Funktioniert Hospizarbeit unter Corona-Bedingungen?
Mitgefühl – trotz Maske

Lüdinghausen -

Mit dem ersten Lockdown im März endete die Sterbebegleitung der Hospiz-Bewegung in der Steverstadt abrupt. Mittlerweile dürfen die Ehrenamtlichen wieder schwerkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase Zeit und Trost spenden. Natürlich nur unter strengen Auflagen.

Donnerstag, 05.11.2020, 16:49 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 16:52 Uhr
Monika Birkenfeld-Becker (li.) und Margarete Hake sind bei der Hospiz-Bewegung Lüdinghausen-Seppenrade unter anderem für die Koordination der ehrenamtlichen Sterbebegleitung zuständig. In Coronazeiten keine leichte Aufgabe.
Monika Birkenfeld-Becker (li.) und Margarete Hake sind bei der Hospiz-Bewegung Lüdinghausen-Seppenrade unter anderem für die Koordination der ehrenamtlichen Sterbebegleitung zuständig. In Coronazeiten keine leichte Aufgabe. Foto: ben

Das Leben beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Wie banal. Und doch sind beide Ereignisse auf ihre Art ganz besondere, höchst intime und emotional aufwühlende Momente. Während der eine gekennzeichnet ist von übergroßer Freude über den kleinen Menschen, der da das Licht der Welt erblickt, steht der andere für den Sterbenden selbst und auch für dessen Angehörige vor allem für Trauer, Angst, vielleicht auch eine Art von Erlösung. Der Weg zu diesem Moment ist oft ein schwerer, den die ehrenamtlichen Begleiterinnen der Hospizbewegung zumindest ein wenig leichter machen können. Sie sind Gesprächspartner und Ratgeber. Sie entlasten die Angehörigen. Sie sitzen am Bett, hören zu, sorgen mit einem Lächeln, vielleicht auch einer Berührung für Nähe, spenden Trost mit Musik oder Gedichten, was immer dem sterbenden Menschen die Zeit, die er noch hat, zumindest für einen Moment heller und schöner macht.

Zunächst mal ging mit dem ersten Lockdown im März für eine lange Zeit gar nicht mehr-

Margarete Hake

Doch wie soll all das funktionieren in Zeiten von Corona, von Maske tragen und Abstand halten? „Zunächst mal ging mit dem ersten Lockdown im März für eine lange Zeit gar nicht mehr“, erzählt Margarete Hake , neben Monika Birkenfeld-Becker die zweite Koordinatorin der Hospizarbeit in Lüdinghausen und Seppenrade, im Gespräch mit den WN. Mit dem absoluten Besuchsverbot in Altenheimen und auf Palliativstationen sei der persönliche Kontakt komplett unterbunden worden. „Und auch Besuche im heimischen Umfeld fanden zunächst nicht mehr statt“, ergänzt Birkenfeld-Becker. Dabei sei es sowohl um den Schutz der eigenen ehrenamtlichen Mitarbeiter als auch um den der Angehörigen und der Sterbenden beziehungsweise Schwerkranken gegangen. „Auch ein Mensch, der sterbenskrank ist, hat ein Recht auf Schutz in seiner letzten Lebensphase“, bringt es Hake auf den Punkt.

Erst ab Juni habe man dann – unter den jeweils geltenden Hygieneauflagen – die Arbeit wieder aufnehmen können. Allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau. „Ein Teil unserer Ehrenamtlichen möchte aus Selbstschutz bis jetzt noch keine Begleitung durchführen. Aber auch die Anfragen an uns sind deutlich zurückgegangen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie“, nennt Hake zwei Gründe. Deutlich gestiegen sei dagegen die Nachfrage nach Terminen für Trauergespräche. „Wenn Beerdigungen nur noch im kleinen Rahmen stattfinden können, wenn die sozialen Kontakte in den Familien und im Freundeskreis so stark eingeschränkt sind, dann fehlt vielen Menschen etwas Wichtiges, gerade auch in der Zeit der Trauer“, weiß Birkenfeld-Becker aus vielen Gesprächen. Dazu komme, dass andere Angebote der Hospiz Bewegung, wie beispielsweise das sonst monatlich stattfindende Trauercafé „Lichtblicke", der Pandemie zum Opfer gefallen seien. Man versuche natürlich andere, coronakonforme Angebote zu machen. „In solchen Zeiten muss man halt kreativ sein“, meint Hake und nennt als Beispiel die im Sommer ins Leben gerufenen Trauerwanderungen. Die seien auch sehr gut angenommen worden. Doch jetzt, mit dem erneuten Lockdown müsse fast alles wieder auf Null runtergefahren werden, inklusive Begleitertreffen oder Seminare.

Gibt es trotz allem einen Lichtblick? „Ja, die Pflegeheime sind, im Gegensatz zu damals, zumindest bislang noch offen“, formulieren die beiden es betont vorsichtig. Trotz Fiebermessen und Händedesinfektion am Eingang – ist diese notwendige Hürde erstmal genommen, geht es dann wieder einzig und allein darum, einem Sterbenskranken menschliche Nähe und Trost zu geben. Auch wenn sich das mitfühlende Lächeln derzeit hinter einer Maske verstecken muss.

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