Mahnmal mit Resten der Berliner Mauer
Erinnerung und zugleich Botschaft

Lüdinghausen -

Es ist ein Mahnmal mit Relikten aus der Vergangenheit, dessen Botschaft aber in Gegenwart und Zukunft reicht. Dass um Freiheit gerungen werden muss, betonten mehrere Redner bei der Einweihung des Denkmals aus Mauerresten. An seiner Entstehung haben viele Köpfe und Hände mitgewirkt.

Sonntag, 11.10.2020, 18:59 Uhr aktualisiert: 13.10.2020, 14:36 Uhr
„Tagtäglich für die Freiheit arbeiten“: Richard Borgmann betonte das Signal des Mahnmals in die Gegenwart und Zukunft.
„Tagtäglich für die Freiheit arbeiten“: Richard Borgmann betonte das Signal des Mahnmals in die Gegenwart und Zukunft. Foto: Arno Wolf Fischer

Geschichte und Gegenwart verbindet das am Samstagvormittag enthüllte Mahnmal vor der Polizeiwache: Neben zwei Stücken der Berliner Mauer steht dabei vor allem eine modulare „Kreativwand“ im Mittelpunkt, die das Mahnmal stets mit neuen Ideen und Gedanken belebt.

Das von der Arbeitsstelle Gerechtigkeit und Frieden Lüdinghausen durch ihren Arbeitskreis Lüdinghauser Friedensräume mit seinem Verantwortlichen Roland Grund koordinierte Projekt richtet den Blick auch in die Zukunft. „Viele Köpfe und Hände haben dieses Werk vollbracht“, erklärte Grund angesichts des ehrenamtlichen Engagements und der breiten Unterstützung durch Lüdinghauser Bürger, Unternehmer sowie durch die Bürgerstiftung und die Stadt. Zur Realisierung des Projektes sei diese Unterstützung unerlässlich: „Wir freuen uns, dass in Lüdinghausen ein solches Umfeld existiert.“ Die beiden Mauerstücke haben indes eine lange Reise hinter sich: Nach dem Erwerb durch eine Lünener Immobilienfirma im Jahr 2007 wurden die Objekte 2010 durch den Lüdinghauser Künstler Alfred Gockel gestaltet. Ihre neue Heimat fanden die Mauerstücke dann in der Deutschen Botschaft in Athen, wo sie bis zu ihrer Rückkehr in die Steverstadt im Jahr 2015 ausgestellt wurden. „Das ist ein besonderes Ereignis für Lüdinghausen“, fasste Karl-Heinz Kocar zusammen und sprach dabei sowohl seinen Vorstandskollegen als auch den Interessierten und Unterstützern sichtlich aus dem Herzen. Bürgermeister Richard Borgmann betonte die Aktualität des Projektes, die vor allem eine „Botschaft an die heutige Zeit“ sende. „Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit und es ist wichtig tagtäglich dafür zu arbeiten“, erklärte Borgmann und stellte dabei Entwicklungen hin zu neuem „Mauerbau“ heraus. Auch Künstler Alfred Gockel sieht das Mahnmal als Signal für Gegenwart und Zukunft: „Zunehmende Autokratie“ und politische Tendenzen, durch die „Werte mit Füßen getreten“ würden, machten die Initiative aktuell.

Künstler Alfred Gockel warnte davor, dass „Werte mit Füßen getreten werden“.

Künstler Alfred Gockel warnte davor, dass „Werte mit Füßen getreten werden“. Foto: Fischer

Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit.

Richard Borgmann

Den Prozess von der Idee bis zur Montage fasste Roland Grund zusammen und stellte besonders die Zukunft des Mahnmals heraus: „Wir haben den Anfang geschaffen.“ Zurzeit beteiligen sich sechs Lüdinghauser Schulen an dem Projekt, indem sie die „Kreativwand“ gestalten. „Der Fantasie und Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt“, erklärte Grund und ergänzte: „Wir sind zuversichtlich, dass das hier ein guter Ort ist.“ Ein Gedanke, den auch Bürgermeister Borgmann herausstellte: „Das ist der richtige Ort. Mitten in Lüdinghausen.“

Mahnmal als lebendiges Gemeinschaftsprojekt

Der zentrale Aspekt aller Redebeiträge war der besondere Charakter des Mahnmals als lebendiges und veränderbares Gemeinschaftsprojekt, wie Roland Grund zusammenfasste: „Die Kreativwand wird dieses Projekt über einen langen Zeitraum mit Leben füllen.“

Nach der Enthüllung der beiden Mauerstücke blieb noch ausreichend Zeit, um über die Initiative ins Gespräch zu kommen. „Das Mahnmal ist jeden Tag geöffnet und jeder ist willkommen“, lud Roland Grund schließlich alle Interessierten zum Besuch der Mauerstücke ein.

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