Theater über Fluchtgeschichten
Keine leichte Kost in der Anton-Aula

Lüdinghausen -

Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Krieg,Terror und Unterdrückung. Mit einer ungewöhnlichen Theaterperformance wurden jetzt Schüler des St.-Antonius-Gymnasiums mit solchen Fluchtgeschichten konfrontiert.

Donnerstag, 27.08.2020, 11:23 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 17:18 Uhr
Ungewöhnliche Theaterperformance in der Aula: Regisseur Mohanad Jackmoor mit Schülern des St.-Antonius-Gymnasiums.
Ungewöhnliche Theaterperformance in der Aula: Regisseur Mohanad Jackmoor mit Schülern des St.-Antonius-Gymnasiums. Foto: ben

Nicht gerade leichte Kost gab es bei der – nach langer durch Corona bedingten Pause – ersten Theaterveranstaltung in der Aula des St.-Antonius-Gymnasiums. Schüler zweier Geschichtskurse von Oberstufe und EF erlebten am Mittwochvormittag unter dem Titel „Flucht und Vertreibung“ eine knapp zweistündige Performance des syrischen Regisseurs Mohanad Jackmoor sowie des deutschen Schauspielers und Regisseurs Philipp Gregor Grüneberg , die sowohl inhaltlich als auch von der künstlerischen Machart die Jugendlichen durchaus herausforderte.

Die Flucht eines Zoodirektors

Im Kern geht es bei dem Werk, das im Rahmen des münsterischen Projektes „24 Stunden“ 2018 erstmals aufgeführt wurde, um die Schilderung unterschiedlicher Fluchtgeschichten, die weniger miteinander verglichen sondern vielmehr miteinander „verwoben“ werden sollen, wie es Grüneberg in der Einführung ankündigte. Eine Geschichte handelt von Jörg Adler, dem ehemaligen Direktor des Zoos in Münster. Dieser erzählt in einem Interview, das die Schüler über eine Tonaufnahme hören, von seinem Aufwachsen in der ehemaligen DDR und seinem Entschluss mit der Familie in den Westen zu gehen, um dann von den Geschehnissen rund um den Mauerfall im Herbst 1989 quasi überrollt zu werden. Er erzählt von den Friedensgebeten in der Nikolaikirche in seiner Heimatstadt Leipzig und dem Aufmarsch bewaffneter Kampftruppen, mit denen das Regime noch die Proteste der Bevölkerung vergeblich zu ersticken versuchte.

Die Fluchtgeschichte des syrischen Regisseurs Jackmoor können währendessen einige Schüler, die nach vorne kommen, parallel über Kopfhörer verfolgen, während dieser ihnen – wie selbstverständlich – Tee serviert.

Rassismus in Saudi-Arabien und Krieg in Syrien

Im zweiten Teil der ungewöhnlichen Performance verarbeitet Schauspieler Grüneberg schließlich auf der Bühne einzelne Lebensetappen eines Syrers namens „Mo“, der zunächst Opfer von Rassismus im ultrakonservativen Saudi-Arabien wird und später vor dem Assadregime in Syrien nach Deutschland flieht, um irgendwann in Münster am Hafen zu sitzen, wo er von einem deutschen Mädchen nach seiner Fluchtgeschichte gefragt wird. Wie gesagt, keine leichte Kost, die da geboten wurde.

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