Notarzt darf keine Leichenschau vornehmen
Todesfall kann Ermittlungssache werden

Lüdinghausen -

Verstirbt ein Familienmitglied überraschend im eigenen Zuhause, ist das für die Angehörigen eine Ausnahmesituation und extrem belastend. Da ist es umso wichtiger, zu wissen, welche gesetzlichen Regelungen in so einem Fall greifen.

Sonntag, 18.10.2020, 19:21 Uhr aktualisiert: 19.10.2020, 14:50 Uhr
Der Notarzt darf die Todesursache nicht ermitteln.
Der Notarzt darf die Todesursache nicht ermitteln. Foto: dpa

Wenn ein Angehöriger in der Wohnung stirbt, kann es sein, dass plötzlich die Kriminalpolizei vor der Tür steht. Und das nur, weil der Notarzt auf der Todesbescheinigung als Todesursache „unbekannt“ angegeben hat. Die Polizei ruft dann einen von ihr beauftragten Vertragsbestatter, der den Verstorbenen erst einmal mitnimmt.

Er kann die Leiche nicht umfassend untersuchen und nur den Tod feststellen.

Bestatterin Anna Hettwer

„Der Notarzt hat in solch einem Fall alles richtig gemacht“, betont Bestatterin Anna Hettwer vom gleichnamigen Bestattungsinstitut. „Er kann die Leiche nicht umfassend untersuchen und nur den Tod feststellen. Weil er vor Ort keine gründliche Leichenschau durchführen kann, ist es ihm nicht möglich, die Ursache zu ermitteln.“ Das bestätigt auch Michael Hofmann , Leiter des DRK-Rettungsdienstes. „Der Notarzt muss weiter einsatzfähig sein und kann sich nicht einmal die Zeit für eine Leichenschau nehmen.“ Allerdings, so sagt Hofmann weiter, „versuchen unsere Mitarbeiter den Hausarzt zu erreichen, damit dieser sich um die Todesbescheinigung kümmern kann“.

Klappt das nicht, werde das übliche juristische Verfahren in Gang gesetzt. Der Tote werde automatisch zu einem Fall für die Ermittlungsbehörden. Schließlich müsse eine Straftat, die zu einem nicht natürlichen Tod geführt hat, ausgeschlossen werden. Oft sei die Sache schnell geklärt, zumeist reiche ein Gespräch der Kripo mit dem Hausarzt, weiß Hettwer. Für die Angehörigen sei dieses Verfahren in der Regel aber sehr belastend und koste Nerven und Zeit. Hofmann weist ausdrücklich darauf hin, dass diesem Verfahren kein Anfangsverdacht und kein Misstrauen zugrunde liegen. Er kann aber auch verstehen, dass die Angehörigen zunächst einmal einen Kloß im Hals haben, wenn die Polizei in der Wohnung steht. Aber auch die Beamten gingen erst einmal nicht von einer Straftat aus.

Der Vertragsbestatter müsse den Leichnam mitnehmen, weil an dem Toten nachträglich nichts verändert werden dürfe. Auch das seien gesetzliche Vorgaben, hinter denen den auf keinen Fall ein bestimmter Verdacht stehe, betont Hofmann.

Hettwer rät Angehörigen dazu, auf jeden Fall zu versuchen, den Hausarzt, mit dem dieser Fall schon im Vorfeld besprochen werden sollte, zu erreichen. Dafür könne sich die Familie ruhig ein wenig Zeit nehmen, erklärt die Bestatterin. Der Hausarzt, der den Patienten und dessen Krankengeschichte gekannt hat, kann in die Todesbescheinigung die tatsächliche Ursache eintragen.

Wurde der Angehörige über das Palliativnetz betreut, könne auch darüber ein Arzt gerufen werden. „Dort ist immer jemand erreichbar“, versichert Hettwer. Kosten entstehen den Angehörigen übrigens nicht, wenn der Tote zunächst von dem Vertragsbestatter abgeholt wird. Der werde ausschließlich von der Polizei beauftragt. Der von der Familie beauftragte Bestatter holt den Verstorbenen anschließend ab und übernehme die Vorbereitung für die Beerdigung.

Laut Hofmann kommen derartige Fälle in der Steverstadt sehr selten vor. Es sei aber wichtig, dass Angehörige wissen, was passiert wenn sie den Notarzt rufen. Werde der Notfall über die Telefonnummer 110 gemeldet, rücke in der Regel immer die Polizei mit an. Besser sei es, wenn der Hausarzt nicht zur Verfügung steht, zuerst die Nummer 112 zu wählen.

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