Jörg Terjung schließt das Café Reitstall vorübergehend
Von den Auflagen mürbe gemacht

Lüdinghausen -

Jörg Terjung hat das Café Reitstall an der Burg Vischering vorübergehend geschlossen – wegen der schwierigen Umsetzung der Corona-Auflagen für den Außer-Haus-Verkauf. „Ich habe schon schlaflose Nächte, weil ich nicht mehr weiß, wie ich damit umgehen soll“, sagt der Bäcker und Konditor.

Mittwoch, 07.04.2021, 06:00 Uhr
Das Café Reitstall an der Burg Vischering ist geschlossen. Inhaber Jörg Terjung weiß nicht mehr, wie er an diesem Standort mit den Auflagen umgehen soll – daher gibt es dort vorerst auch keinen Außer-Haus-Verkauf mehr.
Das Café Reitstall an der Burg Vischering ist geschlossen. Inhaber Jörg Terjung weiß nicht mehr, wie er an diesem Standort mit den Auflagen umgehen soll – daher gibt es dort vorerst auch keinen Außer-Haus-Verkauf mehr. Foto: Peter Werth

Wer sich auf seinem Spaziergang rund um die Burg Vischering gerne vor Ort mit einem Snack oder Getränk versorgt, steht nun vor verschlossener Tür – vorerst jedenfalls. Denn das Café Reitstall, in dem es im Corona-Lockdown bislang immer noch an den Wochenenden einen Außer-Haus-Verkauf gab, ist seit Ostermontag geschlossen. Jörg Terjung hat die Nase voll von den Auflagen, die einen Verzehr im Innenhof der Burg und auch ein Verweilen auf der Mauer verbieten. Ständig habe er Kunden verweisen müssen, immer wieder habe das Ordnungsamt kontrolliert. „Das ist mir einfach zu viel geworden“, sagt der Bäcker und Konditor. „Ich habe schon schlaflose Nächte, weil ich nicht mehr weiß, wie ich damit umgehen soll.“ Nachdem am Freitagnachmittag noch eine E-Mail vom Kreis Coesfeld mit Hinweis auf eben diese Regeln kam, zog er nun den vorläufigen Schlussstrich.

Ich habe schon schlaflose Nächte, weil ich nicht mehr weiß, wie ich damit umgehen soll.

Jörg Terjung

Es war für Terjung der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat – eine schriftliche Erinnerung daran, dass im Außer-Haus-Verkauf erworbene Speisen und Getränke in einem 50-Meter-Umkreis um den gastronomischen Betrieb nicht verzehrt werden dürfen. „Das betrifft in diesem Fall den gesamten Innenhof“, betont er. „Der hat nun mal einen Durchmesser von etwa 49 Metern.“

In der E-Mail vom Kreis heißt es dazu: „Obwohl Sie die Holzbänke wie besprochen gestapelt haben, suchen sich die Gäste offenbar sonstige Aufenthaltsmöglichkeiten (zum Beispiel auf der Mauer). Letztlich können Sie beziehungsweise Ihre Beschäftigten einen vorsätzlichen Verstoß der Kunden gegen die Corona-Bestimmungen natürlich nicht verhindern. Dennoch möchte ich Sie schon in Ihrem eigenen Interesse bitten, Ihre Beschäftigten dazu anzuhalten, die Kunden soweit wie möglich auf die Bestimmungen hinzuweisen.“ Auch erinnert der Kreis in seinem Schreiben an das Verbot der Ausgabe von Tabletts und weist auf ein drohendes Bußgeld oder sogar weitergehende Anordnungen hin.

„Wir müssen da erwachsene Leute belehren und ihnen die Auflagen erklären“, beschreibt Terjung eine Situation, mit der er und seine Mitarbeiter schon seit fast einem Jahr zu kämpfen haben. Das tue mitunter auch weh, wie er berichtet. „Wenn man einem Rentner oder einem Gehbehinderten sagen muss, dass er sich nicht mal kurz hinsetzen darf, ist das nicht schön.“

Wir müssen da erwachsene Leute belehren und ihnen die Auflagen erklären.

Jörg Terjung

Für das Café Reitstall hat der Konditormeister daher beschlossen: „Unter diesen Bedingungen geht es nicht mehr.“ Ohnehin seien die Einnahmen an diesem Standort in der aktuellen Situation auch bei geöffnetem Museum viel zu gering. Terjung spricht von einem Minus-Geschäft: „Die Umsätze sind so niedrig, dass ich das Personal davon nicht mal bezahlen kann.“

Es sei aber vor allem der Druck, der den Inhaber mürbe gemacht habe. Er fühle sich in die Ecke gedrängt. Viel besser als Verbote fände er Öffnungsstrategien – auch im Sinne seiner Mitarbeiter. „Ich habe 40 Leute hinter mir. Da habe ich eine Verantwortung, auch für die Familien“, betont Terjung, der außerdem das Café Terjung an der Steverstraße, den Kleinen Terjung an der Tüllinghofer Straße und das Backwiärk in der Innenstadt betreibt sowie auf Wochenmärkten vertreten ist, und hofft auf das Verständnis der Lüdinghauser für die vorübergehende Schließung.

Wie der Kreis Coesfeld auf WN-Anfrage mitteilt, bedauere er die Entscheidung. In der E-Mail sei lediglich auf die zu beachtende Coronaschutzverordnung und darauf hingewiesen worden, dass mit Kontrollen zu rechnen sei und bei Zuwiderhandlungen ein Bußgeld drohe. In der schriftlichen Stellungnahme heißt es außerdem: „Sofern der Betreiber des Cafés die Hinweise auf Vorschriften zum Infektionsschutz zum Anlass nimmt, den Betrieb vorübergehend einzustellen, handelt es sich um seine unternehmerische Entscheidung, die man lediglich zur Kenntnis nehmen kann.“

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