Ausbildungsstart: Handwerker sind immer und überall gefragt – auch in Krisenzeiten
Fachkräfte von morgen legen los

Lüdinghausen -

Ob Elektriker, Bäckerin oder Fleischer: Fachkräfte im Handwerk sind wirklich immer gefragt – auch in Krisenzeiten. Ulrich Müller, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Coesfeld will junge Menschen ermutigen, ein Handwerk zu erlernen.

Freitag, 31.07.2020, 08:30 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 09:24 Uhr
Ob Elektriker, Bäckerin, Fleischer oder Tischlerin: Fachkräfte im Handwerk werden jederzeit gebraucht. Für das startende Ausbildungsjahr gibt es noch einige freie Stellen in der Umgebung.
Ob Elektriker, Bäckerin, Fleischer oder Tischlerin: Fachkräfte im Handwerk werden jederzeit gebraucht. Für das startende Ausbildungsjahr gibt es noch einige freie Stellen in der Umgebung. Foto: colourbox.de

„Das Handwerk hat in diesem Jahr bewiesen, dass es auch in Krisenzeiten goldenen Boden besitzt“, sagt Ulrich Müller , Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Coesfeld. Denn auch während des Lockdowns aufgrund der aktuellen Pandemie seien die Auftragsbücher der meisten Handwerksbetriebe gut gefüllt gewesen. Deshalb will Müller junge Menschen ermutigen, ein Handwerk zu erlernen.

Wegen der Corona-Beschränkungen seien die Berufspraktika in den Osterferien ausgefallen. Deshalb hätten einige Schüler noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. „Eigentlich lautet unsere Devise: Kein Abschluss ohne Anschluss“. In diesem Jahr sei das jedoch anders gewesen. Müller geht davon aus, dass ohne die engmaschige Betreuung der Abschlussschüler doch einige ohne Ausbildungsplatz sind. Dem gegenüber gebe es allerdings noch genügend offene Stellen. Es sei nicht erforderlich, die Lehre zum 1. August zu beginnen, ein Einstieg sei durchaus auch Anfang September oder Oktober möglich. Müller rät Jugendlichen, sich von den Experten der Kreishandwerkerschaft oder der Agentur für Arbeit beraten zu lassen.

Bei der Firma Elektro Muhle in Seppenrade fangen am Montag (3. August) zwei junge Männer ihre Ausbildung zum Elektroinstallateur an. Die Jugendlichen hätten zuvor ein Praktikum absolviert und so den Betrieb, einige tägliche Abläufe und die Ausbilder kennengelernt. „Auch wir können uns auf diese Weise einen Eindruck von unserem künftigen Mitarbeiter und dessen Interesse an dem Berufsbild machen“, betont Carola Muhle. Des Weiteren profitiere der Betrieb von einer guten Kooperation mit den Schulen. „Wir hatten bisher immer Glück und geeignete Bewerber gefunden“, sagt Muhle. „Wir freuen uns auf unsere neuen Auszubildenden.“

Es ist wichtig, sich als attraktiver Arbeitgeber einen guten Ruf zu machen.

Ulrike Geiping

Ähnlich läuft es im Lüdinghauser Lichthaus Gedike und Döpper. Auch dort wollen zwei junge Menschen den Beruf des Elektrikers erlernen. Die beiden haben anlässlich eines Praktikums ihre künftigen Chefs von ihren Fähigkeiten überzeugt. Alexander Overhaus vom Lichthaus setzt ebenfalls auf eine gute Zusammenarbeit mit den Schulen, um Nachwuchskräfte für den Elektriker-Job zu begeistern. Der Beruf sei absolut zukunftsfähig, weil er alles, was mit Strom zu tun habe, umfasse – und ohne solche Fachleute komme heute niemand mehr aus. Mit einer handwerklichen Ausbildung lege der Berufsanfänger einen soliden Grundstein für eine weitere Karriere, sind sich Muhle und Overhaus einig. Ein Handwerk sei generell eine gute Basis für eine berufliche Weiterbildung bis zur Meisterprüfung oder bis zu einem Studienabschluss, ist der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft überzeugt. Wie entscheidend es ist, sich aktiv um guten Nachwuchs zu kümmern, weiß auch Ulrike Geiping von der gleichnamigen Bäckerei. Dort beginnen in der kommenden Woche sowohl angehende Bäcker, Konditoren, Mitarbeiter im Verkauf als auch in der Verwaltung ihre Lehre. „Es ist wichtig, sich als attraktiver Arbeitgeber einen guten Ruf zu machen“, erklärt Geiping.

Wir haben in diesem Jahr nicht eine einzige Bewerbung erhalten.

Brigitte Feldkamp

Sie lege großen Wert auf eine umfassende Aus- und Weiterbildung, die auch Auslandspraktika umfasse. „Wir wollen schließlich in erster Linie gute Nachwuchskräfte für den eigenen Betrieb ausbilden. Dafür machen wir in sozialen Netzwerken auf uns aufmerksam“, erklärt die Geschäftsführerin. Gerade in Zeiten der geschlossenen Schulen während der Corona-Pandemie habe sich diese Maßnahme als sehr geeignet erwiesen. Einige Ausbildungsplätze hat Geiping aber dennoch noch zu vergeben: „Last-Minute-Azubis sind willkommen.“

Auf der Suche nach Lehrlingen sind die Verantwortlichen der Fleischerei Feldkamp in Seppenrade. Dort können Fleischer und Fleischereifachverkäufer ausgebildet werden. „Wir haben in diesem Jahr nicht eine einzige Bewerbung erhalten“, bedauert Brigitte Feldkamp. Dabei sei der Beruf durchaus attraktiv, ist die Inhaberin überzeugt. „Wir suchen kreative Personen, die den Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen mögen.“ Der Beruf beinhalte weit mehr als das Verkaufen und erfordere ein umfassendes Fachwissen, das in dem Betrieb in der dreijährigen Ausbildungszeit vermittelt werde. „Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf und garantiert keine eintönige Sache“, macht Feldkamp Werbung. Zudem setzten Kunden nach den jüngsten Fleischskandalen vermehrt auf regionale Produkte – das mache der Branche Mut für die Zukunft. Doch dafür werden ausgebildete Fachkräfte gesucht.

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