Zwei Fahrradhändler über den Leezenboom
Das große Warten

Lüdinghausen -

Der Boom hält an. Die Leute wollen Fahrräder - und müssen mitunter sehr, sehr lange auf die beehrte Leeze warten. Von Lieferzeiten wie sonst nur bei Autos bekannt erzählen Johannes Badelt und Kai Witteler. Was sind die Gründe?

Mittwoch, 25.11.2020, 07:38 Uhr
Kai Witteler (li.) und
Kai Witteler (li.) und Foto: Bettina Laerbusch

Kai Witteler spricht von „mega langen Wartezeiten, teilweise bis zu acht Monaten.“ „Die Lieferfähigkeit ist katastrophal“, sagt Johannes Badelt . „Ich habe so etwas noch nie erlebt“, stellt Letzterer im Telefongespräch mit dieser Zeitung ungläubig weiter fest. „Seit 36 Jahren bin ich in diesem Beruf“, fügt er auf Nachfrage hinzu. Witteler und Badelt – beide sind Inhaber eines Fahrradgeschäftes, Badelt oben in Seppenrade, Witteler am Krankenhaus direkt in der Innenstadt.

Zu Beginn der Corona-Krise, im April, erfasste ein regelrechter Boom die Fahrradbranche. Die Menschen wollten nicht mehr Bus und Bahn fahren, sie konnten nur sehr eingeschränkt verreisen: Fahrräder, vor allem E-Bikes, waren von Tag zu Tag mehr begehrt.

Warten auch auf Ersatzteile

Dieser Boom, sagen beide, halte nach wie vor an, vor allen bei den E-Bikes – wenn er auch wetter- und jahreszeitlichbedingt etwas abgeflaut sei. Das Problem bei dieser ja doch sehr guten Nachricht: Die Fahrradhändler könnten noch viel mehr verkaufen, als sie es de facto tun. Der Grund sind eben die langen Lieferzeiten „sowohl bei den Neufahrzeugen als auch bei den Ersatzteilen“, erläutert Badelt. „Es ist verrückt“, sagt er offen und betont sofort, dass er und seine Kollegen auf „hohem Niveau klagen würden“ – jetzt in der Corona-Krise, in der Fitnessstudios und Theater, Kinos und Restaurants komplett schließen müssen.

Klagen auf hohem Niveau

Woran aber liegt es, dass es bei Fahrrädern und Zubehör anno 2020 Lieferzeiten gibt, die Verbraucher sonst nur von begehrten neuen Autos kennen? Badelt und Witteler berichtet unabhängig voneinander von Herstellern, „die ausverkauft sind“. Badelt erzählt von Kunden, denen er Fahrräder gar nicht mehr zeigen könne, weil nicht mehr 120 bis 150 Anschauungsobjekte in seinem Geschäft ständen, sondern viel weniger. „Ich kann nur staunen, wie die Sachen aus dem Laden getragen werden und wie lange wir auf Ersatzteile warten. Verstehen kann ich es teilweise nicht – ich stecke da nicht drin.“ Lieferanten sprächen von „ein paar Monaten Produktionsausfall“.

Produktionsausfälle

Witteler wird etwas konkreter. Vieles komme aus Fernost. „Abhängig ist ganz viel von China.“ Wann es dort wo genau und wie lange Produktionsausfälle gegeben hat – niemand weiß es genau. Badelt erzählt von einem Kunden, der ein Kinderfahrrad geordert hat – es kommt. Im Februar. Witteler berichtet von einem Kunden, der ein E-Bike einer ganz bestimmten Marke haben möchte. Es kommt. Liefertermin: 21. Juni 2021.

Alte Schätzchen pflegen

Was bleibt den Händlern und ihren Kunden? Vertrösten, abwarten, für Verständnis werben, sagen, dass Fahrradhändler auch nur am Ende der Nahrungskette stehen, Geduld haben – und sein altes oder auch neues Schätzchens sehr gut pflegen. Zu Serviceterminen rät Witteler schon jetzt und nicht erst im Frühjahr. Bei E-Bikes gehörten ein Software-Update, das Überprüfen der Elektronik sowie eine Fehlerauslese dazu. Er erinnert daran, wenn es kalt wird und ist, die Akkus rauszunehmen, damit sie länger halten. Und Witteler spricht das manchmal bei Leezennutzern ja doch vernachlässigte Thema Beleuchtung an: „LED-Scheinwerfen mit hoher Lux-Zahl sollten sein, um die Sicherheit zu erhöhen.“ Nicht zu vergessen: Auch das Standlicht am Fahrrad sollte imm er überprüft werden und funktionieren.

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