Unterlagen der Franziskanerinnen von Lüdinghausen sortiert
3400 Titel gesichtet

Lüdinghausen -

50 laufende Regalmeter im Bistumsarchiv in Münster sind nun mit den gut sortierten Unterlagen der Franziskanerinnen von Lüdinghausen befüllt. Zwei Jahre lang ist Anna Krabbe eingetaucht in die Welt des Ordens. Dabei hat sie viel Spannendes entdeckt.

Freitag, 23.04.2021, 18:52 Uhr aktualisiert: 23.04.2021, 19:01 Uhr
Anna Krabbe (rechts) blättert gemeinsam mit Schwester Gertrud Winnemöller durch einen Band des Findbuchs, in dem die Unterlagen des Archivs aufgelistet sind.
Anna Krabbe (rechts) blättert gemeinsam mit Schwester Gertrud Winnemöller durch einen Band des Findbuchs, in dem die Unterlagen des Archivs aufgelistet sind. Foto: Bischöfliche Pressestelle

Gut sortiert und für die Ewigkeit bearbeitet füllen die Unterlagen der Franziskanerinnen von Lüdinghausen jetzt rund 50 laufende Regalmeter im Bistumsarchiv in Münster. In den vergangenen zwei Jahren hat Anna Krabbe die zirka 3400 Titel – bestehend aus Akten, Büchern, Urkunden und Plänen – gesichtet, gelesen, erfasst, bearbeitet und sortiert, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Das waren mehrere Autos voll mit Umzugskisten, die von Schwester Gertrud Winnemöller sehr gut vorsortiert waren“, blickt die 35-Jährige zurück.

In einer kleinen Feierstunde hat Krabbe gemeinsam mit Dr. Heinz Mestrup, Leiter des Bistumsarchivs, den Franziskanerinnen ein zweibändiges Findbuch, also eine Übersicht über das Archivgut, überreicht. „Wir haben unser Archiv abgegeben, damit die Menschen damit arbeiten können. Wir möchten, dass unsere Geschichte zugänglich bleibt“, erklärt Schwester Katharina Kluitmann den Hintergrund. Die Provinzoberin ist glücklich über die Möglichkeiten, die sich jetzt im Bistumsarchiv bieten, und dankbar für die Unterstützung des Bistums. „Das ist auch ein Beitrag zur Frauenforschung. Die Zusammenarbeit war sehr gut“, lobt sie mit Blick auf Krabbe. Auch Schwester Gertrud, die in den vergangenen 21 Jahren das Archiv geführt hat, ist bei der Übergabe sichtlich beeindruckt. „Ich hätte nicht gedacht, dass es soviel ist“, sagt die 85-Jährige beim Blättern.

Bistumsarchiv bietet ganz neue Möglichkeiten

Zwei Jahre lang ist Krabbe eingetaucht in die Welt des Ordens, in Unterlagen, die sowohl das religiöse als auch das wirtschaftliche Leben dokumentieren. „Ich hatte jedes Blatt in der Hand, habe es von den Heftklammern befreit. Das ist wichtig, denn das Eisen rostet und zerstört im Laufe der Zeit die Dokumente“, berichtet die promovierte Historikerin. Knapp 40 Prozent der Unterlagen habe sie gelesen.

Alles, was ihr für den Orden wichtig erschien, hat sie in einem Computerprogramm nach einem logischen Schema aufgelistet, damit es später wiedergefunden werden kann: Verwaltungsakten, Chroniken, Baupläne, Rechnungen, Urkunden, Bücher über Niederlassungen, Reisen, Bräuche oder Andachten und vieles mehr aus der Zeit von 1801 bis 2019. „Das komplette Leben der Ordensfrauen spiegelt sich darin wieder. Alles ist nun in säurefreiem Material verpackt, sodass es die nächsten Jahrhunderte überstehen kann“, sagt Krabbe, die in Münster, Oxford und im italienischen Perugia studiert hat.

Orden der Franziskanerinnen als spannendes Forschungsfeld

Bei der Sichtung der Unterlagen habe sie immer wieder begeistert, wie sich der Orden gewandelt habe und mit der Zeit gegangen sei. „Sie haben in der Welt gelebt. Davon zeugen beispielsweise verschiedene Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz.“ Ihr seien die Schwestern in den vergangenen zwei Jahren ans Herz gewachsen. „Sie haben sich gewandelt und sind gleichzeitig ihrem Auftrag treu geblieben. Es sind Frauen, die selbstbewusst in die Welt gegangen sind. Sie haben ihre Berufung und ihren Beruf ausgeübt. Sie zeigen, dass ein Leben für Gott und für die Menschen Hand in Hand gehen kann“, ist Krabbe begeistert.

Die Franziskanerinnen hätten sich beispielsweise in der Versorgung von verwundeten Soldaten engagiert, aber auch gekämpft, als die Nationalsozialisten ihre Schule schließen wollten. Je tiefer sie in die Unterlagen eingetaucht sei, desto spannender seien die Geschichten. „Man ist dabei. Das ist ein spannendes Forschungsfeld“, ist Krabbe überzeugt.

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