Nottuln
Pädagogin stimmt Politiker um

Samstag, 27.11.2010, 15:11 Uhr

Nottuln - Rena Brummerloh ist Sonderpädagogin an der Martinus-Grundschule. Am Dienstagabend saß sie ganz hinter im großen Saal der von Aschebergschen Kurie, in dem der Familienausschuss tagte, und verfolgte die Diskussionen. Als der Tagesordnungspunkt „Antrag der St.-Martinus-Grundschule auf die Übernahme des Personalkosten für einen Integrationshelfer“ aufgerufen wurde, erteilte ihr Ausschussvorsitzender Heinz Rütering das Wort. Das Recht zu reden, das haben in den Ausschusssitzungen der Gemeinde Nottuln im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen alle Bürger - vollkommen unbürokratisch bekommen sie es.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist wohl der flammenden Rede von Rena Brummerloh zu verdanken, dass die Gemeinde Nottuln auch 2011 einen der drei Integrationshelfer an der Martinus-Grundschule finanzieren wird - als freiwillige Leistung. Eigentlich müsste der Kreis Coesfeld zahlen.

Zum Hintergrund: Wenn mindestens ein körperlich, geistig oder seelisch behindertes Kind in einer Klasse ist, gibt es vom Kreis Gelder für einen Integrationshelfer. Er - oder sie - geht zum Beispiel mit dem gehandicapten Kind zur Toilette oder hilft ihm beim Anziehen oder dabei, das richtige Buch aus der Tasche zu holen. Doch ab welcher seelischen Behinderung hat ein Kind Anspruch auf einen Integrationshelfer? Oder: Was ist, wenn Eltern trotz eindringlicher Bitten der Schule keinen Integrationshelfer für ihr Kind beantragen? Diese Fragen warf Rena Brummerloh auf - und löste eine lebhafte Diskussion aus.

Sie schilderte, dass es „stark verhaltensauffällige Kinder“ gebe, für die ein Integrationshelfer genauso wichtig sei wie für ein behindertes Kind. Doch Geld vom Kreis fließe nicht. Es gab anfangs durchaus Kopfschütteln im Ausschuss und die geäußerte Meinung, dass die Gemeinde Nottuln nicht verantwortlich gemacht werden und zahlen könne, wenn Eltern nicht richtig reagierten, wenn Land und Kreis ihren Aufgaben nicht nachkämen. „Doch wenn die Gemeinde die Lasten nicht trägt, muss es die Schule tun - und dann tragen sie die Kinder“ - so die Schlussfolgerung, die alle nachdenklich machte.

Kopfzerbrechen bereitete einigen Politikern auch das Thema Gerechtigkeit: Wenn die Martinusschule Geld bekomme für einen Integrationshelfer, hätten auch alle anderen Schulen Anspruch darauf. „Wenn andere Anträge kommen, müssen wir uns damit beschäftigen“, brachte es Sigrid Bürger (Bündnis 90/die Grünen) schließlich auf den Punkt, die zu Beginn der Debatte genau davor gewarnt hatte. Doch Rena Brummerloh überzeugt auch sie. Drei Integrationshelfer gibt es an der Martinus-Grundschule. Einen finanziert nach Angabe von Rena Brummerloh der Kreis, eine Stelle wird durch Spenden ermöglicht, die dritte bezahlt die Gemeinde Nottuln. Das wird sie auch 2011 tun. 6300 Euro stellten die Ausschussmitglieder für 2011 in den Haushalt; der Betrag im Haushalt 2010 wurde um 1500 auf ebenfalls 6300 Euro erhöht - bei einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen und als freiwillige Leistung.

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