Heimatverein gibt Infotafeln frei
Gegen das Vergessen

Lüdinghausen -

Auf dem Jüdischen Friedhof stehen nun neue Infotafeln. Sie sollen das Vergessen verhindern.

Donnerstag, 02.07.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 16:42 Uhr
Der erste Vorsitzende des Heimatvereins, Alfred Focke
Der erste Vorsitzende des Heimatvereins, Alfred Focke Foto: privat

Arbeiter der Stadt Lüdinghausen haben nun zwei neue Infotafeln am Jüdischen Friedhof aufgestellt. Im März musste deren offizielle Einweihung wegen der Corona-Einschränkungen abgesagt werden. Jetzt hat sich der Heimatverein entschlossen, zumindest die Hinweisschilder schon der Bevölkerung zugänglich zu machen. Im kommenden Jahr soll die Einweihung nachgeholt werden. Das 1700-jährige Bestehen jüdischen Lebens in Deutschland soll dazu den Rahmen bieten, heißt es in einem Pressebericht der Verantwortlichen.

An den Jubiläumsveranstaltungen beteiligt sich auch der Heimatverein Lüdinghausen: Michael Kertelge wird drei Vorträge zur jüdischen Lüdinghauser Geschichte halten. Darüber hinaus plant der Verein, sich an der erneuerten Herausgabe des – derzeit vergriffenen – Lüdinghauser Stolpersteinbuchs zu beteiligen.

Der Heimatverein hofft, dass Spaziergänger die Tafeln eifrig nutzen. „Die heute gut 200-jährige Geschichte des Friedhofes ist spannend und quasi ein Archiv aus Stein“, schreiben die Mitglieder. So sind die Inschriften der ersten Grabsteine fast ausschließlich in Hebräisch verfasst. Jüngere Monumente sind in der Regel mindestens zweisprachig gehalten. Ein Grabstein gibt beispielsweise kund, dass ein Sohn der Familie im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallen ist. Aber auch die Exhumierungen der nationalsozialistischen Zeit werden beleuchtet. Den Abschluss der Ausführungen bilden Zeilen zur Nachkriegsgeschichte und zur Pflege heute.

Die Tafeln wurden von vielen Spendern mitfinanziert. Der Heimatverein dankt in seinem Bericht „allen, die mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement für Erinnerungskultur und gegen das Vergessen votiert haben“, ebenso den Verantwortlichen und den Arbeitern der Stadt Lüdinghausen, die unbürokratisch das Aufstellen ermöglicht haben.

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