Ärztlicher Direktor warnt vor der neuen Covid-Welle
„Bitte seien Sie vernünftig!“

Lüdinghausen -

Dr. Jörg Siebert, Ärztlicher Leiter des St.-Marien-Hospital ist nicht bekannt für Panikmache. Dennoch sieht der Mediziner die derzeit landesweit rasant steigenden Zahlen neuer Covid-Infektionen mit großer Sorge.

Freitag, 16.10.2020, 16:42 Uhr aktualisiert: 23.10.2020, 16:14 Uhr
Dr. Jörg Siebert mahnt zur erhöhten Vorsicht.
Dr. Jörg Siebert mahnt zur erhöhten Vorsicht. Foto: St.-Marien-Hospital

„Im Vergleich zur ersten Welle werden wir ein Vielfaches an Krankheitsfällen und auch ein Vielfaches an Intensivpatienten erleben“, malt Dr. Jörg Siebert , Ärztlicher Direktor des St.-Marien-Hospitals (SMH), ein eher düsteres Bild angesichts der aktuell rasant steigenden Covid-Infektionszahlen in ganz Deutschland. „Wir sehen gerade exakt das Szenario, das uns die Pandemieforscher schon vor Wochen vorhergesagt haben“, betont der Mediziner, dass diese Entwicklung für ihn nicht überraschend kommt.

Im Vergleich zur ersten Welle werden wir ein Vielfaches an Krankheitsfällen und auch ein Vielfaches an Intensivpatienten erleben.

Dr. Jörg Siebert

Vor Ort sei es zurzeit noch ruhig, aktuell habe man (Stand Freitag) keinen Covid-Patienten in der stationären Versorgung. Dass sich das allerdings in den nächsten Wochen ändern wird, daran besteht für den Fachmann offenbar kein Zweifel. Befürchtungen, dass in Deutschland nicht alle Covid-Patienten eine optimale Versorgung bekommen könnten, hat Siebert indes nicht: „Ich denke, wir sind gut gerüstet, auch wir haben beispielsweise mehr Beatmungsgeräte als noch im Frühjahr und wir können die Zahl unserer Intensivbetten innerhalb von 48 Stunden fast verdoppeln.“ Das Problem, vor dem die Kliniken dann vielmehr stünden, sei das nötige Personal bereitzustellen, um eine große Anzahl an Erkrankten zu versorgen. „Zum einen gilt dabei unsere Sorge natürlich der Gesundheit unserer Mitarbeiter, die ein nicht unerhebliches Risiko auf sich nehmen“, so Siebert. Zum anderen müsse man im Ernstfall wieder Teile anderer Abteilungen im Haus schließen, um Personal von dort abziehen zu können. „Das heißt dann auch, dass wir wieder den regulären Betrieb einschränken müssten, beispielsweise geplante Operationen verschieben.“ Laut Siebert geschehe das bereits an ersten Kliniken vor allem in den Großstädten.

Vor dem Hintergrund der ernsten Lage hat der Mediziner eine dringliche Bitte an alle Bürger: „Bitte seien Sie vernünftig und verzichten jetzt auf unnötige Kontakte!“ Niemand solle glauben, dass man die Krankheit besser im Griff habe als zu Beginn der Pandemie. „Zurzeit sind die Infizierten nur im Schnitt zehn Jahre jünger als bei der ersten Welle.“ Sobald sich auch wieder mehr ältere Menschen ansteckten, werde auch die Zahl der tödlich verlaufenden Infektionen wieder deutlich steigen.

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