Nottuln
Vom Westerberg zur Steverquelle

Dienstag, 24.05.2011, 19:05 Uhr

Nottuln - Wasser, das aus der Nottulner Seite des Westerbergs versickert, kommt an den Steverquellen wieder heraus. Und nirgendwo anders. Das ist ein Ergebnis der Diplomarbeit der angehenden Diplom-Landschaftsökologin Anna Gehring , die sie jetzt gemeinsam mit ihrer Betreuerin, Privatdozentin Dr. Patricia Göbel vom Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Münster, und Hermann Mollenhauer vom Umweltamt des Kreises Coesfeld, vorstellte.

Ende 2007 haben die Uni und der Kreis das große Quellenprojekt angestoßen. Dessen Ziel ist es, die vielen Quellen im Kreisgebiet wissenschaftlich zu erfassen. In diesen Zusammenhang gehört auch die Arbeit von Anna Gehring. Wohin fließt das Grundwasser vom Westerberg ? Auf kürzestem Weg bergab, möchte man als Laie die Achseln zucken. Doch so einfach ist es nicht. „Das Grundwasser kann - je nachdem wie der Grundwasserleiter verläuft - durchaus auch in eine andere Richtung fließen als das oberirdische Wasser“, erklärt Dr. Göbel.

„Die oberirdischen Einzugsgebiete kennen wir gut, aber wie es unterirdisch aussieht, wissen wir eben nicht genau“, sagt Hermann Mollenhauer. In einer Landschaft mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung aber sei das Wissen um die „Belastungspfade“ wesentlich. Fernziel müsse es sein, passgenaue Schutzanforderungen zu definieren und die Landwirte in Sachen Düngung richtig beraten zu können (eine Aufgabe, die die Landwirtschaftskammer übernimmt, die wie der Kreis über die Ergebnisse der Forschungsarbeiten informiert wird).

Die Arbeit von Anna Gehring ist in diesem Zusammenhang ein weiterer kleiner Baustein. Die Riesenbeckerin hat am 20. März vergangenen Jahres ein Kilo Uranin in die Forschungsbohrungsstelle der Uni Münster gegeben, die direkt neben dem Longinusturm 100 Meter tief in den Westerberg eindringt.

Der Farbstoff sei nicht gesundheitsschädlich, betont Hermann Mollenhauer. Es zeige aber je nach Konzentration charakteristische Farben. Von Tiefrot bei voller Konzentration über Grün bis hin zur Farblosigkeit, bei der er aber gleichwohl noch nachweisbar ist. Die Konzentration, die die Forscher für die Eingabe berechnet hatten, passte. „In keinem Brunnen ist das Grundwasser verfärbt gewesen“, sagt Patricia Göbel.

Intensiv hat Anna Gehring dann die Quellen rund um den Westerberg beprobt. Ihr Ergebnis: Das Grundwasser kommt nur an den Steverquellen heraus. Theoretisch hätte es auch an der Lasbecker Quelle auf Havixbecker Gebiet wieder ans Tageslicht treten können. Der Grund ist eine „Störung“ in den Gesteinsschichten, die ungefähr auf einer Linie von Nottuln nach Havixbeck verläuft, und die ein Abfließen des Grundwassers in Richtung Havixbeck ermöglicht. Da aber kein Farbstoff an den Lasbecker Quellen gefunden wurde, könnte es sein, dass die Störung dicht ist und das Abfließen verhindert. Eine ebensolche Störung trennt im Übrigen auch das beprobte Gebiet vom Bereich Nonnenbachtal, erklärt Patricia Göbel. Rückschlüsse auf diesen Bereich ließen sich also nicht ziehen.

Lediglich zehn Tage brauchte das eingefärbte Grundwasser, um vom Westerberg zur Steverquelle zu kommen, für Wasser eine hohe Geschwindigkeit, wie die Forscher betonen, und typisch für zerklüfteten Untergrund. Gefolgt sei es der Hauptrichtung der Klüfte, die hier unterirdisch verlaufen und schon von anderen Forschern nachgewiesen wurden.

Dass die Steverquelle aber nach zehn Tagen ohne Regen trotzdem nicht trocken fällt, sondern munter wie immer weitersprudelt, liegt daran, dass das Wasser zum Teil über Umwege fließt, zum Teil wie in einem Schwamm in kleinen Poren aufgehalten wird, erläutert Anna Gehring. Selbst noch im November, als sie die letzten Proben für ihre Arbeit gezogen hat, konnte sie den Farbstoff nachweisen.

Trotz der langjährigen Forschungsarbeit sind noch viele Fragen offen, zum Beispiel die danach, wo das Wasser der Hexenquelle in Schapdetten herkommt. Für eine Antwort muss es wieder einen Studenten geben, der sich dieser Aufgabe annimmt. An Dr. Patricia Göbel jedenfalls soll es nicht scheitern: „Wir kommen immer wieder gerne in den Kreis Coesfeld.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/127781?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F698022%2F698054%2F
Studenten-Notunterkünfte: Bislang nur fünf Betten belegt
In der Oxford-Kaserne werden Notunterkünfte für Studierende bereitgestellt.
Nachrichten-Ticker