Zeitzeugen-Forum zu 30 Jahren Deutsche Einheit in der Anton-Aula
Ergreifend und noch immer aktuell

Lüdinghausen -

Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr hatten das St.-Antonius-Canisianum, der Volkshochschulkreis Lüdinghausen und das Regionalbüro Westfalen der Konrad-Adenauer-Stiftung erneut zum Gespräch über Mauerfall und Wiedervereinigung eingeladen. Vor allem die Schilderung der Zeitzeugen fesselte das junge Publikum.

Samstag, 10.10.2020, 11:43 Uhr
Die Schüler in der Aula des St.-Antonius-Gymnasiums verfolgten gebannt die Schilderungen von DDR-Zeitzeugen sowie die wissenschaftliche Einordnung der Geschehnisse rund um die Wiedervereinigung vor 30 Jahren.
Die Schüler in der Aula des St.-Antonius-Gymnasiums verfolgten gebannt die Schilderungen von DDR-Zeitzeugen sowie die wissenschaftliche Einordnung der Geschehnisse rund um die Wiedervereinigung vor 30 Jahren. Foto: Arno Wolf Fischer

Erlebbare Geschichte und generationenübergreifende Diskussion standen am Donnerstagabend im Mittelpunkt des Zeitzeugenforums „30 Jahre Deutsche Einheit“ in der Aula des St.-Antonius-Gymnasiums. Nach dem Erfolg des Forums im vergangenen Jahr luden das Gymnasium und der Volkshochschulkreis Lüdinghausen gemeinsam mit dem Regionalbüro Westfalen der Konrad-Adenauer-Stiftung nun erneut zum Gespräch über Mauerfall und Wiedervereinigung ein.

Eingeleitet wurde die von VHS-Leiterin Andrea Bauhus moderierte Veranstaltung durch Schulleiterin Elisabeth Hüttenschmidt , bevor Bundestagsmitglied Marc Henrichmann eine Videobotschaft aus Berlin an das Publikum richtete. „Erinnerung tut Not“, fasste der Politiker zusammen und betonte schließlich einen zentralen Aspekt der friedlichen Revolution: „Freiheitsliebe ist stärker als Unterdrückung.“

Die Fülle und das Tempo der Umwälzungen waren atemberaubend.

Dr. Christopher Beckmann

Eine wissenschaftliche Einordnung präsentierte der Historiker Dr. Christopher Beckmann. Besonders macht die deutsche Wiedervereinigung für das Stiftungsmitglied dabei vor allem eines: „Die Fülle und das Tempo der Umwälzungen waren atemberaubend.“ Beckmann stellte die verschiedenen Faktoren hinter dem Weg zur Einheit dar, zu denen neben dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ostblocks und der Politik der Supermächte auch das Handeln einzelner Persönlichkeiten wie Michail Gorbatschow oder Helmut Kohl gehörten.

Einen direkten Einblick in die Lebenswelt der DDR gaben die Zeitzeugen Regina und Karl-Heinz Labahn, die aufgrund ihrer Ausreise-Anträge in den Westen inhaftiert waren – unter anderem im berüchtigten Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen sowie im Frauenzuchthaus Hoheneck. „Wir wollten nicht mehr mit unseren Kindern in diesem diktatorischen Staat leben“, fasste Regina Labahn ihre damalige Motivation zusammen und wandte sich schließlich unter lautem Applaus an die Schüler: „Bewahrt eure Freiheit!“ Besonders emotional war die Erinnerung an die jahrelange Trennung von den eigenen Kindern, die das Publikum fesselte. Persönliche Erfahrungen präsentierte auch der Schriftsteller Michael G. Fritz, dem unter anderem aus politischen Gründen die Fortsetzung seines Studiums verweigert wurde. „Widersprecht so viel ihr könnt“, appellierte auch er an die jungen Zuhörer und las aus seinem Roman „Auffliegende Papageien“. Schließlich diskutierten die Teilnehmer ihre Hoffnungen und Befürchtungen rund um die Deutsche Einheit und beantworteten die Fragen des Publikums, das sich unter anderem nach noch immer bestehenden Trennlinien zwischen Ost und West und dem politischen Klima in den ersten Jahren der DDR erkundigte. „Das war sehr eindrücklich und persönlich“, freute sich Hüttenschmidt über den erfolgreichen Abend und Stiftungsreferent Malte Bock erklärte mit Blick auf eine erneute Kooperation: „Ich freue mich schon auf das nächste Jahr.“

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