Nottuln
Die Zweifel bleiben

Dienstag, 11.03.2008, 23:03 Uhr

Nottuln . Erpressung ? Begünstigung? Am zweiten Tag des Erörterungstermins zum Nottulner Umgehungsstraßenprojekt brachten Gegner der Nordumgehung massiv ihren Protest vor. Da warf ein Bürger dem früheren Leiter der Straßenbauverwaltung vor, seinerzeit die Gemeinde erpresst zu haben: Entweder die Nordumgehung oder gar keine. Und für einen anderen Bürger war klar: Die Straßenbaubehörde habe nur deshalb die Nordumgehung vorgeschlagen, weil bei einer Südumgehung ein Großteil der Ratsmitglieder betroffen gewesen sei. Und dann hätte man keine Zustimmung der Gemeinde bekommen.

Keine Frage, im großen Saal des Appelhülsener Bürgerzentrums wurde am Dienstag auch Vergangenheitsbewältigung von den zeitweise bis zu 60 anwesenden Bürgern betrieben. Was Verkehrsdezernent Ulrich Michael (Bezirksregierung), der das Erörterungsverfahren leitet, zu der Aussage veranlasste: „Wir sind hier kein Untersuchungsausschuss.“

Dass am Nachmittag der Protest der Bürger so deutlich und massiv wurde, war nach dem Verlauf des Vormittags nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Fast bis zur Mittagszeit dauerte es, bis die Informationen über den Verfahrensablauf und den aktuellen Sachstand gegeben worden waren. Erst danach konnte die eigentliche inhaltliche Debatte beginnen, die allerdings immer wieder unterbrochen wurde, weil für das Protokoll Rede und Gegenrede formuliert werden mussten. Ein ermüdendes Verfahren.

Deutlich wurde: Bei den betroffenen Bürgern bestehen nach wie vor grundsätzliche Zweifel an der Notwendigkeit einer Umgehung, an der gewählten Linienführung, an den Untersuchungsergebnissen zu Wasserwerk und Umwelt sowie an den Prognosen zur Verkehrsentwicklung. Deshalb blieb es am Dienstag auch bei den gegensätzlichen Meinungen, die nun das zuständige Ministerium für den Planfeststellungsbeschluss abwägen muss. Dass dieser Beschluss danach vor dem Oberverwaltungsgericht beklagt werden wird, daran ließen einzelne Bürger keinen Zweifel.

Ein Themenschwerpunkt war natürlich der Schutz des Trinkwassers. Ein Beispiel: Ein Bürger wies darauf hin, dass an der Stelle, wo das Straßenwasser dem Nonnenbach zugeführt wird, ein Absenkungstrichter festgestellt worden sei, es also eine Verbindung zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser gebe und von daher das Risiko einer Grundwasserverunreinigung bestehe. Prof. Dr. Lange, der das hydro-geologische Gutachten erstellt hatte, räumte zwar ein, dieses Gebiet nicht untersucht zu haben, er hält aber das Risiko für sehr gering. Das Straßenwasser werde „weitgehend“ gereinigt in den Nonnenbach geleitet. Das Risiko, dass Wasser in den Untergrund ziehe, sei sehr gering, denn das Straßenwasser falle nur bei Regen an und fließe dann auch ab.

Eine längere Diskussion gab es auch zu den Verkehrsprognosen, deren korrekte Ermittlung bezweifelt wird. So beklagten die Bürger, dass ihrer Meinung nach der Entlastungseffekt nicht plausibel begründet werde, weil schon jetzt durch den Neubau anderer Straßen (Umgehung Lette) es weniger Verkehr gebe. Ein weiterer Kritikpunkt der Bürger: Die neue Umgehungsstraße wird erst recht wieder Verkehr, auch Mautflüchtlinge, anziehen und zu einer Rückverlagerung der Verkehrsströme führen. Alle Zahlen wiesen darauf hin, dass der Verkehr um 3500 bis 5000 Fahrzeuge zunehmen werde, meinte ein Bürger. Mit Hinweis auf das komplizierte Berechnungsverfahren im Verkehrsgutachten wollte sich die Straßenbaubehörde zu dieser Zahl nicht äußern, aber man stimmte grundsätzlich zu: Der Verkehr in der Ortsdurchfahrt und auf der Umgehung werde insgesamt höher liegen als heute.

Diskutiert wurde am Dienstag auch über die Auswirkungen auf die Natur oder über die Eingriffe in den Freizeit- und Erholungsraum. Die gegensätzlichen Meinungen wurden im Protokoll festgehalten, das Protokoll selbst wird allen Beteiligten zugesandt.

Die Straßenbaubehörde schätzt, dass es ungefähr ein Jahr dauern wird, bis die Ergebnisse dieses Erörterungsverfahrens bearbeitet sind und ein Planfeststellungsbeschluss vorliegen wird.

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