Alina Rölver fordert Gleichberechtigung in der Sprache
Eine Frage der Korrektheit

Lüdinghausen -

Alle Geschlechter durch Sprache mit einbeziehen, das hält die Lektorin Alina Rölver für wichtig. Allzu oft werde nur die männliche Form verwendet, dabei gebe es gut Alternativen.

Montag, 26.10.2020, 13:04 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 17:49 Uhr
Sprachlich alle Geschlechter einzubeziehen und nicht immer gedankenlos ausschließlich die männliche Form zu verwenden, hält Lektorin Alina Rölver für wichtig.
Sprachlich alle Geschlechter einzubeziehen und nicht immer gedankenlos ausschließlich die männliche Form zu verwenden, hält Lektorin Alina Rölver für wichtig. Foto: Marion Fenner/Fotostudio Essing

Wähler, Bürger, Sportler – sind Frauen von diesen Begriffen ausgeschlossen? Ist Sprache zu männlich? Alina Rölver , Lektorin, Korrektorin und Texterin, die an der Volkshochschule (VHS) Lüdinghausen einen Workshop zum Thema „geschlechtergerechte Sprache“ anbietet, findet schon, dass das so ist. Ihrer Ansicht nach sollten sich immer alle Geschlechter von einem Text angesprochen fühlen.

„Gendern (von englisch gender ,soziales Geschlecht‘) ist eine eingedeutschte Wortbildung aus dem angelsächsischen Sprachraum und bezeichnet die Berücksichtigung oder Analyse des Geschlechter-Aspekts in Bezug auf eine Grundgesamtheit von Personen“, lautet eine Definition im Internet-Lexikon Wikipedia. Im besonderen Sinne stehe das Gendern für einen geschlechterbewussten Sprachgebrauch, der im Interesse der Gleichbehandlung mit Veränderungen der herkömmlichen schriftlichen und gesprochenen Sprache einhergehe.

Um alle Geschlechter einzubeziehen, müsse nicht unbedingt auf Alternativen, wie Bürger*innen, Wähler/innen oder SportlerInnen zurückgegriffen werden, erklärt Rölver. Auch müssten nicht immer beide Varianten – wie „Teilnehmer und Teilnehmerinnen“ – erwähnt werden. „Es gibt andere Möglichkeiten, mit denen Texte weiterhin gut und flüssig lesbar bleiben“, ist Rölver überzeugt. Statt „Bürger“ empfiehlt sie die „Bürgerschaft“, statt „Kunde“, die „Kundschaft“ und anstelle von „Kollegen“ die „Belegschaft“. „Es ist einfach nur wichtig, eine geschlechtergerechte Sprache zumindest im Blick zu haben und darüber immer wieder nachzudenken.“ Nicht bei allen Wörtern sei das problemlos möglich, weiß auch die Expertin. Von einer „Gästin“ rät Rölver natürlich ab, dafür könnten jedoch „Geladene“ verwendet werden.

Gleichberechtigung müsse sich in der Sprache widerspiegeln, fordert Rölver. Das Gendern müsse jedoch nicht in allerletzter Konsequenz durchgezogen werden, doch ein wenig Kreativität schade nicht. Sprache sei einem dauerhaften Wandel unterzogen, deshalb hält sie es für legitim, diese jederzeit den gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen. Es sei letztlich eine Frage der Korrektheit.

In Frankreich gebe es eine nette Variante ohne Sternchen, mit der auch Frauen angesprochen werden, berichtet Rölver. Dort werde ein Mittelpunkt verwendet. „Bürger·innen“ heißt es dann im Text. „Ich halte das für eleganter, als das Sternchen oder einen Bindestrich“, sagt Rölver, das habe sich aber hierzulande bisher nicht durchgesetzt.

 

Am Freitag (30. Oktober) findet von 9 bis 12 Uhr ein Workshop mit Alina Rölver zum geschlechtersensiblen Schreiben in der Burg Lüdinghausen statt. Aktuelle Hygienestandards und Corona-Schutzbestimmungen werden berücksichtigt. Schriftliche Anmeldungen sind in den VHS-Geschäftsstellen und online jederzeit über die Homepage möglich. Weitere Kursinformationen gibt‘s unter 0 25 91/92 63 47.

 

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