Nottuln
Steverquellen entzücken Biologen: Seltene Tierart entdeckt

Freitag, 14.12.2007, 19:12 Uhr

Nottuln . Sektkorken hörte man zwar nicht knallen, aber gefreut hat man sich schon in der Kreisverwaltung. Fanden doch die Bemühungen der Umweltabteilung in Sachen Gewässer-Verbesserung nun eine positive Bestätigung. Denn bei routinemäßigen Untersuchungen der Fließgewässer im Kreisgebiet wurden zwei bemerkenswerte Tierarten entdeckt: eine vom Aussterben bedrohte Köcherfliege in den Nottulner Steverquellen und ein seltener Fisch der Gattung Steinbeißer im Davensberger Emmerbach.

Und diese neuen Erkenntnisse konnten auch direkt zwei wichtigen Kooperationspartnern bei ihrem Besuch in dieser Woche in Coesfeld mitgeteilt werden: Prof. Dr. Wilhelm G. Coldewey und Dozentin Dr. Patricia Göbel von der Westfälischen-Wilhelms-Universität kamen ins Kreishaus, um mit der Kreisverwaltung einen gemeinsamen Beitrag für die große UN-Konferenz zur Artenvielfalt vorzubereiten, die im Mai 2008 in Bonn stattfindet und vom Land NRW ausgerichtet wird.

Im Vorfeld dieser Konferenz tritt das Land der Kampagne „Countdown 2010“ bei, um damit das Grundanliegen der Konferenz zu unterstützen, die biologische Vielfalt zu fördern. Das Land hatte für dieses „Bündnis für die Natur“ Partner gesucht, die ihrerseits konkrete Projekte zur Förderung der Artenvielfalt beisteuern. Bereits über 50 Projekte sind so zusammengekommen. Die feierliche Unterzeichnung der Verpflichtungserklärung fand auch unter Beteiligung des Kreises Coesfeld und der Universität Münster am 29. November 2007 in Recklinghausen statt.

Der Kreis Coesfeld hat für das „Bündnis“ gemeinsam mit der Uni Münster das Projekt „Quellen in den Baumbergen – Erhaltung, Erforschung und Entwicklung der Quellen im Natur- und Erlebnisraum der Baumberge“ gemeldet. Die Umweltabteilung des Kreises arbeitet mit Studierenden und Lehrenden des von Prof. Coldewey geleiteten Geologisch-Paläontologischen Instituts und in Kooperation mit dem Institut für Evolution und Biodiversität daran.

Die aktuelle (Wieder-)Entdeckung der beiden Tierarten kam dabei „wie bestellt“ und wirkte wie „ein kleines Einstandsgeschenk für die UN-Konferenz“, bemerkte Dr. Hans-Gerd Foppe (Nottuln), Leiter der Umweltabteilung der Kreisverwaltung, mit einem Schmunzeln. Und sie ist eine echte Sensation für Fachleute: An der Quelle der Stever in der Nottulner Bauerschaft Uphoven wurden Larven der Köcherfliege mit dem lateinischen Namen „Drusus trifidus“ gefunden, die zuletzt im Jahr 1932 von dem bekannten Baumberge-Forscher Helmut Beyer beschrieben wurde. Sie gelten als stark gefährdet und kommen nur in Quellgewässern vor.

Freude auch in Ascheberg-Davensberg: Wäre der dortige Emmerbach nicht längst zum europäischen Schutzgebiet erklärt worden, dann böte sich jetzt eine gute Gelegenheit. Denn in der Nähe des „Dreiländerecks“, wo sich die Gebietsgrenzen der Kreise Warendorf und Coesfeld sowie der Stadt Münster treffen, wurde im Bach ein Exemplar des Steinbeißers (Cobitis taenia) gefunden, eine Grundfischart, die bundesweit ebenfalls als stark gefährdet eingestuft wird und europaweit geschützt ist. „Die Rückkehr der beiden Tierarten dokumentiert die Qualitätsverbesserung der Gewässer im Kreisgebiet“, betont der Kreis Coesfeld in einer Pressemitteilung.

Entdeckungen wie diese beflügeln den Forschergeist: Im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes werden in mehreren Diplomarbeiten die Baumberge-Quellen aus verschiedenen wissenschaftlichen Blickwinkeln (Geohydrologie/Hydrogeologie, Hydrochemie, Wassermengenhaushalt, Ökologie, Limnologie, Naturschutz, Kulturgeschichte/Touristik und Umweltpädagogik) unter der Leitung von Dr. Patricia Göbel fachübergreifend betrachtet. Begleitet werden die Arbeiten durch ein interdisziplinäres Team bestehend aus Vertretern der Bezirksregierung, der Naturförderstation Coesfeld, des Westfälischen Landesmuseums für Naturkunde, des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, des Baumbergevereins, des Westfälischen Heimatbundes und lokalen Heimatvereinen.

Es können sich aber noch weitere Akteure einbringen: „Das Team ist offen“, betonte Prof. Coldewey. „Wer sich mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen beteiligen möchte, ist herzlich willkommen.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/570493?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F698324%2F698325%2F
Besser an der Mensa parken
Rund um das Universitätsklinikum ist es alles andere als einfach, einen Parkplatz zu finden. Mehr als 10 000 Beschäftigte und Tausende Besucher steuern dass UKM täglich an.
Nachrichten-Ticker