Nottuln
650 Kinder kamen nach Nottuln

Mittwoch, 28.12.2011, 17:51 Uhr

Nottuln / Narowlja - Seit der Gründung des Vereins „Hilfe für Narowlja/Tschernobyl“ 1992 sind zu den Ferienfreizeiten 650 Kinder nach Nottuln gekommen. Grob geschätzt, gibt es im Münsterland etwa 15 Tschernobyl-Initiativen, die vergleichbar lange tätig sind. Sicherlich ist es nicht zu niedrig angesetzt, davon auszugehen, dass es bundesweit mindestens 100 Initiativen gibt.

Die Zahl der Kinder, die aus der verstrahlten Region in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland waren, bewegt sich bei mehr als 700 000. Aber nicht nur Deutschland, sondern ebenso beispielsweise Belgien, Irland, Frankreich, Italien, Amerika und Kuba haben für die Kinder von Tschernobyl und Umgebung mehrwöchige Ferienfreizeiten organisiert. So dass davon ausgegangen werden kann, dass aus den verstrahlten Regionen aus den meisten Familien mindestens ein Kind zur Erholung im Westen war.

Von 1992 bis 2007 führte der Verein „Hilfe für Narowlja/Tschernobyl“ jährliche Hilfstransporte durch mit durchschnittlich zehn Tonnen Hilfsgütern wie Lebensmitteln, Kleidung, sanitärer Ausstattung, Schulbedarf, medizinischen Geräten und Wasseraufbereitungsanlagen.

Bei einem der ersten Hilfstransporte, bei dem auch Bekleidung und Decken verteilt wurden, kam es zu einem großen Missverständnis. Allzu eifrige Helfer hatten auch die Jacke eines ihrer Mitreisenden - inklusive Bargeld und Reisepass - abgegeben. Glücklicherweise konnte das Versehen schnell geklärt werden, so dass es unter der Rubrik „Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint“ in die Vereinschronik eingegangen ist.

Auf der Abschiedstour nach Narowlja wurden folgende Einrichtungen mit Geldspenden bedacht: Chefarzt Oleg Kornewitsch , der in Gomel erfolgreich eine Dialysestation aufgebaut hat, für den Aufbau der Klinik in Cacersk; die Station des Ordens von Mutter Teresa in Gomel, in der Alkoholkranke Obdachlose ein Zuhause finden; das Krankenhaus in Narowlja; das Kindertherapiezentrum in Narowlja; die Schule in Kirow; die Katholische Kirche ; das Kulturhaus in Werbawitschi.

Die Zollabfertigung gestaltete sich diesmal zügiger und freundlicher denn je. Glücklicherweise musste der Bus sich bei der Einreise von Polen nicht in die riesige wartende Autoschlange einreihen. Ab 1. Juli will Weißrussland den Autozoll erhöhen. Statt bislang 0,50 Euro pro Kubikzentimeter Hubraum, müssen dann 5 Euro pro ccm gezahlt werden.

Einige Jahre liegt es zurück, dass ein Hirschgeweih, das ein Reisender als Gastgeschenk in Belarus bekommen hatte, für großen Aufruhr sorgte. Bevor der Zöllner den Bus passieren ließ, forderte er einen Spezialisten an, der bestätigen konnte, dass das Geweih nur abgefallen und nicht abgesägt worden war.

Während man früher darauf angewiesen war, dass ein Ortskundiger einem den Weg zur Tankstelle wies, sind diese heute als solche erkennbar. Mehr und mehr Raststätten nach westlichem Vorbild entstehen an den endlosen Straßen. Auf den Baustellen arbeiten Fachkräfte in moderner Arbeitskleidung und hören dazu lautstark Musik aus dem Radio. Das wäre noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen.

Im Tankstellenshop gibt es kleine Wegzehrungen für unterwegs zu kaufen. Beispielsweise getrockneten Fisch in kleinen Tütchen, aber natürlich auch Zigaretten, Getränke und Ähnliches. Vorbei also die Zeiten, bei denen zum Tanken auf einem abgelegenen, unwegsamen Gelände vor dem Ausstieg als erstes die Gummistiefel angezogen werden mussten.

Die Städter, die keine Verwandten auf den Dörfern haben, wissen oft nicht, wie diese Menschen dort wohnen und leben. Verwaltungsangestellte aus Narowlja, die bei der Verteilung von Hilfspaketen zur Registrierung derselben mitfuhren, waren oft selbst sehr erschrocken über die Zustände auf dem Land. Kommentare wie „Das habe ich nicht gewusst“ oder „Ich schäme mich so“ waren nicht selten.

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