Auslandssemester in Lappland birgt besondere Herausforderungen
100 Wörter für „Schnee“

Lüdinghausen -

Warum Finnen in der Sauna immer ganz oben sitzen und die finnische Sprache eine echte Herausforderung ist, erzählt die Lüdinghauser Studentin Felicitas im letzten Kapitel ihres Reiseberichts..

Samstag, 09.01.2021, 14:00 Uhr aktualisiert: 09.01.2021, 14:21 Uhr
Nur dank der Kurzskier versinkt Studentin Felicitas Peters nicht in der märchenhaften Schneelandschaft von Lappland.
Nur dank der Kurzskier versinkt Studentin Felicitas Peters nicht in der märchenhaften Schneelandschaft von Lappland. Foto: privat

Seit Mitte August lebt die Lüdinghauserin Felicitas Peters in Lappland, der nördlichsten Region in Finnland – rund 2400 Kilometer nördlich von ihrem Heimatort in Deutschland entfernt. Von hier aus berichtet sie der Lüdinghauser Zeitung von ihrem Leben im hohen Norden. Im dritten und letzten Teil schildert sie ihre typisch nordischen Freizeitaktivitäten und wie schwer es ist, die finnische Sprache zu erlernen:

„Für uns Austauschstudenten ist die Situation momentan trotz Corona ideal. Es gibt vergleichsweise nur wenige Einschränkungen und die vielen Angebote der lokalen Veranstalter, die versuchen, in diesem schwierigen Jahr zumindest ein bisschen der Kosten wieder reinzuholen, ermöglichen uns viele Erlebnisse, die in normalen Zeiten wahrscheinliche unbezahlbar wären.

Schlechte Ergebnisse oder sogar ein Durchfallen in Klausuren wird als Chance gesehen.

Felicitas Peters

Und da kann man einiges machen – von Langlauf, Schlittenfahren, Skifahren, Snowboarden, Eishockey bis zu Schneeschuhwandern. Überall in der Stadt gibt es freie Eisflächen. Die ganz Mutigen nehmen nach der Sauna ein Eisbad. Saunen gibt es reichlich in Finnland. Jedes Haus hat mindestens eine und es gibt auch sehr viele öffentliche. Die Finnen mögen es heiß. Holzscheit um Holzscheit wird aufgeschichtet, bis man sich fühlt, als würde man im Ofen selbst sitzen. Doch die Finnen sitzen fröhlich schwatzend in der obersten Ecke.

Natürlich besteht mein Auslandssemester nicht nur aus Sauna, Husky-Schlittenfahrten und Rentiere streicheln – Studieren muss auch sein. Das finnische Lehrsystem unterschiedet sich da erheblich von dem in Deutschland. Vorlesungen werden hier eigentlich nur als Blockveranstaltungen angeboten; heißt: meist eine Woche lang jeden Tag mehrere Stunden Unterricht, und dann wird eine Klausur oder ein Aufsatz geschrieben. Außerdem wird sehr viel mehr Wert auf eigenständiges Arbeiten gelegt.

Schlechte Ergebnisse oder sogar ein Durchfallen in Klausuren wird als Chance gesehen. Man soll aus seinen Fehlern lernen. Für mich als Jura-Studentin, für die die berufliche Zukunft von der Examensnote nach neun Semestern abhängt, war das eine extreme Umstellung. Aber vor allem war es eine Erfrischung.

Ich habe mich auch an der finnischen Sprache versucht – und bin zuerst kläglich gescheitert. Nach meinem ersten Kurs konnte ich zwar die einfachsten Worte, aber hatte nicht richtig den Zugang zur Grammatik gefunden. Jetzt in meinem zweiten Anfänger-Kurs läuft es schon viel besser. Ich verstehe viel mehr und bin stolz, wenn ich im Supermarkt an der Kasse schon den Endpreis verstehe. Aber von flüssigen Sprechen und Verstehen bin ich noch weit entfernt. Also lerne ich fleißig die 16 Fälle, die Verbtypen und die 100 verschiedenen Wörter für „Schnee“.

Ein wenig traurig werde sein, wenn ich auf der Fähre einen letzten Blick auf Helsinki werfen und meinen Mundschutz wieder hervorkramen werde. Finnland hat mich in seinen Bann gezogen. Und ich bin mir sicher, dass das nicht mein letztes Mal dort war.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7757594?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F
Nachrichten-Ticker