Nottuln
Kehren Heilige zurück?

Sonntag, 31.10.2010, 11:10 Uhr

Nottuln - Die Gespräche über die laufende Bestandssanierung der Pfarrkirche St. Martinus werden um ein neues Detail bereichert. Kurz vor dem Start der Hilfsaktion „Wir retten St. Martinus“ macht sich der frühere Nottulner Gemeindedirektor Joseph Moehlen dafür stark, im Zuge der Turmsanierung auch vier fehlende Heiligenfiguren wieder an ihren alten Platz zu bringen. Ein Vorschlag, der bei Heimatforscher Hans-Peter Boer sofort auf uneingeschränkte Zustimmung stößt. „Diese Initiative kann man aus kulturhistorischer Sicht nur begrüßen“, sagt Boer.

Worum geht es: Wer am Turm von St. Martinus emporblickt, wird in Höhe des Zifferblattes der Turmuhr an den Turmkanten Postamente und darüber Ziergiebel entdecken. Auf diesen Postamenten, eines an jeder Ecke, standen früher Heiligenfiguren. Hans-Peter Boer erinnert sich, dass im Zuge von Renovierungsarbeiten im Jahre 1964 die Figuren abgenommen wurden und dann verloren gingen. „Leider wurden damals die Figuren nicht dokumentiert“, bedauert Boer. Es gebe aber alte Turmfotos, auf denen die Figuren teilweise sichtbar seien. Mit Sicherheit, so Boer, habe es sich um den Heiligen Liudger und um den Heiligen Martin gehandelt. Die beiden anderen Figuren seien wahrscheinlich der Heiligen Anna und der Heiligen Maria gewidmet gewesen.

In der Vergangenheit hat es bereits zweimal Initiativen zur Rückkehr der Figuren gegeben. „Einmal gab es sogar einen fertigen Entwurf des Künstlers Breilmann“, berichtet Boer. Doch alle Bemühungen scheiterten. Wenn es jetzt gelänge, die Figuren wieder aufzustellen, würde das die Kirche endlich komplettieren, betont Boer.

In Briefen an die Kirchengemeinde und an die politische Gemeinde regt Joseph Moehlen eben diese Rückkehr der Heiligenfiguren an. Der frühere Gemeindedirektor erinnert daran, dass bei der Ortskernsanierung (1974 bis 1982) die Gemeinde stets darauf geachtet habe, die Pfarrkirche („das wichtigste Element im Erscheinungsbild des Ortskerns“) mit in das Sanierungsprojekt einzubinden. Joseph Moehlen: „Das geschah durch die Herrichtung des Kirchplatzes, die Zuweisung eines hohen Geldbetrages für den Stiftsplatz.“

Noch heute bedauert Möhlen, dass Angebote der politischen Gemeinde, eine Umrüstung des Kirchendaches auf Kupfer zu finanzieren damals von der Kirchengemeinde nicht angenommen wurden. Auch dem mehrmaligen Angebot, sich an den Kosten für die Rückkehr der Heiligenfiguren zu beteiligen oder die Kosten sogar komplett zu übernehmen, sei man nicht gefolgt.

Die nun geplante Turmsanierung müsse Anlass sein, „dem Erscheinungsbild des so schönen Turmes seinen alten Glanz wiederzugeben“. Um die Kosten in Grenzen zu halten, schlägt Möhlen keine Figuren aus handgemeißeltem Naturstein vor, sondern einen Nachguss mit kostengünstigeren Materialien.

Ob die Rückkehr der Heiligen wirklich zu einem Thema des Sanierungsprojektes wird, ist offen. Schon jetzt hat die Kirchengemeinde gewaltige Anstrengungen vor sich, um ihren Eigenanteil zusammenzubekommen.

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