Raesfeldsche Stiftung bereichert Adventswochenenden
Märchen auf dem bunten Sofa

Lüdinghausen -

Am ersten Adventssamstag kann jeder, der die Homepage des Raesfeldschen Stiftung mit der Adresse www.seit1586.de aufruft, das erste von vier Märchen hören, die Ida Niehaus und Brigitte Scharinger-Brill vor der Kamera erzählt haben. Spannende Unterhaltung – und ein kleiner Trost für viele ausgefallene Kulturveranstaltungen.

Montag, 23.11.2020, 16:32 Uhr
Ina Niehaus wartet, bis Dominic Wörmann die Kamera richtig eingestellt hat. Dann beginnt sie mit ihrer Erzählung.
Ina Niehaus wartet, bis Dominic Wörmann die Kamera richtig eingestellt hat. Dann beginnt sie mit ihrer Erzählung. Foto: Bettina Laerbusch

Ina Niehaus sitzt auf einem riesengroßen orange-beigen Sofa und fängt an zu erzählen. Ihre Stimme ist beeindruckend. Sie nimmt ihre drei Zuhörer an diesem späten Nachmittag im November sofort, im allerersten Augenblick, gefangen. Immer wieder blickt Niehaus sie an – obwohl sie streng genommen nur in die Kamera des Smartphones von Dominic Wörmann sehen sollte. Die Zuhörer sind sofort mitten im Geschehen – in diesem Fall bei den sieben Geißlein. Sie spüren fast selbst die Gefahr im Bauch durch den Wolf, der in ihr sicheres Zuhause eindringen will. Sie spüren die Angst des Bäckermeisters, der sich anfangs weigert, die schwarzen Pfoten des Wolfes mit Mehl und Teig zu weisen.

Am ersten Adventssamstag (also schon an diesem Wochenende!) wird jeder, der die Homepage des Raesfeldschen Stiftung mit der Adresse www.seit1586.de aufruft, das erste von insgesamt vier Märchen hören, die Ida Niehaus und mit ihr Brigitte Scharinger-Brill vor der Kamera erzählt haben. Für jedes Adventswochenende gibt es ein Märchen, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie sind aus der Feder der Gebrüdern Grimm. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.

Brigitte Scharinger-Brill erzählt Märchen auf einem Sofa in der Familienbildungsstätte in Lüdinghausen.

Brigitte Scharinger-Brill erzählt Märchen auf einem Sofa in der Familienbildungsstätte in Lüdinghausen. Foto: Bettina Laerbusch

Nahezu alle kulturellen Veranstaltungen sind in diesem Jahr ausgefallen – oder konnte nur in anderer Form, sehr reduziert und mit großen Idealismus der Akteure stattfinden. Auch die wunderbare Märchenwoche in Lüdinghausen ist der Pandemie zum Opfer verfallen. Das wiederum hat Elisabeth Krechtmann, Beiratsmitglied der Raesfeldschen Stiftung, auf die Idee gebracht, Ina Niehaus zu fragen, ob sie nicht Lust hätte vor der Kamera Märchen zu erzählen. Die hatte – und fragte sogleich Brigitte Scharinger-Brill, ob diese mitmachen würde. Ein klares „Ja“ bekam Ina Niehaus zur Antwort.

Es ist Donnerstag, der 19. November: Die beiden Märchenerzählerinnen sitzen nacheinander auf dem großen Sofa im Eingangsbereich der Familienbildungsstätte an der Mühlenstraße. Ina Niehaus macht den Anfang, es dauert ein paar Minuten, bis Dominic Wörmann die Kamera/das Smartphone richtig eingestellt hat, Abstand und Position stimmen.

Dass die Familienbildungsstätte Ort des Geschehens ist, ist nicht zufällig. Die „von Raesfeldschen Armenstiftung“, so der ursprünglicher Namen, die es bereits seit 1586 gibt, finanziert heute Kurse in der Familienbildungsstätte. Im Gebäude der Stiftung an der Mühlenstraße ist die Fbs zu Hause. „Viele Familien oder Alleinerziehende verfügen nur noch über ein geringes Einkommen, das sie für die Bewältigung des Alltags benötigen. Sie können sich zusätzliche Bildungsangebote nicht erlauben. Genau hier geben wir aus den erhaltenen Spenden Unterstützung weiter – ohne große Bürokratie“, erläutert Elisabeth Krechting. Sie erzählt an diesem Nachmittag auch, dass die Stiftung Samuel Koch zu einer Lesung in der St.-Felizitas-Kirche eingeladen hatte. Corona verhinderte, das der Schauspieler und Autor, der sich 2010 bei „Wetten, dass..?“ schwerst verletzte, nach Lüdinghausen kommen konnte.

Ina Nienhaus

Ina Nienhaus Foto: Bettina Laerbusch

Vier Märchen werden also am 1., 2., 3. und 4. Adventssamstag – jeweils ab 11 Uhr – auf der Homepage der Stiftung aufrufbar sein. Nicht länger als zehn Minuten Zuhörzeit, wird ein Märchen in Anspruch nehmen, eine schöne Auszeit – allein, mit der Familie. Nur zehn Minuten? Sind Märchen nicht viel, viel länger? Ina Niehaus und Brigitte Scharinger-Brill lachen und legen Widerspruch ein: „Es gibt auch Märchen, die sind in zwei oder drei Minuten erzählt.“

Die „von Raesfeldsche Armenstiftung zu Lüdinghausen« ist eine Stiftung die 1586 von Gottfried von Raesfeld ins Leben gerufen wurde. Gottfried von Raesfeld war Domdechant in Münster und Amtsherr in Lüdinghausen. In der Stiftungsurkunde wurde damals die Errichtung eines Armenhauses festgelegt und an der Mühlenstraße 29 in Lüdinghausen umgesetzt - im dem Haus, in dem heute die Familienbildungsstätte ihren Sitz hat.

Seit April 2016 hat die Stiftung einen Beirat, der im Sinne eines Fördervereins mit christlicher Orientierung arbeitet. Er wurde offiziell durch den Verwaltungsausschuss der Pfarrgemeinde St. Felizitas beauftragt. Heute widmet sich die Stiftung dem Ziel, Bildung allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich zu machen. Die Stiftung wird getragen durch die aktive und ehrenamtliche Mitarbeit der Beiratsmitglieder. Neue Mitglieder sind ebenso wie Spender sehr willkommen.

 

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