Lüdinghauserin war ein Semester lang in Lappland
Wenn die Nacht 20 Stunden dauert

Lüdinghausen -

Als Felicitas Peters ihr Studiensemester in Lappland beginnt, ist es Sommer und fast rund um die Uhr hell. Doch dann kommt der Winter und damit 20 Stunden Dunkelheit am Tag. Eine echte Herausforderung für die junge Frau.

Mittwoch, 06.01.2021, 19:07 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 19:51 Uhr
Mit dem Hundeschlitten gehts für Felicitas Peters durch die tief verschneiten Wälder Finnlands.
Mit dem Hundeschlitten gehts für Felicitas Peters durch die tief verschneiten Wälder Finnlands. Foto: privat

Seit Mitte August lebt die Lüdinghauserin Felicitas Peters in Lappland, der nördlichsten Region in Finnland – rund 2400 Kilometer nördlich von ihrem Heimatort in Deutschland entfernt. Von hier aus berichtet sie der Lüdinghauser Zeitung von ihrem Leben im hohen Norden. Im zweiten Kapitel ihres Reiseberichts beschreibt sie die langen dunklen Nächte im nordischen Winter:

„Nachts machten wir uns auf die Jagd nach Nordlichtern, vorher wurde Sonnenwind, KP-Index und Wolkenabdeckung überprüft. Doch letztendlich braucht es Glück und Geduld, um das Naturphänomen – wissenschaftlich als „Aurora borealis“ bezeichnet – zu sehen. Stundenlang standen wir bei Minusgraden im Wald und hofften auf einen grünen Schimmer am Himmel. Als dieser sich dann tatsächlich einstellte und die Lichter tanzten, war die Kälte vergessen.

Vor dieser Dunkelheit hatte ich mich vor der Abreise ein wenig gefürchtet.

Felicitas Peters

Ende Oktober begann es dann endlich zu schneien, dazu wurde es merklich dunkler. Während wir im August fast 19 Stunden Sonnenlicht am Tag gehabt hatten, waren es im Oktober noch zehn Stunden. Im Dezember schließlich gab es nur noch zweieinhalb Stunden Tageslicht – die so genannte Polarnacht.

Vor dieser Dunkelheit hatte ich mich vor der Abreise ein wenig gefürchtet. Würde meine Stimmung darunter leiden? Würde ich weniger erleben und mehr Zeit drinnen verbringen? Im Herbst hab ich mich noch gewundert, warum so viele Finnen nachts joggen, spazieren gehen oder wandern – warum gehen sie nicht, wenn es hell ist?

Jetzt im Winter verstehe ich es. Man muss seinen inneren Schweinehund überwinden und auch bei Dunkelheit rausgehen, wandern, spazieren und die Natur genießen – denn zwei Stunden Helligkeit täglich reichen bei weitem nicht dafür aus. Außerdem reflektiert der Schnee zwar viel Licht, aber wirklich hell ist es trotzdem nicht. Klaren Himmel hatten wir seit fast einem Monat nicht mehr.

Entsprechend bedrückt ist die Laune auch unter den Austauschstudenten. Umso wichtiger ist es, feste Aktivitäten und Kurztrips zu planen. Rovaniemi bietet sich da als Startpunkt für Lappland-Exkursionen perfekt an. Im Weihnachtsmanndorf, das direkt an der offiziellen Linie des Polarkreises liegt, dreht sich alles nur um ihn: den Mann mit weißem Bart und rotem Mangel. Nicht nur, dass man ihn persönlich besuchen kann – er spricht sogar sehr gut Deutsch – auch seine Elfen und Rentiere Kann man hier antreffen. In normalen Zeiten kommen bis zu 500 000 Touristen jährlich hierher – doch dieses Jahr ist der Weg durch verwinkelte Gassen, vorbei an Geschenkbergen zum Weihnachtsmann leer. Die Pandemie trifft Lappland besonders hart – hier, wo es kaum andere Jobs als den Tourismus gibt. Iglu-Hotels, Husky-Farm, Schneemobil Verleih, Eisbars – alle sind gleichermaßen betroffen.

Dritter und letzter Teil des Reiseberichts folgt.

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