Nottuln
Aus dem Müll gefischt

Dienstag, 04.09.2007, 16:09 Uhr

Nottuln . Einem Hinweis folgend, machte sich die Nottulnerin Eleonore Müller im Jahre 1997 auf den Weg nach Gievenbeck . Dort stand vor dem Gescherweg 19 ein Abfallcontainer einer Entrümpelungsfirma. Es war ein regnerischer Tag und es bot sich ein Bild des Jammers. Im Container sowie davor befanden sich zwischen allerlei Hausrat verzogene, bemalte Leinwände, von der Nässe verdorbene Gouachen, von denen die Farbe rann, aufgequollene Gemälde sowie aufgeweichte und zerstörte Aquarelle.

Es handelte sich um die Wohnungsräumung von Klaus Franck , der nach Havixbeck in ein Altenheim gezogen war, wo er im Juli 2005 verstarb. Zwölf Jahre hatte er in Gievenbeck gelebt und gearbeitet. 1932 in Bremen geboren, war Klaus Franck im Jahre 1961 nach Münster gezogen, wo er an verschiedenen Adressen gewohnt hatte, zuletzt im Gescherweg.

Dort wühlten also einige Leute in Papierstapeln und Büchern und fischten Aufbewahrungs-Mappen und Ordner aus dem Container. Eleonore Müller rettete ebenfalls ein paar Mappen und fand darin wunderschöne, filigran gearbeitete Radierungen und Linoldrucke sowie Zeitungsausschnitte mit Einzelheiten über Leben, Ausstellungen und Werk Francks.

Beim Betrachten der Arbeiten des Künstlers hatte Eleonore Müller sofort das Gefühl, einen Schatz gefunden zu haben. Das ist nun zehn Jahre her und die Werke sowie das Schicksal Francks lassen ihr keine Ruhe. Recherchen ergaben, dass beide in den siebziger Jahren denselben Arbeitgeber gehabt hatten: Die Hansa Luftbild AG. Dort war Franck als Berufsfotograf beschäftigt gewesen. Danach arbeitete er am Psychologischen Institut der Westfälischen Wilhelmsuniversität.

Als Maler sei er Autodidakt gewesen. Seine Arbeiten haben etwas Halluzinatorisches, seien voll tiefer, stiller Melancholie. Seine Welt des Dunklen zeige sich ungeheuer lebendig und vielschichtig, so ein Bericht der Westfälischen Nachrichten aus dem Oktober 1973. Die „Arts Review“ schreibt 1971 anlässlich einer Ausstellung in einer kleinen Galerie in der Oxford Street in London: „Klaus Franck ist ein junger Deutscher, dessen kleine surrealistischen Bilder auf eine schmerzhafte Weise faszinieren.“

Von den Blättern, die das Ehepaar Eleonore und Dr. Gunter Müller in Besitz haben, geht ein magischer Sog aus. Gern würde das Ehepaar Müller weitere Werke von Klaus Franck sehen. Vielleicht, so hoffen sie, ist es möglich, seine Bilder zusammenzutragen, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wer weiß etwas über den Verbleib seiner Arbeiten? Wo finden sich Spuren seines Schaffens? Hinweise sind willkommen. E-Mail-Kontakt:

|gunter.elli.mueller@

t-online.de

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