Naturschutzgebiet Borkenberge
Ein Zuhause für gefährdete Vögel

Seppenrade -

Das Naturschutzgebiet Borkenberge ist ein Zuhause für viele Pflanzen und seltene Tiere. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der jüngsten Kartierung zeigen: Auch gefährdete Vögel leben auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz.

Samstag, 28.03.2020, 15:06 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 15:18 Uhr
Revierleiter Georg Feldmeier appelliert an die Besucher, das Naturschutzgebiet Borkenberge nur auf den ausgewiesenen Straßen und Wegen zu betreten – um Flora und Fauna zu schützen. Aber auch, weil die Flächen noch mit Munition belastet sind.
Revierleiter Georg Feldmeier appelliert an die Besucher, das Naturschutzgebiet Borkenberge nur auf den ausgewiesenen Straßen und Wegen zu betreten – um Flora und Fauna zu schützen. Aber auch, weil die Flächen noch mit Munition belastet sind. Foto: Michael Beer

Flora und Fauna wurden in vielen Bereichen sich selbst überlassen, als die britische Armee im Mai 2015 nach 70 Jahren den Truppenübungsplatz Borkenberge verließ. Das riesige Areal übernahm dann die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die auch vorher schon für die naturschutzfachliche Betreuung zu militärischen Zeiten zuständig war. Diese hat die Flächen wiederum 2017 als Teil des sogenannten Nationalen Naturerbes an die gemeinnützige Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt DBU übergeben. Die DBU Naturerbe GmbH betreut in zehn Bundesländern insgesamt 71 Flächen mit rund 70 000 Hektar.

Das Borkenberge-Areal – zwischen Dülmen, Lüdinghausen und Haltern gelegen – ist mit einer Größe von 1769 Hektar, die zumeist zum Gebiet der Steverstadt gehören, eine dieser ehemaligen Militärflächen, auf denen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ihrer natürlichen Entwicklung überlassen oder Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Auch will die DBU-Tochter Menschen für die heimische Natur begeistern sowie Verständnis und Verantwortungsbewusstsein für die Natur fördern.

Brutvogelkartierung listet seltene Arten

Wie haben sich Fauna und Flora nach Abzug des Militärs verändert? Im Auftrag des DBU-Naturerbes hat das Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld 2018 und 2019 eine Brutvogelkartierung erstellt und den Bericht jetzt veröffentlicht. Darin wurden insgesamt 84 Brut- beziehungsweise Reviervogelarten registriert, von denen 55 als seltene und mittelhäufige Arten gelistet sind. Nach der aktuellen Roten Liste der Brutvögel Deutschlands sind zwölf der in den Borkenbergen erfassten Brutvogelarten in einer der Gefährdungskategorien gelistet, von denen der Kiebitz und Wiesenpieper als stark gefährdet gelten. Die Rote Liste in NRW führt 22 der Brutvögel des Gebiets in einer Gefährdungskategorie auf, wobei der Pirol als aussterbende Art, Wespenbussard, Kiebitz, Flussregenpfeifer, Kuckuck, Nachtschwalbe, Baumpieper, Gartenrotschwanz und Wiesenpieper als stark gefährdet gelten.

Als herausragend bewertet – gegenüber der letzten Kartierung 2006 – sind die hohen Bestände von Feld- und Heidelerche, Nachtschwalbe und Schwarzkehlchen, auch Ziegenmelker genannt.

Wir müssen die Verbuschung der Heideflächen in den Griff bekommen und die Wiedervernässung ermöglichen, sonst verlieren wir viele Arten bei den Bodenbrütern.

Ornithologe Matthias Olthoff

„Die Ruhe nach dem Abzug der britischen Armee hat den Vögeln nicht geschadet, auch wenn durch die militärische Nutzung die Heide erhalten blieb. Jetzt ist vermehrt eine Verbuschung der Heide festzustellen. Wenn dann alles wieder zuwächst, dürfte sich der Bestand aber negativ entwickeln“, sagt Ornithologe Matthias Olthoff , der zusammen mit Bert Krüger für das Naturschutzzentrum die Kartierung durchgeführt hat. Aber noch ein weiteres Problem sieht der Experte: dass auch die Feuchtgebiete verbuschen und durch die heißen Sommer der beiden vergangenen Jahre die Brutplätze für Wasservögel rückläufig werden. „Wir müssen die Verbuschung der Heideflächen in den Griff bekommen und die Wiedervernässung ermöglichen, sonst verlieren wir viele Arten bei den Bodenbrütern wie die Heidelerche oder den Ziegenmelker. Da ist das Gebietsmanagement des Bundesforstes Rhein-Weser gefragt“, betont Olthoff.

Experten haben Kampfmittel- und Blindgängerbelastung im Blick

Bereits seit Übernahme der Fläche 2017 hat der Bundesforstbetrieb unter der Regie des DBU Naturerbes Sträucher und aufwachsende Bäume entnommen, um den Lebensraum der Vögel des Offenlandes zu erhalten und zu verbessern. Das Team der DBU Naturerbe hat zum Ausgleich der zu erwartenden Störung, die vom freigegebenen Radweg ausgeht, Ersatzlebensräume als Ausgleich für betroffene störungsempfindliche Tiere geschaffen. Die Fachleute vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser haben bereits seit Abzug des Militärs die Offenlandpflege, mit unterschiedlichen Maßnahmen und unter Berücksichtigung der tatsächlich noch stark vorhandenen Kampfmittel- und Blindgängerbelastung durchgeführt. Dazu zählen zum Beispiel ökologisches Feuermanagement oder das Mähen und Mulchen der Heideflächen.

Wichtig ist auch, Hunde an der Leine zu führen.

Revierleiter Georg Feldmeier

Die DBU-Naturerbe-Experten erstellen zurzeit eine Zustandsanalyse für einen Entwicklungsplan für das Geländemanagement. Dazu zählt auch die Kartierung der Brutvögel. In diesen Plan sollen dann Maßnahmen für die kommenden zehn Jahre aufgenommen und mit den betroffenen Behörden abgestimmt werden. Georg Feldmeier, Revierleiter des Bundesforstes Rhein-Weser in den Borkenbergen, wird weiterhin die Umsetzung all dieser Maßnahmen steuern. „Wir haben mit der Öffnung der K 16 von Sythen nach Seppenrade, nördlich durch die Borkenberge, einen ersten Schritt gemacht, einen Teil des Naturschutzgebietes zu öffnen. Wir müssen aber an die Menschen appellieren, auf den gekennzeichneten Straßen und Wegen zu bleiben. Zum einen zum Schutz der seltenen Tier- und Pflanzenwelt, aber auch zum eigenen Schutz, da die Flächen noch mit Munition belastet sind. Wichtig ist auch, Hunde an der Leine zu führen“, betont Feldmeier, dem die Crossfahrer mit ihren geländegängigen Motorrädern ein Dorn im Auge sind. Die ließen sich auch von hohen Ordnungsstrafen – 1000 bis 5000 Euro – nicht abschrecken, die Natur zu zerstören. „Wir werden weiter mit der Polizei Kontrollen im Gebiet der Borkenberge durchführen“, hofft der Revierleiter, diesen Unsinn endlich abstellen zu können.

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