Kooperation in Corona-Tagen
Ergotherapie im Gemüsebeet

Lüdinghausen -

Weil das Coronavirus die Arbeitsbedingungen für das Team der Kinderheilstätte Nordkirchen stark verändert hat, sind die Mitarbeiter kreativ geworden und eine Kooperation mit dem Biologischen Zentrum eingegangen: Nun finden Ergotherapiestunden auch schon mal draußen mitten im Gemüsebeet statt.

Montag, 12.10.2020, 15:00 Uhr
Leon liebt es, Kartoffeln auszubuddeln.
Leon liebt es, Kartoffeln auszubuddeln. Foto: Kinderheilstätte Nordkirchen

Leon hat etwas vor: „Kartoffeln ausbuddeln“ soll es heute sein. Und schon schiebt der Vierjährige sich die Ärmel hoch und stapft los. Es ist der Beginn einer Stunde Frühförderung gemeinsam mit Ergotherapeutin Claudia Arnold – die etwas anders als gewöhnlich abläuft, seit das Corona-Virus grassiert.

In Pandemie-Zeiten ist nichts wie zuvor: Auch in der Frühförderstelle der Kinderheilstätte Nordkirchen wurde der Betrieb im März lahmgelegt. Die Regeln, nach denen Therapie und Förderung dort heute stattfinden können, haben sich seitdem grundlegend veränderte.

„Allein die Maskenpflicht für Pädagoginnen, Therapeutinnen und Eltern ist eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten“, wird Ergotherapeutin und Feldenkrais-Lehrerin Claudia Arnold in einem Pressebericht der Nordkirchener Einrichtung zitiert. Nicht zuletzt weil die Mimik ein wichtiger Teil der Kommunikation zwischen Kindern und Therapeuten sei. Viele Jungen und Mädchen, die beispielsweise in der Ergotherapie betreut werden, zeigten Auffälligkeiten im Bereich der Wahrnehmung und Sprache. Kommunikation und Interaktion seien für sie ohnehin schwierig, erläutert Arnold: „Wie soll das gelingen, wenn das Gegenüber eine Maske trägt und auf Abstand bleiben muss?“

Deshalb musste eine Alternative her: draußen arbeiten. Und so entstand in den vergangenen Monaten eine Kooperation mit dem Biologischen Zentrum in Lüdinghausen. „Corona-bedingt mussten wir zunächst alle Veranstaltungen und Kindergruppen absagen“, erinnert sich Dr. Irmtraud Papke, Leiterin des Zentrums, „Es war so schön, wieder Kinderstimmen und Lachen auf unserem Gelände zu haben.“

In der Ergotherapie arbeite ich mit Kindern vor allem daran, ihre Körperwahrnehmung zu verbessern, zum Beispiel den Gleichgewichtssinn oder den Tast- oder Hautsinn.

Claudia Arnold

Arnold wiederum erläutert: „In der Ergotherapie arbeite ich mit Kindern vor allem daran, ihre Körperwahrnehmung zu verbessern, zum Beispiel den Gleichgewichtssinn oder den Tast- oder Hautsinn. Die Kinder lernen so, sich mehr in sich selbst zuhause zu fühlen. Das ist eine wichtige Grundlage für alles weitere Lernen.“ Und im Biologischen Zentrum gebe es alles, was es für diese Arbeit brauche: Wald, Wiese, Erde und Sand, Klettermöglichkeiten, viel Platz zum Rennen und Verstecken, Wasser zum Matschen, Raum um laut oder leise sein – und ganz viel frische Luft. „Ein großes Geschenk in Corona-Tagen“, heißt es in dem Bericht. Zum Spätsommer gab es sogar Kartoffeln, die die Kinder ausgraben und gegen eine Spende mit nach Hause nehmen konnten.

Leon weiß genau, wie lecker diese Erdäpfel schmecken – und buddelt mit Begeisterung in der Erde. Zwischen den Obstbäumen in der Hängematte zu schaukeln, mag eine schöne Vorstellung sein, heute aber findet er das nicht wirklich spannend. Er möchte viel lieber mit der großen Forke und den Händen graben. Eine Erfahrung für alle Sinne: Kinder, Eltern und die Therapeutin seien begeistert, berichten die Verantwortlichen in ihrem Bericht. Für Leon und seine Familie werde die Therapiezeit im Biologischen Zentrum aber auch deshalb in guter Erinnerung bleiben, weil drei neue Familienmitglieder aus dem Biologischen Zentrum auf den heimatlichen Hof in Senden umgezogen sind: ein kleiner Hahn und zwei Junghennen, die erst vor wenigen Wochen im Brutkasten geschlüpft waren.

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