Nottuln
Narowlja-Hilfe: Große Fortschritte in der Kinderstation

Dienstag, 28.10.2008, 09:10 Uhr

Nottuln - Gesund und munter kehrte die 17-köpfige Reisegruppe des Vereins „Hilfe für Narowlja “ von ihrer neuntägigen Weißrusslandreise zurück. Im Gepäck vielfältige Eindrücke und Erinnerungen an eine erlebnisreiche Fahrt.

Die Hinreise gestaltete sich schwieriger als zunächst vermutet: Der mitgeführte Ford Transit, der dem Selbsthilfeverein der Dialyse-Patienten „Nephron“ in Gomel übergeben wurde, sorgte für erhebliche Schwierigkeiten, sowohl auf polnischer wie auch auf weißrussischer Seite des Grenzübergangs in Terespol. „Ohne die Russischkenntnisse der Nottulnerin Elena Volpert hätte sich die ganze Situation noch schwieriger gestaltet“, berichtet der Verein in einer Pressemitteilung.

Große Erleichterung herrschte bei allen Mitreisenden, als nach 19 Stunden Grenzaufenthalt der Bus und der Ford Transit über die weißrussische Grenze rollte. So traf die Gruppe nach 49 Stunden Reisezeit in Narowlja ein und wurde mit großer Freude von den gastgebenden Familien gegrüßt. Ein großes Hallo gab es auch nachmittags beim Grillfest, zu dem die Gastkinder der vergangenen Jahre und ihre Familien eingeladen waren. Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten sehr groß, und so wurden schnell viele Einladungen für die nächsten Tage verabredet.

Montags wurde in Gomel die augenärztliche Kinderstation und die Dialysestation in der Klinik Nr. 2 besucht. Den Besuchern, die die Kinderstation bereits vor zwei Jahren gesehen hatten, bot sich ein völlig anderes Bild: Durchrenovierte Zimmer und Flure, neues Mobiliar im Speiseraum und ein helles Spielzimmer vermittelten einen durchweg guten Eindruck.

Der anschließende Besuch beim Orden der Barmherzigkeit und Nächstenliebe, der von Mutter Teresa gegründet wurde, stand unter einem guten Stern: eine deutsche Ordensschwester stand der Gruppe Rede und Antwort.

Die nächsten Tage besuchte die Reisegruppe Schulen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen in Narowlja und Umgebung. Es wurden unter anderem die beiden Therapiezentren besucht. Beeindruckt waren die Reiseteilnehmer von dem Therapiezentrum, das seit vielen Jahren von Natascha Beleitschuk geleitet und vom Verein Hilfe für Narowlja seit Jahren unterstützt wird.

Aus dem Gebiet Narowlja kommen die therapiebedürftigen Kinder in dieses Zentrum und bekommen hier Sonderschulunterricht und entsprechende Therapie. Weitere 20 Kinder werden auf den Dörfer in den Schulen zwecks Fördertherapie von den mitarbeitenden Sozialpädagoginnen und der Logopädin besucht. Mit einem Riesenapplaus wurden die Schüler bedacht, die trotz ihrer Handicaps vor der fremden Besuchergruppe ein Herbstgedicht vortrugen und ein kleines Lied sangen. Man spürte sehr deutlich das vertraute Verhältnis zwischen den Schülern und den jungen motivierten Mitarbeiterinnen. Eine Spontankollekte erbrachte ein erkleckliches Sümmchen, mit der diese wichtige und fruchtbare Arbeit unterstützt werden soll.

Ein weiterer Höhepunkt der Reise war die Teilnahme an der russisch-orthodoxen Taufe des fast zweijährigen Jegors, sollte doch Heike Seidel-Hölscher seine Taufpatin werden.

Der russisch-orthodoxe Pope ließ die deutschen Frauen wissen, dass sie während der Taufzeremonie sowohl Röcke als auch Kopftücher zu tragen hätten. Freundliche Leihgaben der Gastmütter machten dies möglich.

In der Kirche herrschten deutlich kühlere Temperaturen als draußen. Nichtsdestotrotz wurden dem kleinen Täufling Jacke und Mütze, Schuhe und Socken ausgezogen. Nach einer Stunde war der Gottesdienst beendet, der Täufling hat nur geweint und war deutlich unterkühlt. Als seine deutsche Patentante ein Gebet und Segensworte für ihn sprach, konnte das erschöpfte Kind endlich einschlafen. Die anschließende Tauffeier in der Familie in dem kleinen Dorf Werbawitschi, zu der Heike Seidel-Hölscher und ihr Sohn Moritz eingeladen waren, hat Jegor dann auch komplett verschlafen. Während die einen noch feierten, fuhr der Großteil der Reisegruppe weiter über die Dörfer, um ehemalige Gastkinder in ihren Familien und auch im Kinderheim in Budki zu besuchen.

„Die Reise war wieder einmal geprägt von vielen herzlichen Begegnungen und Erlebnissen, die man so schnell nicht vergisst“, zieht Marlies Wolanewitz-Janning vom Verein Hilfe für Narowlja ein positives Fazit.

Und der 14-jährige Moritz antwortet auf die Frage, ob er denn wieder mit nach Belarus reisen würde: „Mit dieser tollen Truppe sofort.“

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