbnisstätte auf Anordnung des damaligen Bürgermeisters geschlossen. 1942 wurden 16 Leichen exhumiert und in einem Massengrab auf dem Judenfriedhof in Dortmund-Hörde beigesetzt.

Donnerstag, 26.03.2020, 15:00 Uhr
16 Leichen des jüdischen Friedhofs wurden im Oktober 1942 in einem Massengrab in Dortmund-Hörde beigesetzt.
16 Leichen des jüdischen Friedhofs wurden im Oktober 1942 in einem Massengrab in Dortmund-Hörde beigesetzt. Foto: Michael Kertelge

Der Heimatverein Lüdinghausen versucht in einer kleinen Serie , zumindest einige Fragen zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in Lüdinghausen – eines erinnerungsträchtigen Ortes – zu beantworten (Folge 3):

Zeitgleich beschließt der Lüdinghauser Rat im März 1941 schon einmal: Mit der Umbettung der Leichen „und Übernahme der Kosten auf die Stadt erklären sich die Ratsherren einverstanden“. Am 30. Mai 1942 teilt Ortsgruppenleiter Schlenkermann dann mit, endlich habe er die benötigten Arbeitskräfte beisammen. Im gleichen Vermerk hält der Bürgermeister als Nummer 2 fest: „Kreisleiter, Oberbereichsleiter Bielefeld, rief heute vormittag fernmündlich an. Er erwartet, dass die Juden in der kommenden Woche ausgegraben und nach Dortmund überführt werden.“ Punkt drei des Vermerkes schildert die Beauftragung von Schreinermeister Heinrich Voss , Mühlenstraße. Er soll 19 Holzsärge für die Überführung in den Maßen 100 mal 50 mal 30 Zentimeter anfertigen. Denn Kreismedizinalrat Appelmann hatte auf Nachfrage angemerkt, dass eine Liste mit den ausgegrabenen Leichen aufzustellen sei. Dann könnte die Nummer auf der Liste auf der Holzkiste mit Blaustift eingetragen werden. Nachdem die jüdischen Friedhöfe in Olfen und Bork oder ein anderweitiger konfessioneller Friedhof ausscheiden, einigt man sich auf den jüdischen Friedhof in Dortmund-Hörde als Überführungsort.

Beisetzung in Dortmund-Hörde

Nach einigem Hin und Her, bei dem die benötigten sechs russischen Kriegsgefangenen aus Lünen doch nicht so schnell verfügbar gemacht werden können, wird die Firma Wilhelm Störmer in Lünen mit dem Transport von Kriegsgefangenen und Leichen beauftragt. Am 20. Oktober ist es soweit. Für 105,80 Reichsmark fährt sie Bewacher und russische Kriegsgefangene nach Lüdinghausen. Dort haben Stadtarbeiter die angefertigten Holzsärge sowie „Schüppen und Hacken“ und eventuell „Abstützbretter“ bereitgestellt. Stadtarbeiter Hülk begleitet Gefangene, Bewacher und Särge am 21. Oktober nach Dortmund. An der Jüdischen Gemeinde dort steigt der örtliche Friedhofsgärtner hinzu. Vor Ort in Dortmund-Hörde werden die 16 Leichen in einem Massengrab beigesetzt. Die zweitägige Arbeit von Stadtarbeiter Hülk und alle anderen Kosten summieren sich schließlich laut Rechnung der Verwaltung auf 266,63 Reichsmark. An den Kreisleiter Bielefeld kann der Bürgermeister am 27. Oktober schließlich Vollzug melden: „Aus dem Judenfriedhof der Stadt Lüdinghausen sind am 20.10. 16 Leichen der von 1920 - 1936 dort begrabenen Juden ausgegraben und zu dem Judenfriedhof in Dortmund-Hörde überführt. Heil Hitler!“

Im Anschluss daran, gab es Versuche der beiden angrenzenden Grundstücksnachbarn, Vöcking und Rüschkamp, das Grundstück zu kaufen. So teilte im Mai 1944 ein Kaufmann einem Nachbarn des Friedhofes mit, er habe die Parzellen des ehemaligen jüdischen Friedhofes mit Wirkung vom 28.4. 1944 gepachtet, „da der Platz für Wehrmachtsfahrzeuge benötigt wird“. Endgültig wird der Grundstücksverkauf zu Kriegszeiten jedoch nicht. Einem anderen Nachbarn (Vöcking) überlässt die NSDAP am 13.12.1941 kostenlos die „Grabsteine des Judenfriedhofes“. Diese sind so zu verwenden und zu lagern, „daß die Judenschrift und der Davidstern nicht mehr zu erkennen ist“.

Michael Kertelge

 

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